Seit Monaten hatte Israel einen Militäreinsatz in der mit Flüchtlingen überfüllten Stadt an der Gaza-Grenze zu Ägypten angekündigt. Verbündete warnten eindringlich vor hohen zivilen Verlusten.
Israel beginnt vor Militäreinsatz mit Evakuierung von Rafah

Die Armee Israels hat mit der Evakuierung der Stadt Rafah im südlichen Gazastreifen begonnen, bevor ein Militäreinsatz erwartet wird. Die Einwohner des östlichen Teils der Stadt an der Grenze zu Ägypten wurden aufgefordert, sich in das einige Kilometer nördlich gelegene Al-Mawasi-Lager am Mittelmeer zu begeben.
Die indirekten Verhandlungen Israels mit der islamistischen Terrororganisation Hamas in Kairo über eine neue Feuerpause im Gaza-Krieg und die Freilassung von Geiseln im Austausch für palästinensische Häftlinge waren zuvor ergebnislos geblieben.
Israel plant, die verbliebenen Bataillone der islamistischen Terrororganisation Hamas in Rafah durch den Militäreinsatz zu zerschlagen. Es wird auch vermutet, dass sich Geiseln in der Stadt an der Grenze zu Ägypten befinden.
Israels Verbündete hatten seit Monaten eindringlich vor einer solchen Offensive in Rafah gewarnt, weil sich dort Hunderttausende palästinensischer Binnenflüchtlinge drängen. Israel hält den Einsatz jedoch für unumgänglich, um eine Zerstörung der Kampffähigkeiten der Hamas sicherzustellen. Anderenfalls könne sie nach Kriegsende wiedererstarken.
Evakuierung könnte Wochen dauern
Angehörige des militärischen Arms der Hamas feuerten am Sonntag Raketen auf den israelischen Grenzübergang Kerem Schalom ab und töteten dabei drei israelische Soldaten. Kerem Schalom ist der wichtigste Grenzübergang für die Lieferung von Hilfsgütern aus Israel in den Gazastreifen. Die Armee schloss ihn nach dem Raketenangriff vorübergehend für humanitäre Transporte. Das Militär bombardierte daraufhin nach eigenen Angaben im Gazastreifen den Ort in der Nähe des Grenzübergangs Rafah zu Ägypten, von dem der Angriff ausging.
Vor Kampfeinsätzen in Rafah plant Israel laut eigenen Angaben, die Stadt zunächst zu evakuieren. Es wird geschätzt, dass dieser Prozess mehrere Wochen in Anspruch nehmen könnte. Laut Israel hat die Hamas ihre Kämpfer in Rafah auf den bevorstehenden Kampf gegen Israel vorbereitet und sie mit Proviant und Waffen ausgestattet. Medienberichten zufolge wurde auch die Anzahl der Geiselwächter erhöht.
Nach Informationen des «Wall Street Journal» will Israel seine Bodenoffensive in Rafah in Etappen durchführen. Das Blatt schrieb von zwei bis drei Wochen Evakuierung und sechs Wochen Offensive.
Nachbarland Ägypten befürchtet Flüchtlingswelle
Hochrangige israelische Geheimdienst- und Militärbeamte trafen sich letzten Monat in Kairo mit dem ägyptischen Geheimdienstchef, um Israels geplanten Einsatz seiner Armee in Rafah zu besprechen. Zuvor hatte der Vorsitzende des ägyptischen Staatsinformationsdiensts SIS, Diaa Raschwan, erklärt, dass keine Gespräche mit Israel über eine mögliche Militäroffensive in Rafah geführt werden. Ägypten lehnt solche Pläne entschieden ab und hat diese Position mehrfach bekräftigt. Die Stadt im Süden gilt als die einzige in dem abgeriegelten Küstenstreifen, die noch relativ unversehrt ist.
Ägypten befürchtet, dass es bei einem israelischen Einsatz in Rafah zu einem Ansturm von Palästinensern über die Grenze kommen könnte. Rafah beherbergt den Grenzübergang vom Gazastreifen nach Ägypten und ist ein wichtiger Durchgang für humanitäre Hilfslieferungen in den abgeriegelten Küstenstreifen. Schwere Kämpfe in Rafah könnten die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und Treibstoff weiter beeinträchtigen.








