Die Hamas ist nach israelischer Darstellung in Bedrängnis. Zugleich dauern die Kämpfe laut UN insbesondere rund um die Kliniken an. Die Menschen sprechen von der «Hölle auf Erden».
Israel: Kampfgeist der Hamas gebrochen – Neue UN-Abstimmung

Unmittelbar vor einer UN-Abstimmung über einen humanitären Waffenstillstand im Gazastreifen hat Israel nach eigener Darstellung weitere Erfolge im Kampf gegen die islamistische Hamas erzielt. Viele Hamas-Terroristen würden sich angesichts des militärischen Drucks derzeit ergeben, sagte Generalstabschef Herzi Halevi. Unterdessen spitzt sich die Lage für die Zivilisten im Gazastreifen weiter zu. Die Menschen dort flehen nach UN-Angaben inständig um ein Ende «dieser Hölle auf Erden». Speziell die Situation in den Kliniken sei katastrophal. Die UN-Vollversammlung will heute Abend (ab 21.00 Uhr MEZ) auf Antrag Ägyptens über die Forderung nach einem Waffenstillstand abstimmen.
Israel: Viele Hamas-Kämpfer ergeben sich
«Wir üben großen Druck aus. Ich denke, dass sie sich ergeben und mit erhobenen Händen heraus kommen, zeigt, dass ihr Kampfgeist gebrochen ist. Das beschleunigt unsere Erfolge, schließlich wollen wir schnell vorankommen», sagte Halevi bei einem Treffen mit dem Leiter des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet, Ronen Bar. Der israelische Verteidigungsminister Joav Galant erklärte, die letzten Hamas-Hochburgen im nördlichen Gazastreifen seien vor dem Fall. Die Hamas-Kommandozentralen in den Stadtvierteln Dschabalia und Schedschaija seien eingekreist und stünden kurz vor dem Zusammenbruch, sagte Galant.
Biden sagt Israel weitere Unterstützung zu
US-Präsident Joe Biden sicherte Israel weitere Unterstützung im Kampf gegen die Hamas-Terroristen zu. «Wie ich nach dem Anschlag (am 7. Oktober) sagte, ist mein Engagement für die Sicherheit des jüdischen Volkes (…) unerschütterlich», sagte Biden am Montagabend bei einem Empfang zum jüdischen Chanukka-Fest im Weißen Haus. Die USA würden Israel unterstützen, bis das Land die Hamas losgeworden sei. Biden betonte nach Angaben des Weißen Hauses, die USA setzten sich unermüdlich für die sichere Rückkehr der aus Israel in den Gazastreifen entführten Geiseln ein. «Und ich werde nicht aufhören, bis wir jeden von ihnen nach Hause gebracht haben.» Er arbeite auch daran, mehr «humanitäre Hilfe für unschuldige palästinensische Zivilisten» zu bekommen.
UN: Menschen flehen um Sicherheit
Nach einem Besuch in dem abgeriegelten Küstenstreifen postete der Generalkommissar des Palästinenserhilfswerks UNRWA, Philippe Lazzarini, auf X (ehemals Twitter): «Menschen sind überall, sie leben auf der Straße, sie brauchen alles.» Sie flehten um Sicherheit. «Von unseren Kollegen wird verlangt, dass sie in einer unmöglichen Situation das Unmögliche tun», so Lazzarini. Laut Vereinten Nationen hungert inzwischen die Hälfte der Bevölkerung im Gazastreifen. Hunderttausende Palästinenser mussten auf Anweisungen des israelischen Militärs den heftig umkämpften Norden in Richtung Süden verlassen. Aber auch dort gibt es nun Kämpfe.
WHO: Krankenhaus ist eine «humanitäre Katastrophenzone»
Laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ähnelt das Al-Ahli-Krankenhaus in Gaza einer humanitären Katastrophenzone. Richard Peeperkorn, der WHO-Vertreter für die von Israel besetzten palästinensischen Gebiete, berichtete, dass das Krankenhaus nur noch 40 von 80 Betten belegen könne, obwohl es über 200 Patienten gebe. Die Patienten würden in Gängen, der Bücherei, einer Kapelle und im Innenhof liegen. Ärzte behandeln Schwerverletzte, die auf Eselskarren oder zu Fuß ankommen, teilweise auf dem Boden und auf dem Bürgersteig. Es gibt kaum noch Personal. Aufgrund des Mangels an Gefäßchirurgen müssen Gliedmaßen amputiert werden.
UN berichten von Kämpfen nahe von Kliniken
Das UN-Nothilfebüro OCHA berichtete, dass das Al-Auda-Krankenhaus in Dschabalia seit sechs Tagen von israelischen Truppen und Panzern umgeben ist. Die Vereinten Nationen berichteten auch von Kämpfen in der Nähe von Krankenhäusern. Laut Berichten sind etwa 250 Ärzte, Patienten und deren Angehörige in dem Krankenhaus eingeschlossen. Zwei medizinische Mitarbeiter wurden dort während der Kämpfe in den letzten Tagen getötet.
Gemäß den Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde drangen israelische Truppen auch in das Kamal Aduan Krankenhaus im Norden ein. Den Angaben zufolge wurden Männer, einschließlich medizinischem Personal, aufgefordert, sich im Hof des Krankenhauses zu versammeln. Das israelische Militär äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall auf Nachfrage. Am Vortag wurde das Krankenhaus laut OCHA-Berichten beschossen.
Ministerium: Zahl der Toten steigt auf 18.400
Nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza ist die Zahl der Palästinenser, die im Gazastreifen getötet wurden, seit Kriegsbeginn auf 18.412 gestiegen. Das Ministerium berichtete, dass über 50.000 weitere Menschen verletzt wurden. Zuvor wurde die Zahl der Toten auf etwa 18.200 geschätzt. Obwohl die Zahlen derzeit nicht überprüft werden können, weisen die UN und andere Beobachter darauf hin, dass sich die Angaben der Behörde in der Vergangenheit als glaubwürdig erwiesen haben.
Der Gaza-Krieg wurde durch das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels ausgelöst, das Terroristen der islamistischen Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in der Nähe der Grenze zu Gaza verübt hatten. Infolgedessen wurden auf israelischer Seite mehr als 1200 Menschen getötet, darunter mindestens 850 Zivilisten. Israels Armee hat bisher 434 Soldaten verloren.
Tote bei Drohnen-Angriff auf Hochburg militanter Palästinenser
Unterdessen wurden bei einem israelischen Militäreinsatz in der Stadt Dschenin im Westjordanland mindestens vier militante Palästinenser getötet. Laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa kamen sie bei einem Drohnenangriff ums Leben. Der Tod wurde vom Gesundheitsministerium in Ramallah bestätigt. Laut den Al-Aksa-Brigaden handelte es sich um Mitglieder der bewaffneten Gruppierung, die der Fatah-Partei von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nahesteht. Die Stadt Dschenin wird als Hochburg militanter Palästinenser angesehen.








