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Institut: Bundeswehr-Aufrüstung kommt nur sehr langsam voran

Die Bestände der Bundeswehr sind bis 2021 stetig gesunken und steigen seitdem nur sehr langsam. Das Institut für Weltwirtschaft hat eine klare Forderung.

Das Institut für Weltwirtschaft fordert höhere Verteidigungsausgaben. (Archivbild)
Foto: Carsten Rehder/dpa

Deutschland rüstet angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine auf – nach Ansicht des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel aber nur langsam. «Russland erwächst zu einer immer größeren Sicherheitsbedrohung für die Nato», sagte Guntram Wolff vom IfW. «Gleichzeitig kommen wir mit der für die Abschreckung nötigen Aufrüstung nur sehr langsam voran.»

Was Europa brauche, sei neben dem Sondervermögen eine deutliche und sofortige Erhöhung der deutschen Verteidigungsausgaben auf mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts, betonte Wolff. «Ein Weiter-so-wie-bisher wäre mit Blick auf Russlands Aggression fahrlässig und verantwortungslos.» Bisher wird das Zwei-Prozent-Ziel der Nato erreicht, indem die Ausgaben aus dem Sondervermögen für die Bundeswehr eingerechnet werden.

Report dokumentiert Militärbeschaffungen

Die Bundesregierung hat derzeit Schwierigkeiten, die Waffen, die in die Ukraine fließen, knapp zu ersetzen. Der Bestand an Luftverteidigungssystemen und mobilen Abschusseinheiten wie Artillerie-Haubitzen nimmt sogar ab. Erst im Jahr 2023 begann Deutschland laut IfW damit, seine Verteidigungsausgaben in nennenswertem Umfang zu erhöhen.

Wie aus dem aktuellen «Kiel Report» des Instituts hervorgeht, sind seitdem Bestellungen im Wert von rund 90 Millionen Euro platziert worden. Der Report dokumentiert alle veröffentlichen deutschen Militärbeschaffungen seit 2020.

Drastische Abrüstung und langsame Aufrüstung

Die Bestände sind in den letzten 20 Jahren weiter gesunken. Laut dem Bericht gab es 2004 in Deutschland etwa 434 Kampfflugzeuge, 2.398 Kampfpanzer und 978 Haubitzen. Im Jahr 2021 sank die Anzahl auf 226 Flugzeuge, 339 Panzer und 121 Haubitzen.

Es wird prognostiziert, dass es viele Jahre dauern wird, den Bestand auf das Niveau von 2004 zu bringen. Laut Bericht wird es etwa 15 Jahre dauern, um den Bestand an Kampfjets wiederherzustellen, und rund 40 Jahre bei Kampfpanzern. Bei Haubitzen wird es sogar bis ins Jahr 2121 dauern, um das Niveau von 2004 zu erreichen.

Laut dem IfW liegt dies zum einen an der starken Abrüstung der vergangenen Jahrzehnte und zum anderen an der immer noch zu langsamen Aufrüstung unter der Ampelregierung.

IfW-Präsident: Zeitenwende ist bislang nur eine Worthülse

Der Präsident des IfW Kiel, Moritz Schularick, betonte: «Die Zeitenwende ist bislang nur eine Worthülse.» Frieden gebe es ausschließlich dann, wenn Moskau verstehe, dass es einen Angriffskrieg in Europa militärisch nicht gewinnen kann. 

Dafür bräuchten Deutschland und Europa glaubhafte militärische Fähigkeiten. Daher forderte Schularick, dass Deutschland ein «angemessenes Verteidigungsbudget» von mindestens 100 Milliarden Euro pro Jahr zur Verfügung stehen müsse.

dpa