Über eine Million Palästinenser drängen sich im äußersten Süden des Gazastreifens. Beim Sturm auf die Stadt droht eine humanitäre Katastrophe. Der Überblick.
Israel bereitet Angriff auf Rafah vor

Rund vier Monate nach Beginn des Gaza-Kriegs will Israel offenbar auch den äußersten Süden des abgeriegelten Küstenstreifens unter Kontrolle bringen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gab den Befehl aus, eine Militäroffensive auf die Stadt Rafah vorzubereiten. «Es ist unmöglich, das Kriegsziel der Eliminierung der Hamas zu erreichen, wenn vier Hamas-Bataillone in Rafah verbleiben», teilte sein Büro mit. Zuvor sollten allerdings die Zivilisten in der Stadt an der Grenze zu Ägypten in Sicherheit gebracht werden.
Eine Militäroffensive in Rafah wird als äußerst problematisch angesehen. Derzeit leben 1,3 Millionen Menschen in diesem Ort, der vor dem Krieg eine Bevölkerung von etwa 300.000 Einwohnern hatte. Die Mehrheit von ihnen floh vor dem Krieg aus anderen Teilen des Gazastreifens dorthin, zum Teil auf Anweisung des israelischen Militärs.
Die Hamas beauftragte Terroristen, am 7. Oktober in Israel ein verheerendes Massaker zu verüben, bei dem vor allem Zivilisten getötet wurden. Seitdem kämpft Israel gegen die Hamas im Gazastreifen. Die hohe Anzahl ziviler Opfer im Gaza-Krieg und die katastrophalen Lebensbedingungen der palästinensischen Zivilbevölkerung haben international zu scharfer Kritik an Israels Vorgehen geführt.
UN warnen vor humanitärer Katastrophe
Aufgrund der Angriffspläne hat der UN-Generalsekretär António Guterres vor einer humanitären Katastrophe und den Auswirkungen auf die gesamte Region gewarnt. Er betonte, dass die Hälfte der Bevölkerung des Gazastreifens in Rafah zusammengepfercht sei und keine andere Möglichkeit habe, wohin zu gehen. Diese Aussagen wurden auf der Nachrichtenplattform X, ehemals Twitter, veröffentlicht. Guterres‘ Sprecher Stéphane Dujarric ergänzte, dass man keine Massenvertreibungen sehen wolle. Die US-Regierung und die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock hatten sich ebenfalls in den letzten Tagen klar gegen ein militärisches Vorgehen in Rafah ausgesprochen.
Abbas zu möglicher Rafah-Offensive: Vorspiel zu Vertreibung
Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat von Israel erwogene Pläne einer Militäroffensive in der Stadt Rafah im südlichen Gazastreifen scharf verurteilt. Abbas erklärte, diese würden ein «gefährliches Vorspiel» zu einer Politik der Vertreibung darstellen, die von den Palästinensern befürchtet wird. Abbas warf Israel und dem Verbündeten USA eine «destruktive Politik» vor. Er rief den UN-Sicherheitsrat dazu auf, tätig zu werden. «Diese (von Israel erwogenen) Schritte gefährden die Sicherheit und den Frieden in der Region, sie überschreiten alle roten Linien», fügte er hinzu.
Scholz: Israels Kriegführung muss Völkerrecht entsprechen
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat Israel aufgefordert, bei seiner Militäroperation im Gazastreifen das Völkerrecht im Blick zu behalten. Auf eine Frage nach der vom israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu angeordneten Vorbereitung einer Militäroperation in der Stadt Rafah an der Grenze zu Ägypten sagte er während eines Besuchs in Washington: «Die Art der Kriegführung muss den Ansprüchen, die Israel an sich selber hat, aber die das Völkerrecht auch mit sich bringt, entsprechen.»
Medien: Israel beschießt Ziele nahe Damaskus
Gemäß Medienberichten haben die israelischen Streitkräfte Ziele in der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus angegriffen. Laut einer Militärquelle der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur (Sana) wurde das Umland von Damaskus vom israelischen Militär von den Golanhöhen aus beschossen. Es wurden heftige Explosionen westlich der syrischen Hauptstadt gehört. Einige der Raketen wurden von der syrischen Flugabwehr abgeschossen. Sana berichtete, dass nur Sachschaden entstanden sei. Die in Großbritannien ansässige syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte gab bekannt, dass ein Wohngebäude westlich der syrischen Hauptstadt getroffen wurde.
Wieder Gefechte zwischen Israel und Hisbollah
Im Grenzgebiet zwischen Israel und dem Libanon kam es erneut zu Kämpfen zwischen der schiitischen Miliz Hisbollah und den israelischen Streitkräften. Laut Angaben des israelischen Militärs feuerte die Hisbollah mehrere Raketen auf den Norden Israels ab, wobei keine Menschen verletzt wurden. Als Reaktion auf den Angriff bombardierte die israelische Luftwaffe eine Militäranlage in Marun al-Ras im südlichen Libanon, in der Hisbollah-Kämpfer aktiv gewesen sein sollen, wie das israelische Militär mitteilte. Kampfflugzeuge griffen außerdem Militärbasen in Johmor und Nakura an. Israel griff auch mit Artillerie Zielen jenseits der Grenze im südlichen Libanon an.
Miliz ruft zu Einheitsfront gegen US-Truppen im Irak auf
Nachdem ein Kommandeur einer proiranischen Miliz bei einem US-Drohnenangriff getötet wurde, hat eine Rebellengruppe im Irak dazu aufgerufen, eine Einheitsfront gegen die US-Truppen zu bilden. Der Islamische Widerstand im Irak forderte andere Gruppen auf, sich an der Vertreibung der US-Streitkräfte zu beteiligen. Am Mittwoch wurde der Kommandeur der proiranischen Miliz Kataib Hisbollah, Abu Bakir al-Saadi, bei einem US-Drohnenangriff in Bagdad getötet. Die Vereinigten Staaten reagierten damit auf einen Angriff in Jordanien nahe der syrischen Grenze, bei dem Ende Januar drei US-Soldaten ums Leben kamen.
Was heute wichtig wird
Die israelischen Streitkräfte rüsten sich für einen Angriff auf Rafah. Ihr Ziel ist es, die verbleibenden Einheiten der islamistischen Hamas dort zu vernichten. Aufgrund der vielen Flüchtlinge in der Stadt im südlichsten Teil des Gazastreifens warnen Beobachter vor einer humanitären Katastrophe.








