Von vorsichtigem Optimismus ist bei den Gaza-Vermittlungsgesprächen die Rede. Doch vorerst tobt der Krieg unerbittlich weiter. Die News im Überblick.
Israel erhöht militärischen Druck auf Hamas

Während sich im Gaza-Krieg die Vermittler aus Katar, Ägypten und den USA in Paris weiter um eine Feuerpause und die Freilassung von Geiseln bemühen, setzt die israelische Armee die Kämpfe gegen die islamistische Hamas unerbittlich fort. Israel werde «den militärischen Druck bis zum letzten Moment verstärken, weil nur Verhandlungen unter Beschuss zu Ergebnissen führen werden», zitierte der israelische Fernsehsender Channel 12 eine israelische Sicherheitsquelle.
«Es gibt Optimismus, aber eine Einigung steht nicht bevor», sagte demnach ein namentlich nicht genannter Regierungsbeamter. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock rief unterdessen Israel und die Hamas eindringlich zu einer raschen Feuerpause auf. «Wir brauchen die humanitäre Pause jetzt zur Freilassung der Geiseln und damit die humanitäre Hilfe nach Gaza kann», sagte die Grünen-Politikerin am Rande der UN-Vollversammlung in New York.
Israel zu Verhandlungen: Einigung steht nicht bevor
In Paris begann eine neue Runde indirekter Verhandlungen über eine Feuerpause im Gaza-Krieg, die laut Medienberichten an diesem Wochenende fortgesetzt werden soll. Eine israelische Delegation unter der Leitung von David Barnea, dem Leiter des Auslandsgeheimdienstes Mossad, traf mit Vertretern Ägyptens, Katars und der USA zusammen, die die Gespräche mit der Hamas vermitteln. Israel und die Hamas verhandeln nicht direkt miteinander. Es wird berichtet, dass die Hamas einige ihrer Forderungen reduziert haben soll. Laut Channel 12 verlangen sie jetzt nur noch die Freilassung von mehreren Dutzend palästinensischen Häftlingen im Austausch für jede israelische Geisel, anstatt wie zuvor von Hunderten.
Israels Delegation in Paris soll wiederum laut dem Sender von ihrer Regierung die Vollmacht für eine gewisse Flexibilität bei den eigenen Positionen erhalten haben. Israel lehne jedoch die Hamas-Forderung nach einem dauerhaften Waffenstillstand und der Beendigung des Krieges weiter strikt ab, hieß es. «Die Bemühungen drehen sich darum, einen Grundrahmen mit klaren Kriterien dafür zu schaffen, worüber wir diskutieren und worüber nicht», zitierte der Sender den Regierungsbeamten.
«Eine Einigung steht nicht bevor. Das Ziel ist es, eine solche vor dem Beginn des Monats Ramadan zu erzielen.» Der muslimische Fastenmonat beginnt um den 10. März. Benny Gantz, Minister in Israels Kriegskabinett, warnte die Hamas erneut vor einer möglichen Ausweitung des Einsatzes auf die Stadt Rafah im Süden Gazas.
Gantz: Erreichen Hamas überall – auch in Rafah
Israel plant derzeit eine kontroverse Militäroperation in der Stadt an der Grenze zu Ägypten, um die verbleibenden Hamas-Bataillone zu zerschlagen und mutmaßliche Geiseln zu befreien, wie es heißt. Bisher wurde jedoch noch kein Einsatzbefehl erteilt.
In dem Ort haben Hunderttausende palästinensische Binnenflüchtlinge Schutz gesucht. In früheren Äußerungen hatte Gantz angekündigt, dass die Offensive in Rafah selbst im Ramadan beginnen könne, wenn bis dahin keine Vereinbarung zur Freilassung von mehr als 130 Geiseln in der Gewalt der Hamas erzielt ist. «Wir werden jeden Ort erreichen, wo Hamas-Terroristen sind», sagte der israelische Minister in einer Video-Botschaft.
Baerbock: Humanitäre Lage katastrophal
Bundesaußenministerin Baerbock sagte in New York, die humanitäre Situation in Gaza sei «so katastrophal, dass derzeit Hilfe fast gar nicht mehr verteilt wird». Während einer humanitären Feuerpause müssten «Hilfsorganisationen endlich ihre Arbeit in Gaza wieder aufnehmen können».
Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums im Gazastreifen ist die Zahl der Toten seit Beginn des Krieges vor fast fünf Monaten auf bereits 29.514 gestiegen, während 69.616 Menschen verletzt wurden. Die Angaben, die keine Unterscheidung zwischen Kämpfern und Zivilisten machen, können unabhängig nicht überprüft werden.
Der Krieg begann mit einem Massaker, das Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober des letzten Jahres in Israel verübt hatten. Dabei wurden über 1200 Menschen getötet und 250 weitere in den Gazastreifen entführt. Israel reagierte mit umfangreichen Luftangriffen und einer Bodenoffensive.
Bericht: Hamas noch lange nicht besiegt
Israels Armee habe nach eigener Einschätzung der Hamas seit Beginn des Krieges vor fast fünf Monaten zwar einen schweren Schlag versetzt, indem sie Kommandeure getötet, Tunnel zerstört und Waffen beschlagnahmt habe, meldete die «New York Times». Doch das Ziel von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, die Hamas zu vernichten, bleibe nach Ansicht amtierender und ehemaliger israelischer Sicherheitsbeamter in weiter Ferne.
«Ist es möglich, dass diese Mission meinen Kindern hinterlassen wird? Die Antwort ist Ja», zitierte die Zeitung einen Beamten des israelischen Militärgeheimdienstes. Während der jüngsten Kämpfe habe die Hamas nach Ansicht israelischer Analysten direkte Konfrontationen mit israelischen Einheiten vermieden, was Israel als Zeichen der Schwäche gewertet habe, schrieb die Zeitung.
Laut anderen Experten hat die Hamas einen Grund für diese Strategie: Die Hamas ist der Überzeugung, dass es einen Sieg bedeuten würde, wenn ein beträchtlicher Teil ihrer militärischen Stärke den Krieg überleben würde.
Israel zur Lage im Libanon
Inzwischen verschärft sich auch die Situation an der Nordgrenze Israels zum Libanon. Laut Angaben der Hisbollah-Miliz wurden bei einem israelischen Luftangriff drei Personen getötet. Die schiitische Miliz gab bekannt, dass am Vortag ein Gesundheitszentrum und Rettungswagen getroffen wurden. Die israelische Armee hingegen erklärte, der Angriff habe sich gegen eine militärische Einrichtung der Hisbollah gerichtet.
Der israelische Außenminister Israel Katz warnte die vom Iran unterstützte Miliz mit deutlichen Worten. «Wir werden nicht mehr lange auf eine diplomatische Lösung im Norden warten», schrieb Katz auf der Plattform X (vormals Twitter). Laut der «Times of Israel» führte die israelische Marine in der vergangenen Woche «umfangreiche» Übungen durch. Das Militär bereite sich auf einen möglichen Krieg vor, schrieb die israelische Zeitung.
Was heute wichtig wird
Die Bemühungen der internationalen Vermittler in Paris sollen fortgesetzt werden, um eine Waffenruhe und die Freilassung von Geiseln zu erreichen. Die humanitäre Situation der palästinensischen Zivilisten ist erschreckend. Zudem herrscht in Rafah die Angst vor einer möglichen Bodenoffensive Israels.








