Die Schlussplädoyers sind vorbei. Nach sechs turbulenten Wochen vor Gericht müssen sich die Geschworenen im Trump-Prozess auf ein Urteil über den Ex-Präsidenten einigen. Es kann jederzeit fallen.
Jury berät nun über Urteil in Trump-Prozess

Im historischen Schweigegeld-Prozess gegen den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump in New York könnte ab heute jederzeit ein Urteil fallen. Verteidigung und Anklage beendeten ihre Schlussplädoyers – damit ist nun die Jury am Zug. Diese wird sich zurückziehen, um ein einstimmiges Urteil zu fällen. Normalerweise dauern diese Beratungen zwischen einigen Stunden und mehreren Tagen.
Falls ein ehemaliger US-Präsident im ersten Strafprozess schuldig gesprochen wird, wird Richter Juan Merchan das Strafmaß zu einem späteren Zeitpunkt festlegen. Bei einer Verurteilung droht Trump entweder eine mehrjährige Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnte, oder eine Geldstrafe.
Der Angeklagte hat auf nicht schuldig plädiert und könnte selbst im Falle eines Schuldspruchs bei der Präsidentenwahl im November antreten. Sollten die Geschworenen sich auch nach längerer Beratung nicht einigen können, wäre der Prozess geplatzt. Dann könnte er mit einer anderen Jury erneut aufgerollt werden.
Mehr als 20 Zeuginnen und Zeugen angehört
Seit Mitte April wurden über 20 Zeuginnen und Zeugen in dem Verfahren angehört. Die Staatsanwaltschaft wirft Trump vor, er habe versucht, seine Chancen auf einen Erfolg bei der Präsidentschaftswahl 2016 zu verbessern, indem er 130.000 Dollar Schweigegeld an die Pornodarstellerin Stormy Daniels zahlte und den Geldfluss anschließend illegal verbuchte.
Obwohl die Zahlung selbst nicht illegal war, wird behauptet, dass der heute 77-Jährige bei der Rückzahlung an seinen früheren persönlichen Anwalt Michael Cohen Unterlagen gefälscht hat, um den wahren Zweck der Transaktion zu verbergen. Dadurch hat er sich der illegalen Wahlkampffinanzierung in 34 Fällen schuldig gemacht.
«Der größte Lügner aller Zeiten»
Vor dem Ende des Prozesses hatten Verteidigung und Anklage eine letzte Möglichkeit, die Meinung der zwölf Geschworenen in dem weltweit beachteten Fall noch einmal zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Staatsanwalt Joshua Steinglass sagte: «Dieses Komplott, das diese Männer damals ausgeheckt haben, könnte durchaus dazu geführt haben, dass Präsident Trump gewählt wurde.»
Er wies auf einen vermeintlichen Plan hin, den Trump, sein Anwalt Cohen und der Herausgeber eines Boulevard-Magazins angeblich geschmiedet haben sollen, um negative Berichterstattung über den republikanischen Präsidentschaftsbewerber vor der Wahl 2016 zu stoppen. Dies führte schließlich auch zur Zahlung an Daniels.
Trumps Verteidiger beteuerte derweil dessen Unschuld: Sein Mandant habe kein Verbrechen begangen und die Staatsanwaltschaft habe ihre Vorwürfe nicht belegen können, sagte Todd Blanche. Er griff erneut die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen an: «Sie können Präsident Trump auf Grundlage der Aussagen von Michael Cohen nicht zweifelsfrei eines Verbrechens verurteilen.» Der ehemalige persönliche Anwalt Trumps habe wie so oft auch bei seiner Zeugenaussage gelogen. Cohen sei «der größte Lügner aller Zeiten», sagte Blanche.
Einstimmiges Urteil nötig
Das Urteil wird voraussichtlich auch den aktuellen Wahlkampf in den Vereinigten Staaten beeinflussen – die Frage ist jedoch: in welchem Maße und zu wessen Gunsten? Trump versucht, die Anschuldigungen zu seinem persönlichen Vorteil zu nutzen und seine Anhängerschaft zu mobilisieren, indem er sich als Opfer einer politisch motivierten Justiz darstellt.
Amtsinhaber Joe Biden, der im November wiedergewählt werden möchte, scheint von der Prozessarie gegen seinen Herausforderer bislang nicht erkennbar zu profitieren. US-Medien spekulierten angesichts der starken Spaltung der US-Gesellschaft und der polarisierenden Figur Trump, es sei wahrscheinlicher als in anderen Prozessen, dass sich die Geschworenen nicht auf ein Urteil einigen können.








