Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Kiew dringt auf Einsatz weitreichender Waffen

Steter Tropfen höhlt den Stein: Immer wieder fordert die Ukraine von den USA die Erlaubnis, weitreichende Waffen gegen Ziele in Russland selbst einzusetzen. Gibt Washington nach?

Diese Raketen würde Kiew gerne gegen Ziele in Russland einsetzen. (Archivbild)
Foto: Sgt. 1st Class Andrew Dickson/U.S. Army/AP/dpa

Vor dem Hintergrund der ständigen russischen Raketen- und Luftangriffe plant die Ukraine, die Quelle des Problems zu beseitigen – Militärflugplätze und Raketenabschussrampen auf russischem Staatsgebiet, bis tief ins Landesinnere. Die Liste potenzieller Ziele ist mittlerweile lang, der Wunsch nach Rache ist groß. Lediglich die Genehmigung der USA fehlt, um die weitreichenden Waffensysteme aus dem Westen einzusetzen. In der Zwischenzeit gibt es Berichte über Explosionen in Odessa seitens der Ukraine, während Russland über weitere ukrainische Drohnenangriffe informiert.

Bisher bleibt Washington bei den Waffensystemen hart, die USA haben der Ukraine noch keine Erlaubnis zu Angriffen mit diesen weitreichenden Waffen gegen Ziele auf russischem Staatsgebiet erteilt. Das teilte Ihor Schowka, der stellvertretende Leiter der Präsidialkanzlei von Wolodymyr Selenskyj, in einem Interview von «Voice of America» mit. Dennoch arbeite die Ukraine weiter mit den USA an dieser Frage und hoffe auf ein baldiges Einlenken. 

«Alle wissen, wo die Gefahr liegt, wo die Raketen (gegen die Ukraine) gestartet werden.» Schowka äußerte sich optimistisch: «Alle wichtigen Entscheidungen, die die USA früher getroffen haben, erfolgten äußerst leise – und das wird auch dieses Mal so sein.»

Die Ukraine hat bereits seit einiger Zeit die Erlaubnis gefordert, die von den USA und anderen westlichen Partnern gelieferten weitreichenden Waffen wie Raketen oder Marschflugkörper gegen Ziele auf russischem Staatsgebiet einzusetzen. Bisher konnten ukrainische Militärs nur Drohnen mit geringerer Sprengkraft einsetzen. Diese waren erfolgreich bei Treibstofflagern oder Raffinerien, aber gegen Flugplätze oder Raketenabschussbasen zeigten sie bisher wenig Wirkung.

Bislang dürfen westliche Waffen nur in den besetzten Gebieten der Ukraine, einschließlich der Krim, sowie im unmittelbaren Grenzgebiet im Osten des Landes eingesetzt werden.

Den USA sei dieses Problem bekannt, betonte Schowka. Daher erwarte er auch eine baldige Zustimmung der USA, «so wie es auch früher bei anderen Fragen geschah, die wir mit der US-Regierung erörtert haben.» 

Explosionen in Odessa – Russland meldet Drohnenangriffe

Laut Medienberichten kam es nachts in der Nähe der ukrainischen Hafenstadt Odessa zu schweren Explosionen. Der Gouverneur der Militärverwaltung des Gebiets, Oleh Kiper, forderte die Bewohner der Stadt und des Bezirks Odessa über Telegramm auf, in Schutzräumen zu bleiben, bis das Feuer gelöscht ist. Zuvor hatte die ukrainische Luftwaffe eine Bedrohung durch ballistische Raketenangriffe aus dem Süden gemeldet. Es gibt noch keine Informationen über mögliche Schäden oder Opfer.

Laut dem zuständigen Gouverneur fing die russische Luftabwehr sechs Drohnen über der Region Brjansk ab und zerstörte sie. Die Region grenzt an die Ukraine und auch im Gebiet Lipezk südlich von Moskau wurde ein Drohnenangriff gemeldet. Eine Drohne stürzte auf dem Gelände eines elektrischen Umspannwerks ab, wie der Gouverneur vor Ort berichtete. Es gab keine Verletzten und die Arbeit des Umspannwerks wurde nicht beeinträchtigt. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

Neue 3-Tonnen-Gleitbomben gegen Ziele in der Ukraine

Laut ukrainischen Militärkreisen haben die russischen Luftstreitkräfte kürzlich begonnen, neue Gleitbomben gegen Ziele in der Ukraine einzusetzen. Diese Bomben wiegen drei Tonnen und sind mit kleinen Tragflächen und entsprechender Elektronik ausgestattet, um sie aus großer Entfernung von Flugzeugen abzuwerfen und präzise ins Ziel zu lenken.

«Dazu nutzen sie Kampfflugzeuge vom Typ Suchoi Su-34, die von Flugplätzen starten, die wir zerstören müssten, um unsere Menschen zu schützen», wurde Andrij Jermak, Leiter des Präsidialbüros in Kiew, von der Agentur Unian zitiert. Doch dafür fehle wiederum die Erlaubnis, westliche Waffen einzusetzen, klagte er. «Nur eine solche Erlaubnis kann viele Menschenleben schützen.»

Ein russischer Kampfpilot hob im Gespräch mit der Staatsagentur Tass die Zielgenauigkeit der aufgerüsteten, eigentlich veralteten Bomben, hervor. Die maximale Abweichung betrage zehn Meter, behauptete der namentlich nicht genannte Pilot. Zudem könnten die Bomben von keiner Flugabwehr in ihrem Anflug gestoppt werden, «weder mit Patriots noch mit Geparden».

Merz: Ukraine auch mit Kampfjets unterstützen

Friedrich Merz, Vorsitzender der CDU, befürwortete in der Zwischenzeit eine verstärkte Unterstützung der Ukraine im Kampf gegen den russischen Angriffskrieg – einschließlich der Lieferung von Kampfflugzeugen.

Merz sagte im ARD-Format «Frag selbst»: «Mir erscheint einigermaßen plausibel zu sein, der Ukraine jetzt zu helfen, wenigstens die Hoheit über den eigenen Luftraum zurückzugewinnen. Denn diese Raketenangriffe, die jetzt in immer größerer Zahl stattfinden, gegen die Infrastruktur, gegen Strom- und Wasserversorgung, gegen Krankenhäuser, Altenheime, die wird man vom Boden aus allein nicht unter Kontrolle bekommen können. Und deswegen ist ja auch die Lieferung von Kampfflugzeugen an die Ukraine in vielen Ländern der Welt schon beschlossene Sache, auch in Europa. Wir sollten da als Deutsche nicht zurückstehen.»

Einige Nato-Staaten drängen darauf, dass die Ukraine schnell mit westlichen Kampfflugzeugen ausgerüstet wird. Die USA, die Niederlande und Dänemark haben in einer gemeinsamen Erklärung am Rande des Nato-Gipfels in Washington letzte Woche angekündigt, dass der Transfer von F-16-Jets bereits im Gange ist. Dadurch könnten die Flugzeuge noch in diesem Sommer eingesetzt werden, um den russischen Angriffskrieg abzuwehren. Die Lieferung betrifft F-16-Jets aus amerikanischer Produktion, die von Dänemark und den Niederlanden zur Verfügung gestellt werden.

dpa