Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Israel sieht Kampfwillen der Hamas gebrochen

Israel wähnt die Islamisten am Ende, ihre Führung von der Kommunikation abgeschnitten. Das Leid der Zivilisten ist enorm. Verletzte können angeblich nicht mehr behandelt werden. Die News im Überblick.

Palästinenser verlassen das Nasser-Krankenhaus und die angrenzenden Schulen in Chan Junis.
Foto: Mohammed Talatene/dpa

Israels Militär setzte über das Wochenende seine Operationen gegen die islamistische Hamas-Miliz in der Stadt Chan Junis im Süden des Gazastreifens fort. Dabei gelang es der Armee, das Nasser-Krankenhaus, eine der größeren Kliniken des Küstengebiets, unter ihre Kontrolle zu bringen. Laut Mitarbeitern ist das Krankenhaus nun nicht mehr funktionsfähig. Die Armee gab am Sonntagabend bekannt, dass hunderte Terroristen und Terrorverdächtige, die sich in der Klinik versteckt hatten, festgenommen wurden. Einige von ihnen sollen sich als medizinisches Personal ausgegeben haben.

Verteidigungsminister Joav Galant sieht derweil den Kampfgeist der Islamisten nach mehr als vier Monaten Krieg gebrochen. «200 Terroristen ergaben sich im Nasser-Spital, Dutzende weitere im Amal-Spital», sagte Galant am Sonntag bei einer Besprechung mit Armeekommandeuren. «Das zeigt, dass die Hamas ihren Kampfgeist verloren hat.» Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Zudem habe die aus Furcht vor den israelischen Sicherheitskräften abgetauchte Hamas-Führung unter Gaza-Chef Jihia al-Sinwar in ihren Verstecken den Kontakt zur Außenwelt verloren. «Die Gaza-Filiale der Hamas antwortet nicht», sagte Galant. «Es ist niemand mehr vor Ort übrig, mit dem man sprechen kann.» Die Hamas-Führung im Ausland suche bereits nach Ersatz für Al-Sinwar. Über organisierte Streitkräfte verfüge die Miliz nur noch im mittleren Gazastreifen sowie in Rafah, dem südlichen Grenzort zu Ägypten.

Umstrittenes Vorrücken nach Rafah

In Rafah bereitet sich die israelische Armee darauf vor, in das Gebiet einzudringen, um die verbleibenden Hamas-Einheiten zu besiegen und mutmaßliche Geiseln zu befreien. Es gibt jedoch noch keinen Befehl der israelischen Regierung für einen solchen Einsatz. Ein militärisches Vorgehen in der südlichsten Stadt des Gazastreifens ist äußerst kontrovers, da sich dort auf engstem Raum 1,3 Millionen Palästinenser befinden, von denen die meisten vor den Kämpfen in anderen Teilen des Küstengebiets geflohen sind.

Der Gaza-Krieg begann mit einem beispiellosen Massaker, das Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze zum Gazastreifen verübt hatten. Über 1200 Menschen wurden auf israelischer Seite getötet und 250 Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Israel antwortete mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive.

Krankenhäuser können Verletzten nicht mehr helfen

Laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen sind bisher fast 29.000 Palästinenser bei israelischen Angriffen und Kämpfen ums Leben gekommen. 68.880 weitere wurden verletzt. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Die Gesundheitsbehörde bezeichnete die Situation am Sonntag als dramatisch. Viele Verletzte können aufgrund nicht funktionierender Krankenhäuser und fehlender Medikamente nicht behandelt werden. Tausende Verwundete müssen in andere Länder gebracht werden, um ihnen zu helfen.

Marshallplan für Wiederaufbau Gazas gefordert

Der palästinensische Ministerpräsident Mohammed Schtaje forderte die internationale Gemeinschaft zu einem Aufbauprogramm für das schwer zerstörte Küstengebiet auf. «Wir brauchen einen Marshallplan für den Gazastreifen», sagte Schtaje der Deutschen Presse-Agentur am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. Dieser Plan müsse aus drei Komponenten bestehen: Nothilfe, Rekonstruktion und einer Wiederbelebung der Wirtschaft. «Wir wissen aus Satellitenaufnahmen, dass 45 Prozent des Gazastreifens zerstört sind. Das bedeutet 281.000 Wohneinheiten, die vollständig oder teilweise zerstört sind.»

Eine Reparatur könnte teilweise bereits in Wochen oder Monaten möglich sein. «Das bedeutet, wir brauchen dafür viel Geld», erklärte Schtaje weiter. Die Vereinten Nationen führen eine Untersuchung durch, wie man der größten Notlage begegnen kann. Der Regierungschef leitet seine Autonomiebehörde im Westjordanland und hat keine tatsächliche Kontrolle über den von der Hamas allein beherrschten Gazastreifen bis zum Kriegsausbruch.

Bericht: Iran rät Verbündeten nunmehr zur Mäßigung

Die Hamas verdankt Geld, Waffen und Ausbildung ihrer Kämpfer zum großen Teil dem Iran. Seit dem 7. Oktober heizen auch andere, vom Iran unterstützte bewaffnete Gruppen die Spannungen in der weiteren Nahost-Region an. Die Schiiten-Miliz Hisbollah beschießt vom Südlibanon aus den Norden Israels, von wo 80.000 Bewohner ins Landesinnere in Sicherheit gebracht werden mussten. Schiitische Kampfverbände in Syrien und im Irak greifen vermehrt US-Stützpunkte an. Die Huthi im Jemen feuern Raketen auf Schiffe im Roten Meer ab. Die Formationen verstehen sich zusammen mit ihrem Förderer Iran als «Achse des Widerstands», die sich die Vernichtung Israels zum Ziel gesetzt hat.

Die USA und Großbritannien haben bisher mit Bombardierungen von Stützpunkten und Raketenstellungen der mit Teheran verbündeten Milizen reagiert, aber vermieden, den Iran direkt anzugreifen. Eine weitere Eskalation an einer dieser Fronten, insbesondere im Libanon, könnte – wie allgemein befürchtet wird – zu einem Flächenbrand im Nahen Osten führen.

Nach einem Bericht der «Washington Post» soll nun der Iran auf die Vermeidung eines solchen Szenarios dringen. Iranische Emissäre hätten zuletzt in diskreten Treffen mit Verbündeten in der Region diesen zur Mäßigung geraten, schrieb die Zeitung am Sonntag. «Der Iran unternimmt äußerste Anstrengungen, um eine Ausdehnung des Kriegs und eine unumkehrbare Eskalation zu verhindern», zitierte das Blatt einen nicht näher genannten irakischen Offiziellen mit Nähe zu einer proiranischen Miliz.

Auch im Libanon scheint Teheran seinem Verbündeten, dem Schiiten-Führer Hassan Nasrallah, davon abzuraten, die ultimative Konfrontation mit Israel zu suchen. Dort, so die «Washington Post», habe man sich auf das Narrativ verständigt, dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu nicht durch die Eröffnung einer neuen Kriegsfront aus seiner politischen Drucksituation zu helfen. Der Israeli sei derzeit «in die Ecke gedrängt», der Gaza-Krieg habe die sich abzeichnende Normalisierung des Verhältnisses zwischen Israel und Saudi-Arabien infrage gestellt, zitierte das Blatt ein Hisbollah-Mitglied. Ein Krieg im Libanon würde hingegen Netanjahu «zum Sieger machen».

Laut der US-Zeitung scheint das iranische Zureden Wirkung zu zeigen. Seit dem 4. Februar gab es keine Angriffe proiranischer Kräfte mehr auf das US-Militär in Syrien und dem Irak. Nasrallah im Libanon hat es vermieden, Israel trotz aller Drohungen den Krieg zu erklären. Nur die Huthi im Jemen schießen weiterhin auf Schiffe im Roten Meer.

Was am Montag wichtig wird

Am Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag beginnt eine Anhörung zu Israels oft umstrittenem Vorgehen in den besetzten palästinensischen Gebieten. Die EU-Außenminister wollen in Brüssel angesichts der Huthi-Angriffe auf die Schifffahrt im Roten Meer einen neuen Militäreinsatz – die Operation «Aspides» – beschließen. Im Gazastreifen setzt die israelische Armee ihr Vorgehen gegen die Hamas im Raum Chan Junis fort.

dpa