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Iran setzt Tanker im Golf von Oman fest

Seit Ausbruch des Gaza-Kriegs verschärfen sich auch die Spannungen auf wichtigen Seerouten. Während die Huthi-Rebellen israelische Schiffe ins Visier nehmen, geht auch Irans Marine drastisch vor.

Soll mit erhöhter Geschwindigkeit in Richtung Iran unterwegs gewesen sein: Der Rohöltanker «St. Nikolas».
Foto: Dietmar Hasenpusch/Photo-Productions/dpa

Irans Marine hat einen Öltanker im Golf von Oman festgesetzt. Das Schiff sei auf Weisung der Justiz beschlagnahmt worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Irna. Die Islamische Republik warf dem Tanker «St. Nikolas» demnach vor, iranisches Öl gestohlen zu haben. Das Schiff sei schließlich in Richtung eines iranischen Hafens geleitet worden.

Im letzten Jahr war die «St. Nikolas» Gegenstand eines Streits zwischen Teheran und den USA. Das Schiff, das zuvor unter dem Namen «Suez Rajan» registriert war, wurde 2023 aufgrund von Vorwürfen über Verstöße gegen Sanktionen von den USA festgesetzt.

Tanker mit abgeschaltetem AIS und erhöhter Geschwindigkeit

Laut Ambrey, einem britischen Unternehmen, das Informationen und Lösungen für das Risikomanagement in der internationalen Schifffahrt anbietet, wurde das Automatische Identifikationssystem (AIS) des Tankers ausgeschaltet. Das Schiff fährt mit erhöhter Geschwindigkeit in Richtung Iran.

Laut Berichten trugen die Bewaffneten, die an Bord gekommen waren, schwarze Militäruniformen und schwarze Masken. Ambrey bestätigte auch, dass es sich um einen Tanker handelte, dessen Ladung in den USA beschlagnahmt wurde, da er iranisches Öl entgegen den Sanktionen geladen hatte.

Die griechische Reederei Empire Navigation in Athen hatte der Deutschen Presse-Agentur zuvor die Kaperung des griechischen Tankers unter der Flagge der Marshallinseln am Donnerstag im Golf von Oman bestätigt. An Bord der «St. Nikolas» soll sich demnach eine 19-köpfige Besatzung befinden, davon 18 Seeleute aus den Philippinen und ein Grieche. Das Schiff habe zuvor Öl im irakischen Basra aufgenommen und sei auf dem Weg zum Suezkanal und dann weiter in die türkische Hafenstadt Aliaga gewesen, hieß es.

UKMTO-Bericht übe den Vorfall

Die britische Handelsschifffahrtsorganisation UKMTO twitterte, das Schiff habe sich rund 50 Seemeilen östlich der omanischen Hafenstadt Sohar befunden, als vier oder fünf vermummte Männer in schwarzer militärischer Bekleidung den Tanker geentert hätten. Der Kontakt mit der «St. Nikolas» sei dann abgebrochen. Das Schiff habe den Kurs geändert und sei nun auf dem Weg in Richtung iranischer Gewässer.

Die iranische Marine wird von den USA beschuldigt, den zivilen Schiffverkehr in der Straße von Hormus und im angrenzenden Golf von Oman zu stören. Es hat in der Vergangenheit wiederholt Zwischenfälle mit Öltankern gegeben. Die Straße von Hormus, eine etwa 55 Kilometer breite Meerenge zwischen dem Iran und Oman, gilt insbesondere als eine der bedeutendsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Ölexport.

Seit Beginn des Gaza-Kriegs Anfang Oktober haben sich die Spannungen in der Region auch auf den Seewegen deutlich erhöht. Insbesondere die Huthi-Rebellen im Jemen, die mit dem Iran verbündet sind, haben in den letzten Wochen wiederholt Tanker auf dem Weg nach Israel angegriffen. Große Reedereien meiden zunehmend die Route im Roten Meer, die die kürzeste Verbindung auf dem Seeweg zwischen Asien und Europa darstellt. Die iranische Marine hat kürzlich eine Fregatte entsandt.

dpa