Die Witwe des in Haft getöteten Kremlgegners Nawalny wirft Präsident Putin vor, ihren Mann getötet zu haben. Nun antwortet der Kreml und verteidigt auch die Festnahme von Trauernden.
Kreml lehnt EU-Forderung nach Nawalny-Untersuchung ab

Der Kreml hat eine von der EU geforderte internationale Untersuchung zum Tod des inhaftierten Oppositionellen Alexej Nawalny abgelehnt. «Solche Forderungen akzeptieren wir überhaupt nicht», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow russischen Nachrichtenagenturen zufolge.
Russland betrachtet dies als Einmischung in seine inneren Angelegenheiten. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hatte eine solche Untersuchung des in Russland anscheinend noch für zwei Wochen unter Verschluss gehaltenen Leichnams gefordert.
Peskow wies auch Anschuldigungen von Julia Nawalnaja, dass Kremlchef Wladimir Putin ihren Mann getötet habe, als «unbegründet und unverschämt» zurück. Die 47-Jährige hatte am Montag in einer Videobotschaft Putin für den Tod Nawalnys im Straflager nördlich des Polarkreises verantwortlich gemacht und angekündigt, den Kampf ihres Manns gegen das System des Kremlchefs fortzusetzen.
Brutales Vorgehen von Sicherheitskräften
Peskow sagte, dass weder er noch Putin die Videobotschaft angeschaut hätten. Vor dem Hintergrund, dass «Julia Nawalnaja gerade verwitwet ist», wolle er sich mit Kommentaren zurückhalten. Zugleich verteidigte der Kremlsprecher das brutale Vorgehen von Sicherheitskräften gegen Russen, die in vielen Städten des Landes zum Andenken an den gestorbenen Putin-Gegner Blumen niederlegten und Kerzen anzündeten. Die Uniformierten hätten ihre Aufgabe im Einklang mit den Gesetzen erfüllt, meinte Peskow.
In den letzten Tagen wurden Hunderte von Menschen festgenommen, weil sie öffentlich des Verstorbenen gedachten. Gerichte verhängten in Schnellverfahren Haft oder Geldstrafen. Dennoch zeigten viele Russen weiterhin öffentlich ihre Trauer. Nawalnys Team kritisierte, dass in Russland bereits Menschen wegen des Ablegens von Blumen festgenommen werden.
Nach vielen Tagen in Einzelhaft war der körperlich geschwächte Nawalny nach russischen Behördenangaben am Freitag bei einem Hofgang im Straflager bei eisigen Temperaturen zusammengebrochen. Wiederbelebungsversuche waren erfolglos, und Nawalny war zum Zeitpunkt seines Todes 47 Jahre alt. Menschenrechtler beschuldigen den russischen Machtapparat des Mordes. In den vergangenen Jahren wurden in Russland immer wieder Kritiker Putins ermordet.








