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Israel will Krieg gegen Hamas bis zum Sieg fortführen

Angesichts der zivilen Opfer der Militäroffensive im Gazastreifen bröckelt der internationale Rückhalt. Selbst der enge Verbündete USA äußert Bedenken. Der Überblick.

Israelische Soldaten sitzen in einem Militärfahrzeug an einem Sammlepunkt nahe der Grenze zum Gazastreifen.
Foto: Ilia Yefimovich/dpa

Trotz internationaler Forderungen nach einer Waffenruhe im Gazastreifen will der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu den Krieg gegen die islamistische Hamas fortsetzen. «Wir machen weiter bis zum Ende, bis zum Sieg, bis zur Zerstörung der Hamas, auch angesichts internationalen Drucks», sagte er vor Soldaten nach einer Mitteilung des Regierungspresseamtes. «Nichts wird uns aufhalten.»

Israel verliert jedoch immer mehr Unterstützung für seinen Krieg gegen die Hamas angesichts der katastrophalen humanitären Lage im Gazastreifen. Mehr als 150 Länder haben in der UN-Vollversammlung einen sofortigen humanitären Waffenstillstand gefordert, was Israel empört abgelehnt hat.

Selbst aus den verbündeten USA wächst der Druck. Das Weiße Haus erwartet vom Besuch des Nationalen Sicherheitsberaters in Israel ab heute «äußerst ernste Gespräche». Jake Sullivan will mit Netanjahu und dem Kriegskabinett über die nächste Phase der militärischen Operationen im Gazastreifen und die israelischen Bemühungen sprechen, präziser vorzugehen und den Schaden für die Zivilbevölkerung zu verringern.

Israel: Hamas nutzt Zivilisten als Schutzschilde

Angesichts der wachsenden Kritik an den zahlreichen zivilen Opfern der Militäroffensive im Gazastreifen warfen die israelischen Streitkräfte der Hamas erneut vor, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. «Unsere Truppen haben große Waffendepots und Tunnel in mehreren Schulen gefunden. Sie haben sogar versteckt in einem Teddy-Bären ein Scharfschützengewehr entdeckt», sagte Militärsprecherin Keren Hajioff.

Dennoch bemühten sich die Streitkräfte, bei ihrem Einsatz gegen die Hamas zivile Opfer zu vermeiden. «Unser Krieg gilt der Hamas, nicht den Menschen in Gaza», sagte Hajioff. «Aber während die Hamas jeden unschuldigen Toten als Teil ihrer Strategie betrachtet, ist für uns jeder Tod eines Unschuldigen eine Tragödie.»

Umfrage unter Palästinensern

Laut einer Umfrage des seriösen palästinensischen Umfrageinstituts PSR stieg das Ansehen der Hamas im Westjordanland nach dem Massaker in Israel mit 1200 Toten und dem darauffolgenden Gaza-Krieg signifikant an. Im September unterstützten nur 12 Prozent der Menschen die Hamas, während es nun 44 Prozent sind. Auch im Gazastreifen stieg das Ansehen der Hamas, wenn auch weniger stark, von 38 Prozent auf 42 Prozent.

Bei der Frage, ob der Hamas-Angriff auf Israel vor über zwei Monaten gerechtfertigt war, gibt es unterschiedliche Meinungen zwischen den Palästinensern im Westjordanland und dem Gazastreifen. Während im Westjordanland 82 Prozent den Angriff unterstützten, waren es im direkt betroffenen Küstenstreifen nur 57 Prozent.

UNRWA-Chef: Verzweifelte Familien ohne Essen

Laut dem Chef des UN-Hilfswerks für Palästinensische Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA), Philippe Lazzarini, kam es bei der Ankunft eines der wenigen Lastwagen mit Hilfsgütern im Gazastreifen zu Chaos. Dies wurde am Mittwoch in Genf berichtet.

«Die Palästinenser stehen vor dem dunkelsten Kapitel ihrer Geschichte seit 1948», sagte er. 1948 wurde der Staat Israel gegründet. Er habe verzweifelte Menschen gesehen, die direkt auf der Straße Tüten aufrissen, um das wenige Essen zu verschlingen, das sie ergattern konnten, schilderte Lazzarini die Lage.

Israels Militär: Hamas feuert Raketen

Die islamistische Hamas feuert nach Angaben der israelischen Streitkräfte weiterhin Raketen aus der von Angriffen ausgenommenen «humanitären Zone» im Gazastreifen ab. Seit der Einrichtung der Schutzzone für Zivilisten am 18. Oktober seien aus dem Gebiet rund um die Ortschaft Al-Mawasi an der Mittelmeerküste 116 Raketen auf Israel abgeschossen worden, teilte das Militär mit.

38 Geschosse seien innerhalb des Gazastreifens eingeschlagen. «Die Hamas nutzt die humanitäre Zone weiterhin, um terroristische Aktivitäten auszuüben und bringt damit das Leben von Zivilisten im Gazastreifen und in Israel in Gefahr», hieß es in der Mitteilung der Streitkräfte weiter.

Regen verschlimmert Lage für Vertriebene

Aufgrund von heftigen Regenfällen verschärft sich die Lage der Vertriebenen im Gazastreifen weiter. «Wir haben Angst um unsere Kinder wegen der Kälte und des Regens, die mit dem Wintereinbruch immer schlimmer werden», sagt Chadija al-Scharafi, der im Gazastreifen wohnt. Er und seine Familie hätten auf der Flucht aus dem nördlichen Teil des abgeriegelten Gebiets alles zurückgelassen. Jetzt seien sie ohne ausreichend Kleidung dem Wetter ausgesetzt.

Laut UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA sind mittlerweile beinahe 1,9 Millionen Menschen im Gazastreifen aufgrund des Krieges Binnenvertriebene – bei einer Gesamtbevölkerung von über 2,2 Millionen. Viele Menschen verbringen die Nacht im Freien.

Was heute wichtig wird

Der Nationale Sicherheitsberater der USA, Sullivan, plant, mit Netanjahu und dem Kriegskabinett über das weitere Vorgehen im Gaza-Krieg zu beraten. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) beabsichtigt, einen Kibbuz zu besuchen. Am späteren Nachmittag sind politische Gespräche mit Staatspräsident Izchak Herzog geplant.

dpa