Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Israel weitet Einsatz in Gaza aus – Tote bei Luftangriff

In Dschabalija soll bei einem Luftangriff eine Klinik des Palästinenserhilfswerks UNRWA getroffen worden sein. Die Armee spricht von einem Angriff auf eine Kommandozentrale von Hamas-Terroristen.

Artikel hören

Die israelische Armee hatte Anwohner von Rafah aufgefordert, die Stadt zu verlassen. (Archivbild)
Foto: Abdel Kareem Hana/AP/dpa

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hat eine deutliche Ausweitung der Einsätze der Armee im Gazastreifen angekündigt. Ziel sei es, «das Gebiet von Terroristen und Terror-Infrastruktur zu säubern», hieß es in einer Mitteilung des Ministers. Darin war auch die Rede von der Eroberung umfangreicher Gebiete, die zu israelischen «Sicherheitszonen» werden sollten. Für die Ausweitung der Einsätze im Süden des Gazastreifens entsandte das Militär nach Medienberichten eine weitere Einheit. 

Laut palästinensischen Medienberichten wurde eine Klinik des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA im nördlichen Gazastreifen bei einem israelischen Luftangriff getroffen. Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete, dass mindestens 19 Menschen, darunter neun Minderjährige, in Dschabalija getötet wurden und weitere verletzt wurden. Es wurde berichtet, dass sich Binnenvertriebene im Bereich der Klinik aufhielten und ein Feuer im Gebäude ausgebrochen sei.

Armee spricht von Hamas-Kommandozentrum

Die israelische Armee sprach dagegen von einem Angriff auf Hamas-Terroristen in Dschabalija. Diese hätten sich in einem Kommandozentrum aufgehalten, «das zur Koordinierung von Terroraktivitäten und als zentraler Treffpunkt der Terrororganisation diente». Von dort aus seien Terroranschläge auf israelische Ziele geplant worden. Man habe vor dem Angriff Maßnahmen getroffen, um Zivilisten zu schonen. 

Katz ruft Gaza-Einwohner zur Vertreibung der Hamas auf

«Ich rufe die Einwohner Gazas dazu auf, jetzt für die Vertreibung der Hamas und die Rückführung aller Geiseln aktiv zu werden», hieß es in der Mitteilung von Katz. «Dies ist der einzige Weg, den Krieg zu beenden.» Katz hatte bereits zuvor gedroht, Israel werde Teile des Gazastreifens dauerhaft einnehmen. Je länger sich die islamistische Hamas weigere, Geiseln freizulassen, desto mehr Territorium werde sie an Israel verlieren. Zuletzt hatte es im Gazastreifen Proteste gegen den Krieg und die Hamas-Herrschaft gegeben. 

Erneute Flucht der Einwohner von Rafah

In den vergangenen Tagen wurden die Bewohner der südlichen Stadt Rafah und benachbarter Orte von der israelischen Armee aufgefordert, dorthin zu fliehen. Am 19. Januar trat nach vielen Monaten Krieg eine Waffenruhe im Gazastreifen in Kraft. Viele Vertriebene kehrten daraufhin in ihre Heimatorte zurück. Mitte März setzte Israel die massiven Angriffe wieder fort, da keine Einigung mit der islamistischen Hamas über die Bedingungen für eine Verlängerung der Feuerpause erzielt werden konnte.

Seitdem führt die israelische Armee auch Bodenoperationen gegen die Hamas in Rafah durch, und am Samstag weitete sie die Offensive nach eigenen Angaben auf ein zweites Viertel der Stadt aus. Ziel der neuen Bodenoffensive im Gazastreifen ist laut Armee auch die Errichtung einer Pufferzone entlang der Grenzen des Küstengebiets.

Gruppe von Deutschen kann Gazastreifen verlassen

Laut dem Auswärtigen Amt hat Deutschland die Ausreise einer Gruppe deutscher Staatsbürger und ihrer Angehörigen aus dem umkämpften Gazastreifen erreicht. 19 Deutsche und enge Familienangehörige sind in enger Abstimmung mit den israelischen Behörden über den israelischen Grenzübergang Kerem Schalom aus dem Küstenstreifen ausgereist, wie es in der Mitteilung heißt.

Ein Charterflug brachte die Passagiere direkt von einem Flughafen im Süden Israels nach Deutschland. Es war zunächst unklar, wie viele Begleitpersonen mitreisen konnten.

Die Ausreise aus dem seit fast zwei Jahrzehnten blockierten Gazastreifen, in dem rund zwei Millionen Menschen leben, ist seit Beginn des Krieges vor eineinhalb Jahren noch schwieriger geworden. Sie ist – wenn überhaupt – nur über ein langwieriges Verfahren möglich, bei dem Palästinenser mit ausländischer Staatsbürgerschaft etwas bessere Karten haben. Im Zuge des Krieges, der mit dem Hamas-Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober begonnen hatte, sind breite Teile des Gazastreifens verwüstet worden. Die Lebensumstände für die Zivilbevölkerung sind dabei unerträglich.

dpa