Seit Langem drängen die USA Israel zu mehr humanitärer Hilfe in Gaza. Eine Drohung zeigt nun Wirkung. Derweil wächst die Sorge vor einem Konflikt mit dem Iran. Die News im Überblick.
Israel will Gaza-Hilfen «sofort» verstärken

Israel hat nach einer deutlichen Warnung des Verbündeten USA «sofortige Schritte» zur Erhöhung humanitärer Hilfe für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen beschlossen. Das Kriegskabinett hat entschieden, den Hafen von Aschdod sowie den Grenzübergang Erez vorübergehend für Hilfslieferungen zu öffnen, wie die israelischen Zeitungen «Haaretz» und «Times of Israel» unter Berufung auf eine Mitteilung des Büros von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu meldeten.
Auf diese Weise wird es einfacher, Hilfe in den besonders von Lebensmittelmangel betroffenen Norden Gazas zu bringen. Auch die Hilfe, die über den Grenzübergang Kerem Schalom aus Jordanien kommt, wird erhöht, wurde berichtet. Die USA begrüßten die Ankündigung. Gleichzeitig schüren Drohungen des Irans gegen Israel Bedenken vor einer Eskalation der Spannungen im Nahen Osten. Netanjahu drohte im Falle eines Angriffs des Irans auf sein Land mit Konsequenzen.
USA: Israels angekündigte Schritte müssen rasch umgesetzt werden
US-Präsident Joe Biden hatte Netanjahu gestern in einem Telefonat nach Angaben des Weißen Hauses aufgefordert, eine Reihe «spezifischer, konkreter und messbarer Schritte» zu unternehmen, um das Leid für die Menschen in Gaza zu verringern und den Schutz von Helfern zu erhöhen. Die künftige US-Politik in Bezug auf Gaza hänge davon ab, wie Israel diese Maßnahmen umsetze, warnte Biden.
Später sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats, Adrienne Watson, die USA begrüßten «die Schritte, die die israelische Regierung heute Abend auf Ersuchen des Präsidenten nach seinem Gespräch mit Premierminister Netanjahu angekündigt hat». Sie müssten nun «vollständig und rasch umgesetzt werden».
Internationale Zusammenarbeit
Man sei bereit, in Abstimmung mit Israel, Jordanien und Ägypten, den Vereinten Nationen und humanitären Organisationen sicherzustellen, «dass diese wichtigen Schritte umgesetzt werden und dazu führen, dass in den kommenden Tagen und Wochen deutlich mehr humanitäre Hilfe die Not leidende Zivilbevölkerung im gesamten Gazastreifen erreicht», sagte Watson weiter.
«Diese verstärkte Hilfe wird eine humanitäre Krise verhindern und ist unerlässlich, um die Fortsetzung der Kämpfe zu gewährleisten und die Ziele des Krieges zu erreichen», zitierte «Haaretz» am frühen Morgen aus der israelischen Erklärung.
Zu Wochenbeginn waren bei einem Luftangriff des israelischen Militärs sieben Mitarbeiter der Hilfsorganisation World Central Kitchen im Gazastreifen getötet worden. Nach dem Vorfall äußerte sich US-Präsident Biden «empört» und warf Israel offen vor, humanitäre Helfer und Zivilisten nicht ausreichend zu schützen. Den Einwand von Regierungschef Netanjahu, die Attacke sei keine Absicht gewesen, ließ Biden nicht gelten – er hielt dagegen: «Das ist kein Einzelfall.»
Sorge vor Vergeltungsangriff des Irans gegen Israel
Unterdessen drohte Netanjahu für den Fall eines Angriffs des Irans auf sein Land mit Konsequenzen. «Seit Jahren agiert der Iran sowohl direkt als auch über seine Stellvertreter gegen uns; deshalb geht Israel gegen den Iran und seine Stellvertreter vor, defensiv und offensiv», sagte Netanjahu zu Beginn einer Sitzung des israelischen Sicherheitskabinetts, wie sein Büro mitteilte.
«Wir werden wissen, wie wir uns zu verteidigen haben, und wir werden nach dem einfachen Prinzip handeln: Wer immer uns schadet oder plant, uns zu schaden, dem werden wir auch schaden», sagte er demnach. Israels Regierung und die USA seien sehr besorgt, dass der Iran sich auf einen bevorstehenden Angriff vorbereitet, zitierte das Nachrichtenportal «Axios» amerikanische und israelische Beamte.
Nach einem vermutlich von Israels Militär geführten Luftangriff auf ein Gebäude der iranischen Botschaft in Damaskus, der mehrere Tote forderte, hat der Iran Rache angekündigt. Beim Angriff am Montag wurden zwei Brigadegeneräle und fünf weitere Mitglieder der mächtigen iranischen Revolutionsgarden getötet. Die Revolutionsgarden gelten als Irans Elitestreitmacht und werden als stärker eingestuft als die konventionellen Streitkräfte.
USA sichern Israel Unterstützung zu
Die gestrigen Drohungen des Iran gegen Israel wurden auch im Telefonat zwischen Biden und Netanjahu erwähnt. Biden betonte laut dem Weißen Haus, dass die USA Israel angesichts dieser Drohungen unterstützen.
Die Unterstützung der USA für Israel, sich gegen eine Reihe von Bedrohungen zu verteidigen, bleibe «unumstößlich», sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, in Washington. Israel habe den USA als Verbündeten mitgeteilt, dass der Iran, sollte er als Vergeltung für den tödlichen Angriff in Syrien einen Angriff von seinem Boden aus auf Israel starten, eine starke Reaktion Israels zu spüren bekäme und dies den aktuellen Konflikt auf eine andere Ebene bringen würde, zitierte «Axios» israelische Beamte. Auch nach Einschätzung der US-Regierung war Israel für den Angriff in Syrien verantwortlich. Von israelischer Seite wurde der Vorfall nicht kommentiert.
Israelischer Armeesprecher: Horten von Lebensmitteln nicht nötig
Israels Militärsprecher Daniel Hagari bestätigte unterdessen, das Positionsbestimmungssystem GPS im Land sei am Vortag bewusst gestört worden, um «Bedrohungen zu neutralisieren». Er machte keine Angaben dazu, wo genau dies geschehen sei. In israelischen Medien wurden die Drohungen aus dem Iran als mutmaßlicher Grund genannt. Hagari schrieb derweil auf der Plattform X (vormals Twitter), es sei nicht nötig, Generatoren zu kaufen, Lebensmittel zu lagern und Geld von Bankautomaten abzuheben.
Angesichts der Sicherheitslage hat Israel Urlaube in allen Kampfeinheiten zeitweilig gestoppt. «Die israelische Armee ist im Krieg und die Aufstellung der Streitkräfte wird ständig entsprechend der Notwendigkeiten angepasst», teilte das Militär mit. Die Entscheidung sei in Einklang mit einer Lagebewertung getroffen worden. Ob sich dies auf die neuen Spannungen mit dem Iran oder die Lage im Gaza-Krieg bezog, blieb unklar. Zuvor hatte die Armee angekündigt, Reservisten für die Raketenabwehr zu mobilisieren.








