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Israel: Größtes Hamas-Tunnelsystem freigelegt

Die Gänge gelten als «Terror-Stadt im Untergrund»: Soldaten haben das größte Tunnelsystem in Gaza ausgehoben. Der US-Verteidigungsminister will die Israelis indes zur Mäßigung drängen. Der Überblick.

Israelische Soldaten haben eigenen Angaben zufolge das größte Hamas-Tunnelnetz gefunden.
Foto: Ariel Schalit/AP/dpa

Die israelischen Streitkräfte behaupten, dass sie während ihres Militäreinsatzes im Gazastreifen das größte Tunnelsystem der islamistischen Hamas aufgedeckt haben. Laut dem Militär ist die Anlage über vier Kilometer lang, etwa 50 Meter tief und befindet sich in der Nähe des Grenzübergangs Erez zwischen Israel und dem abgeriegelten Küstengebiet. Laut Medienberichten endet der etwa drei Meter breite Tunnel in Dschabalia. Dieses Flüchtlingsviertel im Norden des Gazastreifens wird als Hochburg der Hamas angesehen.

Unterdessen begann US-Verteidigungsminister Lloyd Austin eine mehrtägige Reise in die Region. Am Sonntag besuchte er zunächst Kuwait und Bahrain, um die militärische Lage im Nahen Osten zu erörtern, wie es aus dem Ministerium in Washington hieß. Dabei sollte es auch um die Bildung multilateraler Koalitionen gehen, um auf «Aggressionen auf See» zu reagieren, die die Schifffahrt und die Weltwirtschaft bedrohten. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen greifen Israel seit Ausbruch des Gaza-Krieges immer wieder mit Drohnen und Raketen an und attackieren Schiffe im Roten Meer.

Der Gaza-Krieg wurde durch das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels ausgelöst, das von Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel begangen wurde. Israel reagierte mit umfangreichen Luftangriffen und startete Ende Oktober eine Bodenoffensive.

Tunnelanlage der Hamas sogar für Fahrzeuge ausgelegt

Nach Einschätzung der israelischen Streitkräfte ist das riesige Tunnelsystem der Hamas unter dem Gazastreifen auch darauf ausgelegt, Angriffe auf Israel zu starten. Die Anlage ist groß genug, um Fahrzeuge passieren zu lassen. Sie wurde angeblich aus Stahlbeton gebaut und verfügt über Stromversorgung, Belüftungs- und Abwassersysteme sowie Kommunikationsnetze. Soldaten haben auch Waffen in den Tunneln gefunden. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

Die Islamistenorganisation hat nach Angaben des israelischen Militärs «enorme Mengen an Geld und Ressourcen in terroristische Tunnel investiert». Armeesprecher Daniel Hagari sprach von «Millionen Dollar», die in die «terroristische Stadt im Untergrund» geflossen seien. Es gibt laut Israels Militär keine Hinweise darauf, dass einer der unterirdischen Gänge auf israelisches Gebiet führe.

Deutsche Geisel spricht im US-Fernsehen über Gefangenschaft

In der Gefangenschaft der Terrororganisation Hamas haben laut Angaben einer befreiten deutsch-israelischen Geisel vor allem Frauen besondere Ängste durchzustehen. «Als Frau hast du nie die Angst ganz aus dem Kopf bekommen, vergewaltigt oder Teil einer Reihe von Taten zu werden, niemals», sagte Yarden Romann in einem Interview dem US-Sender CBS.

Interview auf X

«Es ist einfach keine Option, weil du so lange du da bist, hoffnungslos bist. Du hast keinen Schutz, du kannst nie widersprechen, es könnte dich dein Leben kosten», sagte Romann in einem bei der Plattform X vorab veröffentlichten Ausschnitt der Sendung «60 Minutes». Die Angst sei nicht immer extrem gewesen, aber nie verschwunden, sagte sie. Romann war Ende November von der Hamas im Rahmen eines Abkommens mit der israelischen Regierung freigelassen worden.

Anbieter: Kommunikationsdienste werden wiederhergestellt

Laut dem Anbieter werden die Telekommunikationsdienste in den südlichen und zentralen Gebieten des umkämpften Gazastreifens derzeit schrittweise wiederhergestellt, nachdem sie für mehrere Tage ausgefallen waren. Das im Westjordanland ansässige Unternehmen Paltel gab bekannt, dass auch an der Wiederherstellung der Dienste in der Stadt Gaza und im Norden des palästinensischen Küstengebiets gearbeitet wird. Die Kommunikations- und Internetdienste waren am Donnerstag ausgefallen.

Was am Montag wichtig wird

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin will an diesem Montag Israel besuchen. Es werde erwartet, dass er mit der dortigen Militärführung auch über ein Zurückfahren der intensiven Bodenoperationen und der Luftangriffe im Gazastreifen sprechen wird, hieß es zuvor aus dem Ministerium. Die «New York Times» berichtete unter Berufung auf Militärkreise, dass Austin dazu auch Gespräche mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Joav Gallant führen werde.

dpa