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Israels Armee weitet Bodenkampf in Gaza aus

Der Krieg im Gazastreifen wütet auch über die Weihnachtsfeiertage weiter. Israels Armee konzentriert sich im Kampf gegen die Hamas nun mehr auf die unterirdischen Tunnel der Terroristen. Der Überblick.

Die israelische Armee kämpft in dicht besiedelten Gebieten wie der südlichen Stadt Chan Junis weiter.
Foto: Mohammed Talatene/dpa

Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben ihren Bodeneinsatz im Gazastreifen am Weihnachtswochenende ausgeweitet und konzentriert sich dabei auf das weitverzweigte Tunnelnetz der islamistischen Hamas.

Die Truppen seien in «komplexe Gefechte in dicht besiedelten Gebieten» verwickelt und spürten vor allem in den Tunneln im Untergrund «terroristische Infrastrukturen» auf, sagte Armeesprecher Daniel Hagari. Die Zerstörung der Tunnel in der südlichen Stadt Chan Junis und anderen Gebieten sei zeitaufwendig. Zuvor hatte das Militär erklärt, man nähere sich nun der vollständigen Kontrolle über den Norden des Küstenstreifens.

Biden zu Netanjahu: Zivilisten schützen

Um das schreckliche Leiden der Zivilbevölkerung zu mildern, wurde am Freitag vom Weltsicherheitsrat nach langem Ringen in einer Resolution die Erhöhung der humanitären Hilfe gefordert. Eine sofortige Waffenruhe wird in dem abgeschwächten Kompromisstext hingegen nicht verlangt.

Bei der Abstimmung enthielten sich die USA, die wichtigsten Verbündeten Israels. Laut dem Weißen Haus machte US-Präsident Joe Biden in einem Telefonat mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu deutlich, dass Zivilisten, einschließlich humanitärer Helfer, unbedingt geschützt werden müssen.

Israels Armee konzentriert sich auf Hamas-Tunnel

Laut den Vereinten Nationen droht jedem vierten Palästinenser in Gaza der Hungertod. Die US-Regierung hat in Gesprächen mit der israelischen Führung immer wieder betont, dass gezieltere militärische Einsätze erforderlich sind, die sich auf die Hamas konzentrieren sollten.

Gemäß den Angaben Israels versteckt sie sich in den Tunneln unter dem Küstengebiet. Um sie zu zerstören, hat man beispielsweise in der südlichen Stadt Chan Junis die technischen Kräfte erheblich verstärkt, sagte Armeesprecher Hagari. Die Kapazitäten der dort kämpfenden Division werden in den kommenden Tagen weiter ausgebaut.

Ein umfangreiches Netzwerk von Tunneln erstreckt sich über viele Kilometer unterhalb des Gazastreifens, wo nach Angaben Israels zahlreiche Hamas-Terroristen Schutz suchen und israelische Geiseln festhalten. Einige dieser Tunnel reichen Dutzende Meter unter die Erde, um den Bombenangriffen Israels aus der Luft standzuhalten. Die Terroristen nutzen diese unterirdischen Wege, um überraschend anzugreifen. Viele der Tunnel sind mit Sprengfallen ausgestattet, um israelische Soldaten, die dort eindringen, zu töten.

Israel: Zahlreiche Sprengkörper ausgehoben

Hagari gab an, dass seit dem Beginn des Krieges etwa 30.000 Sprengkörper, einschließlich Panzerabwehrraketen und Raketen, im Besitz der islamistischen Hamas zerstört oder beschlagnahmt wurden. Zuvor hatte das israelische Militär bekannt gegeben, dass ein hochrangiger Hamas-Funktionär, der für die eigene Waffenversorgung verantwortlich war, getötet wurde.

Im Norden ist Israel nach eigenen Angaben derweil dabei, die Kontrolle über das Gebiet zu übernehmen. Das «Wall Street Journal» zitierte jedoch israelische Militäranalysten, wonach eine solche Kontrolle nicht bedeute, dass das Militär die Präsenz der Hamas beseitigt hat. Vielmehr schränke Israel nur die Möglichkeiten der Hamas zur Durchführung von Angriffen ein. Wegen der Tunnel könne Israel seine Kontrolle über Gaza nicht festigen. Daher konzentriere sich die Armee nun verstärkt auf die Tunnel, hieß es.

Israel: Mehr als 700 Terroristen festgenommen

Israels Militär gab am Samstag bekannt, dass bislang während des Bodeneinsatzes über 700 Mitglieder von Terrororganisationen in dem Küstenstreifen gefangen genommen wurden. Innerhalb einer Woche waren es allein über 200. Sie wurden nach Israel gebracht, um dort verhört zu werden. Einige haben sich ergeben. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

Der Krieg wurde durch den schlimmsten Angriff in der Geschichte Israels ausgelöst, den Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober nahe der Grenze zum Gazastreifen verübt hatten. Auf israelischer Seite wurden daraufhin über 1200 Menschen getötet. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und begann Ende Oktober mit der Bodenoffensive. Laut der Hamas-Gesundheitsbehörde in Gaza wurden seitdem mehr als 20.000 Menschen in dem Gebiet getötet.

Raketenalarm im Norden Israels

Am Morgen wurden erneut die Sirenen im Norden Israels gehört, wie von der Armee angekündigt. Es gab erneut gegenseitige Angriffe an der Grenze zum Libanon. Die Armee teilte mit, dass israelische Soldaten ein Militärgelände und weitere Ziele der Schiitenmiliz Hisbollah im Nachbarland angegriffen haben. Es wurden mehrere Raketenstarts und Angriffe mit Mörsergranaten aus dem Libanon in Richtung Israel registriert. Die Hisbollah-Miliz ist eng mit dem Erzfeind Israels, dem Iran, verbunden.

Gemäß Informationen des US-Geheimdienstes ist er stark in die Planung der Angriffe der Huthi-Rebellen auf Schiffe im Roten Meer verstrickt. Laut dem US-Verteidigungsministerium ist der Iran auch für den Drohnenangriff auf ein Handelsschiff im Arabischen Meer vor der Küste Indiens verantwortlich.

Der unter liberianischer Flagge fahrende Öl- und Chemikalientanker «MV Chem Pluto» sei von einer Angriffsdrohne aus dem Iran getroffen worden, teilte das Pentagon in Washington mit. Ein Feuer an Bord des Tankers sei gelöscht worden. Bei dem Vorfall habe es keine Toten oder Verletzten gegeben, hieß es in der Mitteilung von weiter.

Was heute wichtig wird

Die Auseinandersetzungen zwischen der Hamas und der israelischen Armee in Israel nehmen weiter zu. Die Situation für die Zivilbevölkerung wird aufgrund des Mangels an Hilfsgütern immer dramatischer. Währenddessen wird Weihnachten im Heiligen Land aufgrund des Krieges still begangen. Der Zugang zur Stadt Bethlehem im Westjordanland ist aufgrund von Straßensperren der israelischen Armee stark eingeschränkt. Die Mitternachtsmesse soll jedoch wie geplant stattfinden.

dpa