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Merz fordert Hamas auf, US-Plan zu akzeptieren

Angehörige der Hamas-Geiseln schöpfen Hoffnung, dass der Krieg endet und ihre Liebsten nach 700 Tagen frei kommen.

Der Kanzler traf sich mit Angehörigen der Hamas-Geiseln, die auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. (Archivbild)
Foto: Michael Kappeler/dpa

Bundeskanzler Friedrich Merz drängt die Terrororganisation Hamas, den US-Plan für ein Ende des Gazakriegs zu akzeptieren und all ihre Geiseln freizulassen. Der Vorschlag von Präsident Donald Trump sei nach Jahren des Blutvergießens «die beste Chance, die bislang jedenfalls beste Chance, auf ein Ende des Krieges», sagte der CDU-Politiker zu Beginn der Kabinettsklausur am Rande Berlins.

Merz hatte vorher früh am Morgen die Angehörigen der Hamas-Geiseln mit deutscher Staatsangehörigkeit im Kanzleramt empfangen. Die Familien der am 7. Oktober 2023 Entführten schöpfen nun erneut Hoffnung, ihre Angehörigen nach mehr als 700 Tagen aus der Gewalt der Terroristen im Gazastreifen zurückzubekommen.

«So viele Höhen und Tiefen»

Der Plan biete eine Chance, sagte Idit Ohel, Mutter des von der Hamas gefangenen jungen Musikers Alon Ohel, der Deutschen Presse-Agentur. «Wir müssen sehen, was die Hamas dazu sagt.» Solange müsse man abwarten. 

«Wir hatten so viele Höhen und Tiefen», sagte die Mutter sehr leise. Immer sei etwas dazwischengekommen. «Ich hoffe, dies ist die Zeit, dass der Krieg endet und unser Sohn nach Hause kommt und all die anderen Geiseln. Wir hoffen es. Aber wir sind müde. Und wir wissen es nicht.»

Verwirrung über die Frist

Wenige Stunden zuvor hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Washington öffentlich den Trump-Plan unterstützt, der auch die Freilassung der Geiseln vorsieht. In einer Mitteilung des Weißen Hauses hieß es: «Innerhalb von 72 Stunden, nachdem Israel dieser Vereinbarung öffentlich zustimmt, werden alle Geiseln, ob lebend oder tot, zurückgegeben.»

Die Angehörigen der deutschen Hamas-Geiseln in Berlin sind der Meinung, dass eine Rückkehr innerhalb von nur drei Tagen nicht möglich ist. Sie interpretieren die Vereinbarung anders und glauben, dass die Frist erst beginnt, wenn die Hamas dem Deal zustimmt. Sie möchten sich keine falschen Hoffnungen machen.

«Psychologischer Terror»

Ruby Chen, der Vater der Geisel Itay Chen, sagte, die Familie habe seit der Entführung während des Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023 keinen Hinweis der Hamas bekommen, wer überhaupt in ihrer Gewalt sei und wie es den Betroffenen gehe. «Das ist die niedrigste Art psychologischen Terrors, die irgendwer 725 Tage lang aushalten kann.»

Er setzt konkrete Hoffnungen in Kanzler Merz, bei der Umsetzung des Trump-Plans eine zentrale Rolle zu spielen und die Hamas unter Vermittlung der Türkei zur Zustimmung zu bewegen. «Deutschland hat eine sehr spezielle Beziehung zur Türkei, und die Türkei hat Einfluss auf die Hamas, finanziell, ideologisch», sagte Ruby Chen der dpa. «Vielleicht ist dies die Zeit, die Türkei etwas mehr zu drängen, damit sie die Hamas drängt, ja zu dieser Rahmenvereinbarung zu sagen.»

Ende des «metaphorischen Tunnels»

Auch die Mutter von Tamir Nimrodi sieht eine Chance auf das Ende des Krieges. «Ich hoffe, dass jetzt, wenn die ganze Welt sich hinter diesen Deal stellt, dieser auch gelingt, weil die Hamas keine Wahl mehr hat», sagte Herut Nimrodi. «Das denke ich und das hoffe ich, dass wir bald das Ende dieses metaphorischen Tunnels sehen.»

Tamir Nimrodi war zum Zeitpunkt des Hamas-Überfalls Bildungsoffizier auf einem angegriffenen Militärstützpunkt. Itay Chen war Soldat in einer Panzereinheit. Alon Ohel wurde vom Nova-Musikfestival verschleppt. Alle drei haben die deutsche Staatsbürgerschaft, weil dies auch für einen Elternteil gilt. Die Angehörigen bitten seit zwei Jahren auch in Deutschland immer wieder um Unterstützung.

Deutschland will sich einbringen

Merz erklärte nach seinem Treffen mit den Angehörigen, dass Israel den Trump-Plan unterstütze, sei ein bedeutender Fortschritt. Nun müsse die Hamas zustimmen und den Weg zum Frieden freimachen. Sollte eine Einigung gelingen, stehe Deutschland bereit, sich bei der Umsetzung einzubringen, sagte Merz. «Das gilt politisch, das gilt humanitär und das gilt selbstverständlich auch beim Wiederaufbau der Region.»

dpa