Wurde der Hamas-Anführer in der libanesischen Hauptstadt gezielt getötet? Die Sorge vor einer Eskalation des Konflikt Israels mit der Hisbollah inmitten des Gaza-Kriegs steigt.
Kreise: Hamas-Anführer Al-Aruri ums Leben gekommen

Gemäß Informationen aus Kreisen der Hisbollah-Miliz und dem Hisbollah-nahe Fernsehsender Al-Manar soll der stellvertretende Leiter des Politbüros der islamistischen Hamas, Saleh al-Aruri, bei einer Explosion in Beirut ums Leben gekommen sein. Die Deutsche Presse-Agentur erfuhr dies nach der Explosion am Dienstagabend. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur NNA wurden insgesamt mindestens drei Menschen getötet.
Gemäß Hamas und Polizeikreisen ereignete sich die Explosion vor einem Büro der Hamas in einem südlichen Stadtteil von Beirut, in dem die Hisbollah eine starke Präsenz hat. Die genauen Umstände der Explosion blieben zunächst unklar. Es gab jedoch schnell den Verdacht, dass es sich um eine gezielte Tötung handeln könnte, möglicherweise durch die israelische Armee oder im Auftrag Israels. Auf Anfrage wollte das israelische Militär die Berichte nicht kommentieren.
Der libanesische Militärexperte und frühere General Chalil Hilo bezeichnete die Situation unterdessen als «sehr gefährlich». Die Hisbollah werde einen «Angriff in ihrer Hochburg in Beirut nicht tolerieren».
Al-Aruri, den Israel als Drahtzieher von Anschlägen im Westjordanland sah, galt schon länger als mögliches Ziel für einen Anschlag. Er soll für die Aktivitäten des militärischen Hamas-Arms im Westjordanland zuständig gewesen sein. Israel und die Hamas hatten im Sommer – schon vor Beginn ihres laufenden Kriegs – Drohungen ausgetauscht. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte dabei, Al-Aruri wisse «sehr genau, warum er und seine Freunde sich versteckt halten».
Ein brennendes Auto und heulende Sirenen
Augenzeugen berichteten, dass zunächst ein Gebäude von einer Drohne angegriffen wurde und anschließend ein Auto, aus dem Zivilschützer nach dem Brand eine verkohlte Leiche zogen. Libanesische Medien meldeten, dass Al-Aruri in einer Wohnung getötet wurde. Hamas-Quellen bestätigten, dass eine Palästinensergruppe am Abend ein Treffen in der Gegend abgehalten hat.
Videos, die nach der Explosion in Beirut aufgenommen wurden, zeigten ein brennendes Auto in der Nähe einer belebten Straße. Es waren auch die Sirenen von Krankenwagen zu hören. Über der Gegend stieg weißer Rauch auf und auf der Straße lagen Glassplitter. Kurz darauf versammelten sich Hunderte Anhänger der Hisbollah in dem Gebiet.
Danny Danon, ranghohes Mitglied der Likud-Partei, der auch Israels Regierungschef Netanjahu angehört, gratulierte Israels Militär, Geheimdiensten und Sicherheitskräften auf X zur Tötung Al-Aruris in Beirut. Alle am Massaker am 7. Oktober Beteiligten sollten wissen, dass Israel sie erreichen werde, schrieb er. Israelischen Medienberichten zufolge hat der israelische Kabinettssekretär den Ministern untersagt, sich zu dem Vorfall zu äußern. Der rechtsextreme israelische Finanzminister Bezalel Smotrich schrieb auf X: «Alle deine Feinde werden umkommen, Israel.»
Der geschäftsführende libanesische Premierminister Nadschib Mikati sprach von einem «israelischen Verbrechen, das den Libanon auf jeden Fall in eine neue Phase der Konfrontationen führen will». Zwischen Israels Armee und der Hisbollah kommt es seit Beginn des Gaza-Kriegs vor bald drei Monaten zunehmend zu mitunter tödlichen Konfrontationen nahe der gemeinsamen Grenze.
Al-Aruri war Gesprächspartner von Hisbollah-Chef
Al-Aruri soll laut Berichten 58 Jahre alt gewesen sein und verbrachte insgesamt zwölf Jahre in israelischen Gefängnissen, bevor er im Jahr 2010 freigelassen wurde. Er hatte Privilegien als Gesprächspartner von Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah, der sich selten öffentlich zeigt. Al-Aruri wird auch als einer der Unterhändler genannt, die die Freilassung von Geiseln aus der Gewalt der Hamas letzten Monat verhandelten. Israels Armee zerstörte Al-Aruris Haus im Westjordanland Ende Oktober.
Die Explosion fand am Vorabend des 3. Jahrestages der Tötung von General Ghassem Soleimani durch einen US-Drohnenangriff im Irak statt. Vor Kurzem wurde auch der hochrangige iranische General Sejed-Rasi Mussawi bei einem mutmaßlich israelischen Luftangriff in Syrien getötet. Für Mittwoch war eine Rede von Nasrallah zum Jahrestag geplant.
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