Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Städtetag warnt vor Integrationsproblemen

Städte brauchen mehr Unterstützung bei der Integration von Geflüchteten und fordern Obergrenze für Flüchtlingsaufnahme.

Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, fordert noch vor dem geplanten Gespräch zur Asylpolitik mit Bundeskanzler Olaf Scholz eine Obergrenze bei der Aufnahme von Geflüchteten in Deutschland.
Foto: Robert Michael/dpa

Der Deutsche Städtetag hat vor dem Spitzentreffen von Bund und Ländern an diesem Mittwoch auf massive Probleme bei der Unterbringung und Integration von Geflüchteten hingewiesen. Präsident Markus Lewe (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Immer noch sind viele in Messehallen oder Zelten untergebracht, auch Familien mit Kindern». Die Länder müssten deutlich mehr Plätze schaffen. Auch der Bund müsse eigene Unterbringungskapazitäten aufbauen. Bei der Integration der geflüchteten Kinder und Jugendlichen seien die Städte dringend auf die Unterstützung der Länder angewiesen. Unionspolitiker forderten abermals eine Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen. 

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte der «Bild»: «50.000 oder 60.000 Flüchtlinge pro Jahr – mehr können das erst mal für die nächsten Jahre nicht sein, weil wir so eine große Integrationsanstrengung haben.» Diese Obergrenze sei nötig, weil Deutschland nicht genug Aufnahmekapazitäten habe. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Union im Bundestag, Thorsten Frei (CDU), sagte «Bild», die Asylzahlen müssten «drastisch gesenkt werden». Das Ziel von 60.000 Asylbewerbern pro Jahr sei «vernünftig». 

Faeser: Deutschland ist an internationales Recht gebunden

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte den Vorschlag einer jährlichen Obergrenze jedoch bereits im Herbst für die Bundesregierung abgelehnt. Obergrenzen seien aufgrund des individuellen Grundrechts auf Asyl nicht möglich – Deutschland sei an europäisches und internationales Recht gebunden. Im Jahr 2023 stellten etwa 329.000 Menschen in Deutschland einen Erstantrag auf Asyl – etwa 50 Prozent mehr als im Jahr 2022. Die über eine Million Flüchtlinge aus der Ukraine, die seit Kriegsbeginn Ende Februar 2022 nach Deutschland gekommen sind, sind darin nicht enthalten, da sie kein Asyl beantragen müssen.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und die Ministerpräsidenten der Länder wollen an diesem Mittwoch über Migrations- und Asylpolitik beraten. Im November hatten sie vereinbart, dass der Bund ab 2024 für jeden Menschen, der erstmalig einen Asylantrag in Deutschland stellt, eine jährliche Pauschale von 7500 Euro zahlt. Die Anpassung der Mittel an die Zahl der Asylbewerber sei ein Meilenstein gewesen, sagte Städtetagspräsident Lewe. Der aktuelle Betrag reiche aber nicht aus, um die Kosten zu decken. Insbesondere für die Integration müsse der Bund «noch einmal nachlegen». Die Länder seien aufgefordert, die Bundesmittel möglichst komplett an die Kommunen weiterzugeben. Dies sei nicht überall der Fall. Zudem sollte der Bund die Kosten der Unterkunft für Geflüchtete wieder vollständig übernehmen.

Abbau rechtlicher Hürden wichtig für Integration

Lewe wünscht sich zudem beim Abbau rechtlicher Hürden für arbeitswillige Asylbewerber und bei der Rückführung von ausreisepflichtigen Asylsuchenden ohne Bleibeperspektive mehr Tempo. «Uns ist wichtig, dass Asylbewerber, die den Städten zugewiesen werden, sofort arbeiten dürfen – unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus», sagte er. Das würde nicht nur die Städte finanziell entlasten, sondern auch für bessere Integration sorgen. Unzufrieden zeigte sich Lewe bei den angekündigten Vereinbarungen mit Herkunftsländern von Asylbewerbern. «Kaum ein Herkunftsland, mit dem verhandelt wurde, hat sich bisher verbindlich zur Rücknahme abgelehnter Asylbewerber verpflichtet», kritisierte er.

Andauernde «Migrationskrise» sorgt für überlastete Kommunen

Auch der Deutsche Landkreistag hält weitere Maßnahmen zur Begrenzung der Migration für dringend erforderlich. «Die Beschlüsse vom November haben nicht nennenswert dazu beigetragen, zu mehr Kontrolle im Flüchtlingsgeschehen zu gelangen», sagte Verbandspräsident Reinhard Sager dem «Handelsblatt». «Man arbeitet in den Landkreisen noch immer am Anschlag und muss zusätzlich viele neue Geflüchtete verkraften», betonte Sager. Die von der Ampel-Koalition angekündigte «Rückführungsoffensive» finde nicht statt.

Auch Unionsfraktionsvize Andrea Lindholz (CSU) hielt Scholz vor, die bisherigen Beschlüsse der Bund-Länder-Runde zur Migration bei weitem noch nicht umgesetzt zu haben. Scholz müssen den Ländern auch neue Vorschläge machen. «Die Migrationskrise dauert an. Die Asylzahlen sind weiter viel zu hoch für unsere völlig überlasteten Kommunen.»

dpa