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Klaus Töpfer: Vom Mister Umwelt zum Mister Nachhaltigkeit

Er war Deutschlands zweiter Umweltminister – aber der erste, der das Amt prägte. Über Jahrzehnte war Klaus Töpfer das grüne Gewissen der CDU. Eine Legende konnte nie ausräumen.

Von 1998 bis 2006 Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP): Klaus Töpfer.
Foto: Laurent Gillieron/epa/Keystone/dpa

Wenn jemand nicht mehr wusste, wer Klaus Töpfer war, dann half oft dieser Satz: Das war der Umweltminister, der mal durch den Rhein geschwommen ist. Sein beherzter Sprung mit Badekappe und Flossen von einem Polizeiboot in den Rhein hat den CDU-Politiker 1988 bekannt gemacht. Doch seine Leistung war eine ganz andere: Als «Mister Umwelt» und später auch «Mister Nachhaltigkeit» kämpfte er jahrzehntelang für den Planeten und seine Bewohner. Am Samstag ist er im Alter von 85 Jahren gestorben.

Töpfer war nicht der erste Umweltminister der Bundesrepublik, sondern der erste, der das Amt geprägt hat. Sein Vorgänger Walter Wallmann blieb nicht einmal ein Jahr lang Chef des 1986 gegründeten Ressorts. Im Jahr 1987 folgte ihm Töpfer, zuvor Landesumweltminister in Rheinland-Pfalz, auf dem Posten – bis 1994 sollte er bleiben. Die Atomkatastrophe von Tschernobyl hatte die Regierung des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) dazu veranlasst, Umweltthemen, einschließlich der Reaktorsicherheit, in einem eigenen Ministerium zu bündeln.

Bereits 1988 forderte Töpfer eine Zukunft ohne Kernenergie, aber auch mit immer weniger fossilen Energien. Der Weg zum Atomausstieg war noch weit, zum Kohleausstieg erst recht. Jahrzehnte später arbeitete Töpfer im sogenannten Nationalen Begleitgremium als Vermittler mit großer Glaubwürdigkeit, um gesellschaftliche Konflikte bezüglich der Suche nach einem Atommüll-Endlager in Deutschland zu lösen. Es war eine seiner letzten großen Aufgaben – erst im Frühjahr 2020 schied er aus dem Gremium aus.

«Man war schon ein hungriger Mensch, der vorankommen wollte»

Töpfer wurde 1938 in Schlesien geboren und kam nach dem Krieg nach Höxter in Westfalen. Die Familie war arm, das weckte den Ehrgeiz des Jungen. «Man war schon ein hungriger Mensch, der vorankommen wollte.» Abitur, Studium, Doktorarbeit, Professur, CDU-Politiker – Töpfer war «immer auf der Suche nach dem nächsten», wie er einmal sagte. Viele Jahre später sollte Höxter ihn zum Ehrenbürger der Stadt machen.

Nicht alles, was möglich schien, wurde wahr. Töpfer wurde weder Ministerpräsident im Saarland noch Bundespräsident. Trotzdem blieb die Umwelt sein Hauptanliegen – auch nachdem Kohl ihm das Ressort 1994 entzog. Angela Merkel wurde seine Nachfolgerin. Als Bauminister bereitete Töpfer hauptsächlich den Umzug des Bundestags und Teilen der Bundesregierung von Bonn nach Berlin vor. 1996 vertrat er Deutschland bei der UN-Habitat-Konferenz in Istanbul, die sich mit Lebensqualität in Städten, Armut und Umwelt befasste.

Dass sie eng zusammengehören, davon war Töpfer spätestens seit seiner Arbeit als Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) überzeugt. Von 1998 bis 2006 leitete er sozusagen das Umweltministerium der Welt in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Das Leben der Menschen dort beeindruckte ihn tief. Sein Credo war: Armut ist Gift für die Umwelt, und Umweltschutz sichert die Lebensqualität kommender Generationen. Aus «Mister Umwelt», wie er früher oft genannt wurde, war «Mister Nachhaltigkeit» geworden.

Einer der profiliertesten Umweltpolitiker der Union

Auch nach seiner Rückkehr im Jahr 2006 blieb er weiterhin präsent in der deutschen Öffentlichkeit. Er hielt Vorträge, nahm an Talkshows teil, war aktiv in der Ethikkommission für Atomenergie und beteiligte sich an der Gründung des Forschungszentrums für Nachhaltigkeit IASS in Potsdam.

Auch seiner Partei ließ Töpfer keine Ruhe – er blieb einer der profiliertesten Umweltpolitiker der Union. Als 2019 der Klimaschutz ganz nach oben auf die Agenda rückte, attestierte Töpfer seinen Christdemokraten «viel Luft nach oben» bei diesem Thema und stellte eben erst getroffene Richtungsentscheidungen der Union öffentlich infrage.

Töpfer konnte die Legende um seine Person nicht ganz aus der Welt schaffen, auch wenn er es immer wieder versuchte: Er wollte mit dem Sprung in den Rhein beweisen, dass das Wasser sauber genug zum Schwimmen sei. Er beteuerte immer wieder, dass der berühmte Badeausflug nur das Ergebnis einer verlorenen Wette war. Sein SPD-Konkurrent im Wahlbezirk war 1987 überzeugt, dass der CDU-Mann bald nach Bonn wechseln würde – und er behielt recht.

dpa