Ukraine fordert stärkeren Druck auf Russland für Friedenslösung. Warnung vor russischer Bedrohung und Angriffen in der Ukraine.
Druck auf Russland: Ukraine fordert Nato-Unterstützung

Vor dem Abschluss des zweitägigen Treffens der Nato-Außenminister fordert die Ukraine von der Verteidigungsbündnis stärkeren Druck auf Russland zur Umsetzung einer Friedenslösung. «Russland muss es mit dem Frieden ernst meinen. Dafür ist es an der Zeit, den Druck auf Moskau zu erhöhen», sagte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha vor den Beratungen seiner Nato-Kollegen bei einem Auftritt mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte in Brüssel. Zum Abschluss des zweitägigen Treffens soll es auch um mögliche weitere Unterstützung für die Ukraine gehen.
Angesichts der Diskussion über die von US-Präsident Donald Trump verkündeten neuen Handelszölle warnte Sybiha, man dürfe «nicht vergessen, dass in Europa ein echter Krieg tobt. Russland bleibt eine existenzielle Bedrohung für Europa.»
Russischer Drohnenangriff auf Charkiw
In der Nacht wurde erneut Luftalarm über weiten Teilen der Ukraine ausgelöst. Die Großstadt Charkiw im Osten wurde von mehreren russischen Kampfdrohnen angegriffen. Dabei seien laut Bürgermeister Ihor Terechow auf Telegram mindestens drei Menschen getötet worden. 32 weitere Personen seien verletzt worden.
Auch in der Region Dnipropetrowsk gab es laut dem Verwaltungschef Serhij Lysak auf Telegram heftige Angriffe mit Drohnen des iranischen Typs Shahed. Besonders betroffen waren die Städte Dnipro und Kamianske. In Dnipro wurden drei Menschen verletzt, es gab Brände und Schäden an Verwaltungsgebäuden.
Laut der Militärverwaltung wurde ein 63 Jahre alter Mann bei einem Drohnenangriff im Gebiet Saporischschja verletzt und es kam zu Zerstörungen an der zivilen Infrastruktur. In der Hauptstadt Kiew wurde ebenfalls die Flugabwehr eingesetzt. Ein Mann wurde laut der regionalen Militärverwaltung verletzt.
Laut russischen Angaben wurden ukrainische Drohnen über den Grenzregionen Kursk und Orjol abgefangen.
Kiew erwartet heftigere Angriffe im Frühjahr
Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als drei Jahren gegen eine großangelegte russische Invasion. Sie rechnet nach Angaben des Präsidentenbüros damit, dass Russland seine eingesetzten Truppen in diesem Jahr um 150.000 Mann aufstocken wird. «Die Russen haben jetzt keine Probleme, Personal zu rekrutieren», sagte Pawlo Palissa, Vizechef der Kanzlei von Präsident Wolodymyr Selenskyj, in Kiew.
Der Oberst sagte dem Rundfunksender Suspilne, dass zwar nicht alle frischen Kräfte gleichzeitig eingesetzt werden könnten, aber der Druck der Russen an der Front werde schnell zunehmen.
Nato-Außenminister beraten über Aufrüstungsbemühungen
Die Außenminister der Nato-Staaten treffen sich heute mit EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas zu einem Austausch. Dabei wird auch der Beitrag der Europäischen Union zu den aktuellen Aufrüstungsbemühungen diskutiert.
Geplant sind unter anderem EU-Kredite in Höhe von 150 Milliarden Euro. Eine Sonderregel soll es erlauben, Verteidigungsausgaben von den strengen EU-Schuldenregeln auszunehmen. So sollen allein in den kommenden vier Jahren 800 Milliarden Euro mobilisiert werden.
Die Hoffnung besteht auch darin, US-Außenminister Marco Rubio von der Glaubwürdigkeit der europäischen Aufrüstungsbemühungen zu überzeugen. US-Präsident Donald Trump hatte den Europäern zuletzt immer wieder vorgeworfen, sich zu sehr auf den Schutz der USA zu verlassen und selbst deutlich zu wenig für ihre Verteidigung zu tun.
Denkfabrik: Russland steigert Rüstungsproduktion erfolgreicher
Der britischen Denkfabrik Royal United Services Institute (Rusi) zufolge hat Russland seine Rüstungsproduktion im Zuge des Ukraine-Kriegs deutlich erfolgreicher hochgefahren als Europa. Das sei nicht nur für die Ukraine ein großes Problem. «Russlands anhaltender Vorsprung in der Rüstungsproduktion stellt eine strategische Bedrohung für die Nato und die Glaubwürdigkeit ihrer konventionellen Abschreckung dar», hieß es in dem Bericht.
Die Autoren nennen als Ursachen für die Verzögerungen einen Mangel an Koordination, zu geringe Konzentration auf Massenproduktion anstelle von hoch entwickelten Waffensystemen, bürokratische Hindernisse sowie unzureichenden Zugang zur Testinfrastruktur.
Nato schätzt russische Verluste hoch ein
Die Nato schätzt, dass die russischen Verluste im Angriffskrieg gegen die Ukraine zuletzt erheblich gestiegen sind. Ein ranghoher Nato-Beamter sprach von bis zu 250.000 Toten. Insgesamt bezifferte er die Zahl der getöteten oder verletzten russischen Soldaten auf etwa 900.000. Allein für Februar wird von mehr als 35.100 russischen Verlusten ausgegangen. Unter Verlusten sind sowohl getötete als auch verletzte Soldaten gemeint.
Der NATO-Beamte erklärte, dass die stark gestiegenen Zahlen größtenteils auf die Ausweitung der Kampfzonen zurückzuführen seien und die Kämpfe intensiver gewesen seien.
Kursk-Operation laut Selenskyj Erfolg
Selenskyj wertet den Vorstoß auf russisches Gebiet trotz des weitgehenden Rückzugs ukrainischer Truppen aus der russischen Region Kursk als große Leistung. «Es ist absolut fair, den Krieg dorthin zu verlagern, wo er herkommt», sagte der Präsident in einer Videobotschaft.
Er zeichnete das Video nach eigenen Angaben in der ukrainischen Grenzregion Sumy auf, von der aus die Ukrainer im August 2024 auf russisches Gebiet vorgedrungen waren. Mit den Kommandeuren der noch in Kursk kämpfenden Einheiten habe er besprochen, welche Ausrüstung und Unterstützung sie benötigten. «Wir arbeiten daran, unsere Stellungen zu schützen.»
Letzten Sommer hatten die ukrainischen Truppen schnell etwa 1.300 Quadratkilometer russisches Territorium unter Kontrolle gebracht. Laut Karten ukrainischer Militärbeobachter sind nur noch kleine Reste direkt an der Grenze übrig geblieben. Im März eroberte Russland die Kreisstadt Sudscha zurück.