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Krawalle in England: Polizei rüstet sich für «Big Day»

Die britische Polizei befürchtet laut Medien am Mittwoch Krawalle an 30 verschiedenen Orten. Ins Visier der Rechtsextremen könnten nach Moscheen und Asylunterkünften nun Beratungsstellen geraten.

Der britische Premierminister Keir Starmer hat zum zweiten Mal den nationalen Krisenstab Cobra einberufen.
Foto: Henry Nicholls/PA Wire/dpa

Die britische Polizei bereitet sich laut Medien auf massive rechtsextreme Krawalle vor. An 30 Orten, darunter in der Hauptstadt London, werde am «Big Day» mit Protesten und womöglich Ausschreitungen gerechnet, berichtete der Nachrichtensender Sky News unter Berufung auf Sicherheitskreise. 

Den Informationen zufolge sollen 6.000 Polizistinnen und Polizisten einsatzbereit sein. Es gibt jedoch Zweifel, ob dies ausreichen wird. Die Strafverfolgungsbehörden setzen außerdem auf Abschreckung: Von den über 400 festgenommenen Randalierern wurden bereits etwa 100 angeklagt. Justizstaatssekretärin Heidi Alexander zufolge sollen ab nächster Woche mehr als 560 zusätzliche Gefängnisplätze geschaffen werden.

https://x.com/CPSUK/status/1820829707824144828

Am Dienstagabend leitete Premierminister Keir Starmer erneut eine Sitzung des nationalen Krisenstabs Cobra, um mit Kabinettsmitgliedern und Vertretern der Sicherheitskräfte über die Lage zu beraten.

Zu Reportern sagte er im Anschluss, er rechne noch in dieser Woche mit «substanziellen Verurteilungen» von Randalierern. «Das dürfte eine kraftvolle Botschaft aussenden an alle, die sich direkt oder online beteiligen, dass sie innerhalb einer Woche zur Rechenschaft gezogen werden», sagte der Labour-Politiker. 

Anwaltskanzleien und Beratungsstellen im Visier

Die rechtsextremen Ausschreitungen in England und Nordirland haben das Land seit Tagen in Atem gehalten. Es kam zu Angriffen auf Sicherheitskräfte, Asylbewerber-Unterkünfte und Moscheen. Autos und Gebäude wurden in Brand gesteckt, Backsteine, Zaunlatten und andere Gegenstände dienten als Wurfgeschosse. Dutzende Polizistinnen und Polizisten wurden dabei verletzt.

Medienberichten zufolge geht die Polizei davon aus, dass am Mittwoch Anwaltsfirmen und Beratungsstellen, die Asylbewerber bei ihren Anträgen unterstützen, ins Visier rechtsextremer Randalierer geraten könnten.

Polizei weist Vorwurf der Doppelstandards zurück

In Birmingham wurde ein Pub von Männern angegriffen, die versuchten, sich rechtsextremen Krawallmachern in den Weg zu stellen. Laut Berichten handelte es sich um Muslime, die teilweise bewaffnet waren.

In einem Video, das in sozialen Medien verbreitet wurde, war zu sehen, wie ein Mann von einer Gruppe Angreifer mit einer Palästina-Flagge vor einem Pub niedergeschlagen und getreten wurde. Die Polizei in Birmingham wies Vorwürfe zurück, mit zweierlei Maß zu messen, und kündigte an, jegliche Straftaten zu verfolgen. Ein 46-jähriger Mann wurde wegen des Verdachts auf das Führen einer Angriffswaffe festgenommen.

Auslöser waren Falschnachrichten im Internet

Die rechtsextremen Krawalle brachen aus, nachdem es am vorvergangenen Montag in Southport nahe Liverpool zu einer Messerattacke auf einen Tanzkurs kam, bei der drei kleine Mädchen getötet und weitere Menschen verletzt wurden.

Im Internet wurden danach Falschmeldungen verbreitet, wonach der Angreifer ein Asylbewerber mit muslimischem Namen gewesen sein soll. Die Polizei widerspricht dem. Es handelte sich demnach um einen in Großbritannien geborenen 17-Jährigen, dessen Eltern aus Ruanda stammen. Das Motiv für die Tat ist unklar.

Britische Regierung kritisiert Internet-Scharfmacher

Die britische Regierung macht unter anderem Scharfmacher im Internet für die Gewaltexzesse verantwortlich und kündigte an, Social-Media-Unternehmen stärker in die Verantwortung zu nehmen.

Multimilliardär Elon Musk mischte sich unterdessen auf seiner Social-Media-Plattform X ein. Er ging dort den britischen Regierungschef persönlich an, den er als «TwoTierKier» (etwa: «Doppelstandard-Kier») verspottete. Starmer ließ sich auf Nachfrage eines Reporters nicht zu einer Reaktion verleiten und betonte stattdessen, sein Fokus liege darauf, die Sicherheit wieder herzustellen.

Polizei in Belfast geht von paramilitärischer Beteiligung aus

Von den Unruhen betroffen waren bisher Städte in ganz England, darunter London, Liverpool, Leeds, Sunderland, Nottingham, Bristol, Plymouth und zahlreiche kleinere Orte in ihrer Umgebung. Auch in der nordirischen Hauptstadt Belfast kam es zu schweren Ausschreitungen. Ein Mann erlitt dabei schwere Verletzungen, als er von einer Gruppe angegriffen wurde. Die Polizei geht davon aus, dass Hass das Motiv für die Tat war, hieß es.

Die Polizei in Nordirland vermutet, dass paramilitärische Kräfte beteiligt sind. Auch über 25 Jahre nach dem Ende des nordirischen Bürgerkriegs gibt es immer noch bewaffnete Splittergruppen aus den protestantischen und katholischen Lagern. Es wird angenommen, dass die Ausschreitungen von protestantischen Kräften verübt wurden. Bisher wurden keine Krawalle in den britischen Landesteilen Schottland und Wales gemeldet.

dpa