Die Ukraine braucht gegen Russland Waffen aus dem Ausland, doch die Hilfe kommt in letzter Zeit nur schleppend. Der Außenminister rüttelt die Partner mit einem gewagten Vergleich auf. Der Überblick.
Kieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Im Rahmen der internationalen Rüstungshilfe für die Ukraine wird Deutschland erstmals Militärhubschrauber bereitstellen. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat dem von Russland angegriffenen Land sechs Mehrzweckhubschrauber vom Typ Sea King Mk41, Zubehör- und Ersatzteilpakete sowie Ausbildung dafür zugesichert, gab das Verteidigungsministerium in Berlin am Abend bekannt.
Zuvor hatten sich die Unterstützer der Ukraine im sogenannten Ramstein-Format zu Beratungen zusammengeschaltet. «Für globale Sicherheit ist eine souveräne und sichere Ukraine unabdingbar, und unsere Unterstützung für die Ukraine wird nicht wanken», erklärte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin nach dem Treffen.
Unterdessen wurde die ostukrainische Großstadt Charkiw am späten Abend erneut von russischen Raketen angegriffen. Der Gouverneur des Gebiets berichtete auf Telegram von Schäden an ziviler Infrastruktur. Nach dem Raketenangriff mit zahlreichen Todesopfern in der Ukraine in der vorherigen Nacht stellen nun auch russische Drohnen eine Gefahr für weite Teile des Landes dar.
Seit beinahe zwei Jahren wehrt sich die Ukraine gegen eine russische Invasion – heute markiert den 700. Tag des Krieges.
Selenskyj spricht von 18 Toten durch Raketenbeschuss
Laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wurden durch die russischen Raketenangriffe 18 Menschen getötet und etwa 130 Menschen verletzt. Er gab keine weiteren Informationen dazu. Zuvor hatten ukrainische Behörden etwas niedrigere Zahlen genannt.
In Charkiw sei ein ganz normales Hochhaus getroffen worden, in dem normale Menschen lebten, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. «Ein normales Leben ist das, was das moderne Russland als Bedrohung für sich ansieht.» Doch Russland solle wissen, dass die Ukraine einen langen Arm habe. «Der russische Krieg wird auf jeden Fall nach Hause zurückkehren – dorthin, wo dieses Übel herkommt.»
Bundeswehr gibt alte Transporthelikopter ab
An den Beratungen über Militärhilfen für die Ukraine, dem sogenannten Ramstein-Format, nahmen nach Angaben von US-Verteidigungsminister Austin etwa 50 Staaten teil. In der Videokonferenz bat er seine Kollegen, Kiew möglichst viele Waffen zu liefern. Neue Zusagen der USA gab es nicht, denn dort blockiert innenpolitischer Streit die künftige Finanzierung der Ukraine-Hilfen. Der ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umjerow sprach davon, dass seine Streitkräfte viel mehr Artilleriemunition bräuchten. «Und es ist absolut notwendig, dass wir das Netz unserer Flugabwehr erhalten», sagte er nach Angaben seines Ministeriums.
Deutschland sagte bei den Beratungen die Militärtransporthubschrauber aus Bundeswehrbeständen zu. Verteidigungsminister Pistorius (SPD) lobte den Sea King als bewährten und robusten Hubschrauber, «der den Ukrainern in vielen Bereichen helfen wird: bei der Aufklärung über dem Schwarzen Meer bis hin zum Transport von Soldaten». In Deutschland setzen die Marineflieger die Sea King Mk41 zur Seenotrettung auf der Nord- und Ostsee ein. Die etwa 50 Jahre alten Maschinen sollen durch den neuen Marinetransporthubschrauber NH-90 Sea Lion ersetzt werden.
Ukrainischer Minister: Hilft Nordkorea schneller als Freunde?
Der schleppende Nachschub an Artilleriemunition wurde auch vom ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba bemängelt. Er kritisierte das Hochfahren der Rüstungsproduktion in westlichen Unterstützerländern als zu langsam. «Wir schätzen alles, was wir erhalten, aber das Ausmaß des Krieges verlangt mehr», sagte er in einem Interview von «Bild», Welt TV und «Politico» in Kiew.
Offiziere und Soldaten berichteten ihm immer wieder, dass Russland bei der Versorgung mit Artilleriemunition klar überlegen sei, sagte Kuleba. Ein Grund dafür seien Lieferungen aus Nordkorea an Moskau. «So lächerlich es auch klingen mag, aber es scheint so, dass Nordkorea ein effizienterer Partner für Russland ist als die Freunde, die versuchen, die Ukraine mit Artilleriemunition zu versorgen.» Die EU hat zwar versprochen, bis zu diesem Frühjahr eine Million Geschosse zu besorgen, läuft diesem Ziel aber hinterher.
Das wird heute wichtig
Der neue Ministerpräsident der Slowakei, Robert Fico, reist in die westukrainische Grenzstadt Uschhorod in den Transkarpaten, um den ukrainischen Ministerpräsidenten Denys Schmyhal zu treffen. Fico gilt als schwieriger Partner für Kiew. Obwohl die Slowakei die EU-Sanktionen gegen Russland unterstützt und im Gegensatz zu Ungarn auch eine EU-Perspektive für die Ukraine befürwortet, lehnt Ficos Regierung einen NATO-Beitritt ab. Er ist der Ansicht, dass der Krieg für die Ukraine nicht gewinnbar ist und eine nichtmilitärische Lösung gefunden werden muss.








