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Israel fliegt Luftangriff im Westjordanland

Israels Militär kämpft an mehreren Fronten. Im Westjordanland habe die Luftwaffe einen Terroristen getötet. Ein weiterer Mann stirbt im Südlibanon. Die News im Überblick.

Bei Einsätzen der israelischen Armee in Dschenin im Westjordanland sind mehrere Menschen getötet worden.
Foto: Ayman Nobani/dpa

Während Israels Armee ihre Angriffe gegen die islamistische Hamas und andere bewaffnete Gruppen im Gazastreifen verstärkt, hat die Luftwaffe jetzt auch im Westjordanland sowie im Südlibanon zugeschlagen. Bei einem Luftangriff in Dschenin im Westjordanland wurde ein gesuchter Terrorist getötet, teilte Israels Militär in der Nacht zum Samstag mit. Ein Kampfflugzeug und ein Hubschrauber hätten eine Kommandozentrale eines örtlichen Terrornetzwerkes angegriffen, hieß es. Kurz zuvor wurde ebenfalls bei einem Luftangriff im Südlibanon ein Hamas-Offizier in seinem Auto getötet, wie die israelische Armee bestätigte.

In der Zwischenzeit reist der Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden am Samstag zuerst nach Saudi-Arabien und am Sonntag nach Israel. Dort wird über Israels kontroversen Militäreinsatz in Rafah im Süden Gazas sowie die festgefahrenen Verhandlungen über ein Abkommen zur Freilassung aller Geiseln diskutiert.

Bericht: Hamas-Anführer will Druck auf Israel erhöhen

Der militärische Anführer der Hamas im Gazastreifen, Jihia al-Sinwar, habe nach Einschätzung der USA eine Einigung bei den jüngsten Geisel-Gesprächen verweigert in der Hoffnung, dass der internationale Druck auf Israel weiter steigt und zu einem Ende des Krieges führt, berichtete das Nachrichtenportal «Axios». Diese Einschätzung habe Sullivan kürzlich ausländischen Botschaftern bei einem Treffen gesagt, hieß es.

Die Gespräche über ein mögliches Geiselabkommen, das zu einer vorübergehenden Waffenruhe führen könnte, steckten letzte Woche nach mehrtägigen Verhandlungen in Kairo und Doha in einer Sackgasse. Am Freitag gab die israelische Armee bekannt, dass die Leiche der Deutsch-Israelin Shani Louk sowie die zweier weiterer Geiseln im Gazastreifen gefunden wurden. Sie wurden bei einem Sondereinsatz geborgen. Es ist unklar, wie viele der noch 129 im Gazastreifen verbliebenen Geiseln noch am Leben sind.

Tote bei Luftangriffen im Südlibanon und Westjordanland

Die israelische Armee bestätigte die gezielte Tötung eines Hamas-Offiziers, der eine Reihe von Angriffen gegen Israel aus dem Libanon gesteuert haben soll. Seit Beginn des Gaza-Krieges nach dem Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober vergangenen Jahres schießt die Hisbollah aus dem Libanon mit Raketen, Artillerie- und Panzerabwehrgranaten auf den Norden Israels – aus «Solidarität» mit der Hamas in Gaza, wie sie vorgibt. Israel bekämpft mit Luft- und Artillerieangriffen die Stellungen der Hisbollah, die nach einem UN-Sicherheitsratsbeschluss gar nicht so nahe an der Grenze sein dürften. Auf beiden Seiten hat es Tote gegeben. Es ist die schwerste Eskalation seit dem zweiten Libanon-Krieg 2006.

Der Mann, der bei einem israelischen Luftangriff in Dschenin im Westjordanland in der Nacht zum Samstag getötet wurde, wird vom Militär als verantwortlich für eine Reihe von Terroranschlägen, einschließlich der Ermordung eines Israelis im Mai 2023, genannt. Laut palästinensischen Berichten wurde der Mann ebenfalls bei dem Angriff getötet. In den letzten Jahren hat es im Westjordanland eine Zunahme von Anschlägen durch Palästinenser gegeben. Seit Beginn des Krieges im Gazastreifen hat sich die Situation weiter verschärft. Laut dem Gesundheitsministerium wurden seitdem im Westjordanland mehrere Hundert Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, Konfrontationen oder eigenen Anschlägen getötet. Es kam auch zu verstärkten Gewalttaten israelischer Siedler gegen Palästinenser.

Hilfsgüter erreichen Gazastreifen über neuen Pier

Am Freitagmorgen fuhren erstmals Lastwagen mit Hilfsgütern über eine provisorische Anlegestelle des US-Militärs in den Gazastreifen. Israels Armee teilte mit, dass der Transport von 310 Paletten mit humanitärer Hilfe unterstützt wurde.

Erst am Donnerstag hatte das US-Militär einen schwimmenden Pier an der Küste verankert, über den nun Lastwagen von Schiffen über den Strand in den Gazastreifen fahren können. Nach Pentagon-Angaben sollen über die provisorische Anlegestelle zunächst etwa 90 Lkw-Ladungen pro Tag in das abgeriegelte Küstengebiet gelangen. Zu einem späteren Zeitpunkt erwarte man bis zu 150 Lkw-Ladungen täglich. Die Vereinten Nationen erklärten sich bereit, beim Empfang und bei der Organisation der Auslieferung der Hilfsgüter zu helfen. Verantwortlich sei dabei das Welternährungsprogramm WFP, das «die Registrierung, die Überwachung der Verladung und des Transfers der Waren» übernehme, sagte ein Sprecher.

Israel hat die Anschuldigungen des Völkermords im Gazastreifen vor dem Internationalen Gerichtshof am Freitag energisch zurückgewiesen und den umstrittenen Militäreinsatz in Rafah im Süden des Küstengebiets als Selbstverteidigung gegen die Hamas verteidigt. Südafrika hat einen Eilantrag gestellt, um den Abzug Israels aus Gaza zu fordern, wo der Einsatz seit fast zwei Wochen läuft. Es ist unklar, wann das Gericht eine Entscheidung treffen wird. Das Hauptverfahren zu den Völkermordvorwürfen wird sich über Jahre hinziehen.

Was am Samstag wichtig wird

Am Samstag will der Sicherheitsberater von US-Präsident Biden, Jake Sullivan, Saudi-Arabiens Kronprinzen und faktischen Herrscher, Mohammed bin Salman, treffen, kündigte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, am Freitag in Washington an. Bei dem Treffen werde es unter anderem um «die laufenden Bemühungen um einen dauerhaften Frieden und Sicherheit in der Region» gehen. Am Sonntag werde Sullivan nach Israel weiterreisen und dort unter anderem mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zusammenkommen. Dabei solle es auch um die humanitäre Lage im Gazastreifen gehen.

dpa