Die Zahl der Tatverdächtigen stieg um ein Viertel auf 4.404. Besorgniserregend: Menschen werden in gefährlichen Behältnissen transportiert.
Anstieg der Schleuserkriminalität in Deutschland 2023

Laut dem Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden hat die Polizei im Jahr 2023 in Deutschland einen deutlichen Anstieg der Schleuserkriminalität verzeichnet. Insgesamt wurden rund 7.920 Fälle von Einschleusungen erfasst, was einem Zuwachs von gut 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Im selben Zeitraum erhöhte sich die Anzahl der Tatverdächtigen um etwa ein Viertel auf 4.404. Die meisten Verdächtigen bei Schleusungsdelikten waren laut Angaben syrische, deutsche, türkische und ukrainische Staatsangehörige.
Die Ermittler nannten es besorgniserregend, dass die Menschen bei immer mehr Fällen in Behältnissen transportiert worden seien, die eine Gefahr für Leib und Leben bedeuteten. «Am häufigsten wurden hierfür Kleintransporter genutzt, die sich leicht anmieten lassen und für die keine spezielle Fahrerlaubnis benötigt wird», erläuterte das BKA.
Unter anderem drohten bei solchen Fahrten Sauerstoff- oder Wassermangel sowie Unterkühlung oder Verletzungen bei Unfällen. Die durchschnittliche Anzahl der auf der Ladefläche eines Kleintransporters festgestellten Personen in Deutschland hat sich im Jahresvergleich 2022/2023 von zehn auf neunzehn nahezu verdoppelt, wie aus dem Bundeslagebild «Schleuserkriminalität» hervorgeht.
Schleusungsfahrzeug wird zu gefährlichen Fluchtmanövern genutzt
Die Schleusungsgruppierungen agierten laut BKA zunehmend risikobereiter und rücksichtsloser gegenüber den geschleusten Menschen, unbeteiligten Dritten sowie den Polizeikräften, um sich einer Kontrolle zu entziehen. «Ohne jegliche Rücksicht auf die Insassinnen und Insassen oder andere Verkehrsteilnehmende wird dabei aus dem Schleusungsfahrzeug ein Fluchtfahrzeug.»
Laut Angaben in Deutschland gab es im Jahr 2023 über 200 bekannte Fluchtversuche im Zusammenhang mit sogenannten Behältnisschleusungen, bei jedem vierten kam es zu einem Unfall.
Entwicklung der illegalen Migration
Laut dem BKA hat die illegale Migration nach Deutschland im Jahr 2023 signifikant zugenommen. Die Sicherheitsbehörde registrierte 266.224 Tatverdächtige wegen unerlaubter Einreise und unerlaubtem Aufenthalt, wie aus der polizeilichen Kriminalstatistik hervorgeht.
Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr beträgt rund ein Drittel (plus 33,4 Prozent). Die Hauptherkunftsstaaten der Tatverdächtigen in Deutschland waren Syrien (54.207 Personen), die Türkei (35.732 Personen) und Afghanistan (35.370 Personen).
Im ersten Halbjahr 2024 war die Zahl unerlaubter Einreisen von Migrantinnen und Migranten an der deutschen Grenze im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent gesunken, wie die Bundespolizei Ende Juli mitgeteilt hatte. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte Mitte Oktober vergangenen Jahres feste Kontrollen an den Landgrenzen zu Polen, Tschechien und der Schweiz angeordnet und seitdem mehrmals verlängert. Sechs-Monats-Zahlen sind jedoch nur bedingt aussagekräftig, weil der gesamte Jahrestrend fehlt.
Andere Hauptrouten bei Schleusungen
Laut dem BKA haben sich die Schleusungsrouten im Jahr 2023 verändert. Im Vergleich zum Vorjahr gab es mehr Grenzübertritte über das zentrale Mittelmeer nach Italien und über das östliche Mittelmeer nach Griechenland. Weniger Grenzübertritte wurden dagegen auf der Westbalkanroute und der Ostroute verzeichnet.
Werbevideos in sozialen Medien
Bei Schleuserkriminalität wurden hauptsächlich Messengerdienste wie Telegram und WhatsApp zur Kommunikation genutzt, wie das BKA mitteilte. Des Weiteren verwendeten Schleuserorganisationen soziale Medien, um ihre Dienste zu bewerben. Insbesondere über Facebook, Instagram und Tiktok wurden Kurzvideos verwendet, um für eine Schleusung nach Deutschland zu werben. Ebenso werden auch Fahrerinnen und Fahrer auf diese Weise rekrutiert.








