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Israel treibt Pläne für Offensive in Rafah voran

Israel will in Rafah die letzten Bataillone der Hamas zerschlagen. Verbündete warnen. Wird es statt der befürchteten Großinvasion gezieltere Schläge geben? Die News im Überblick.

Israels Verteidigungsminister hat einen baldigen Beginn der geplanten Militäroffensive in Rafah angekündigt.
Foto: Tsafrir Abayov/AP/dpa

Israels Armee treibt die Pläne für eine umstrittene Militäroffensive gegen die islamistische Hamas in Rafah im Süden des Gazastreifens voran. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins «Politico» drängen die USA als Israels wichtigster Verbündeter jedoch darauf, dass der jüdische Staat von einer befürchteten Großinvasion auf die an Ägypten grenzende Stadt absieht. Dort suchen derzeit geschätzt 1,5 Millionen Menschen auf engstem Raum Schutz vor dem Krieg.

Ranghohe US-Beamte hätten ihren israelischen Amtskollegen mitgeteilt, dass die Regierung von US-Präsident Joe Biden es unterstützen würde, wenn Israel dort gezielte Schläge gegen die Hamas vornimmt, solange von einer großangelegten Invasion abgesehen wird, berichtete «Politico». Derweil deutete Israels Verteidigungsminister Yoav Galant bei einem Truppenbesuch in Gaza einen baldigen Beginn der geplanten Militäroffensive in Rafah an. «Es gibt keinen sicheren Hafen für Terroristen in Gaza», sagte er laut einer Mitteilung der israelischen Regierung.

Blinken mahnt Schutz von Zivilisten an

US-Außenminister Antony Blinken hat erneut an Israel appelliert, die humanitäre Situation im abgeriegelten Küstenstreifen zu verbessern und den Schutz der Zivilbevölkerung sicherzustellen. US-Präsident Biden hat bereits betont, dass dies oberste Priorität haben muss, sagte Blinken in Washington. Dies darf nicht als nachrangige Überlegung betrachtet werden.

«Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg», sagte Blinken. Die USA versuchten mit allen Mitteln, die humanitäre Hilfe zu verstärken. Dennoch sei der «effektivste Weg» eine Feuerpause. «Es liegt gerade ein sehr guter Vorschlag auf dem Tisch. Die Frage ist, ob die Hamas diesen Vorschlag annehmen wird», sagte Blinken. Man tausche sich intensiv mit den anderen Vermittlerstaaten Katar und Ägypten aus, um zu sehen, wie man einen Deal erreichen könnte.

Israel plant für Rafah-Zivilisten «humanitäre Inseln»

Israels Streitkräfte erklärten unterdessen laut der Zeitung «Times of Israel», dass ein großer Teil der Menschen in Rafah, der südlichsten Stadt in Gaza, vor einer Militäroperation auf «humanitäre Inseln» im Zentrum des abgeriegelten Küstengebiets gebracht würde. Ihre Umsiedlung in ausgewiesene Gebiete werde in Abstimmung mit internationalen Akteuren erfolgen, wurde Armeesprecher Daniel Hagari zitiert.

Wann die Evakuierung stattfinden soll und wann die Offensive auf die Stadt beginnen werde, sagte er demnach nicht. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte sich kürzlich entschlossen gezeigt, die Offensive in Rafah trotz internationaler Warnungen bald zu beginnen. «Wir sind einem Sieg sehr nahe», sagte er in einem von «Bild», Welt TV und «Politico» geführten Interview. 

«Selbst diejenigen, die denken, dass wir verzögern, werden bald sehen, dass wir jede Region erreichen werden», sagte Verteidigungsminister Galant. Zwar erwähnte er Rafah nicht namentlich, die «Times of Israel» wertete seine Äußerung aber als Hinweis auf die geplante Offensive.

Galant könnte sich dabei auf Berichte bezogen haben, wonach Verbündete Israel gedrängt haben, eine Invasion in Rafah aufzuschieben, schrieb dazu die «New York Times». Israel will in Rafah die letzten vier verbliebenen Bataillone der Hamas in Gaza zerschlagen. 

Bericht: USA bevorzugen gezielte Schläge gegen Hamas

Die USA wollen laut «Politico» jedoch vermeiden, dass Israels Streitkräfte die Stadt dabei in Schutt und Asche legen und viele der Zivilisten getötet werden. Eine großangelegte Kampagne sei für Biden inakzeptabel. Der US-Präsident hatte am Wochenende in diesem Zusammenhang von einer «roten Linie» gesprochen. Er fordert ein glaubwürdiges Konzept zum Schutz der Zivilisten.

Ranghohe US-Beamte hätten Israel signalisiert, dass sie einen Plan unterstützen könnten, der eher mit gezielten Antiterror-Einsätzen vergleichbar sei, schrieb «Politico». Biden hatte gemahnt, es dürfe nicht zugelassen werden, dass als Konsequenz aus dem Vorgehen gegen die Hamas weitere 30.000 Palästinenser ums Leben kämen. Bei Netanjahu stieß das auf Verärgerung.  

Israels Armee: Hamas-Kommandeur in Rafah gezielt getötet

Israels Armee tötete nach eigenen Angaben bei einem gezielten Angriff in Rafah einen wichtigen Hamas-Kommandeur. Auf der Basis von Geheimdienstinformationen habe ein Kampfjet den «Terroristen in der Operationseinheit der Hamas im Bereich Rafah präzise angegriffen und ausgeschaltet», hieß es in einer Mitteilung des Militärs.

Gemäß dem UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA wurde bei dem Angriff ein Zentrum der Hilfsorganisation zur Verteilung von Lebensmitteln und Hilfsgütern getroffen. Mindestens ein UNRWA-Mitarbeiter wurde getötet und 22 weitere wurden verletzt. Laut Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden insgesamt fünf Menschen bei dem Angriff getötet. Ein Sprecher der israelischen Armee sagte, man prüfe die Berichte.

Der Krieg begann mit einem Massaker, bei dem Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel rund 1200 Menschen ermordeten und 250 entführten. Daraufhin begann das israelische Militär mit Angriffen auf den Gazastreifen, bei denen laut Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörde mehr als 31.000 Menschen getötet wurden. Es wird kein Unterschied zwischen Zivilisten und Kämpfern gemacht und die Zahl kann nicht unabhängig überprüft werden.

Auch deutsche Luftwaffe will Hilfsgüter abwerfen

Die deutsche Luftwaffe soll sich noch in dieser Woche mit Transportflugzeugen am Lastenabwurf dringend benötigter Hilfsgüter in den Gazastreifen beteiligen. «Den Menschen in Gaza fehlt es am Nötigsten. Wir möchten unseren Teil dazu beitragen, dass sie Zugang zu Nahrung und Medikamenten bekommen», teilte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) mit, nachdem er einem solchen Einsatz grundsätzlich zugestimmt hatte.

Die Bundeswehr wird Transportflugzeuge einsetzen, die in Frankreich stationiert sind. Die erste Maschine startete für den Gaza-Hilfseinsatz. Nach einem Zwischenstopp in Toulouse soll sie zunächst nach Jordanien fliegen, um die Hilfsgüter zu laden.

dpa