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Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Der ukrainische Präsident Selenskyj ist zurück von einer Auslandsreise, im Gepäck Erfolge wie Misserfolge. Schon kündigt er die nächsten internationalen Vorstöße an. Der Überblick.

Ein Wohnhaus in Kiew wurde bei einem Raketenangriff der russischen Armee beschädigt.
Foto: Sergei Chuzavkov/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

Russland hat in der Nacht auf Samstag erneut die Ukraine mit mehreren Schwärmen von Kampfdrohnen attackiert. Kurz vor Mitternacht gab es Luftalarm über dem Ostteil der Ukraine. Die ukrainische Luftwaffe berichtete, dass die mit Sprengstoff beladenen Fluggeräte in mehreren Wellen auf die Hauptstadt Kiew sowie die Gebiete Tscherkassy, Saporischschja, Kirowohrad und Mykolajiw zusteuerten. Der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, teilte auf Telegram mit, dass die Luftverteidigung von Kiew im Einsatz sei.

Klitschko gab an, dass es Explosionen im Stadtteil Podil zu hören gab. Später fügte er hinzu, dass die feindlichen Fluggeräte über dem Zentrum seien. Ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur berichtete, dass man das Feuer der Flugabwehr hören könne und es näher komme. Es wurden auch aus anderen Teilen der Ukraine Einflüge von sogenannten Kamikaze-Drohnen sowie Explosionen gemeldet. Es gibt zunächst keine Informationen über mögliche Schäden oder Opfer.

Laut der ukrainischen Luftwaffe wurden russische Drohnen in mehreren Regionen der Ukraine eingesetzt. Es besteht auch die Gefahr von Raketeneinschlägen in Kiew. In den letzten Tagen hat Russland seine Luftangriffe auf die Ukraine verstärkt und dabei Drohnen, ballistische Raketen, Hyperschallraketen und Marschflugkörper eingesetzt. Es scheint auch, dass die Ukraine ihrerseits Drohnen in Richtung der von Russland annektierten Halbinsel Krim und nach Kursk gestartet hat.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte nach Rückkehr von einer längeren Auslandsreise weitere außenpolitische Initiativen für das kommende Jahr an. «Wir arbeiten weiterhin mit unseren Partnern zusammen, um sicherzustellen, dass die Einheit bei der Verteidigung der Ukraine gewahrt wird», sagte Selenskyj in einem Video, das er in der westukrainischen Großstadt Lwiw aufnahm. Am Samstag ist der 661. Kriegstag, seit Russland im Februar 2022 in das Nachbarland einmarschiert ist.

Ukrainische Drohnenangriffe auf die Krim

Am Abend waren in der Hafenstadt Sewastopol auf der Krim Explosionen zu hören, da laut dem russischen Stadtchef Michail Raswoschajew die Flugabwehr aktiv war. Eine ukrainische Drohne wurde dabei abgeschossen. Diese Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. In vielen Fällen stellt sich später heraus, dass der ukrainische Beschuss dennoch Schäden verursacht hat, über die offiziell nicht berichtet wird.

Auch die Behörden aus der russischen Region Kursk an der Grenze zur Ukraine haben ukrainische Drohnenangriffe gemeldet. „Vier Drohnen wurden abgefangen“, teilte Gouverneur Roman Starowojt mit. Trotzdem haben die verbleibenden Drohnen Schäden an Gebäuden, Bahnanlagen und Überlandleitungen verursacht.

Dutzende Bodengefechte in der Ostukraine

Im Lagebericht des ukrainischen Generalstabs wurde berichtet, dass es entlang der Front im Osten und Süden des Landes zu 82 einzelnen Gefechten mit russischen Truppen gekommen ist. Die Kämpfe waren besonders intensiv in der Stadt Awdijiwka, die von den Ukrainern verteidigt wird und sich in der Nähe von Donezk befindet, der von Russland kontrollierten Hauptstadt des Kohle- und Industriereviers Donbass.

Es wurden auch zahlreiche Gefechte an den Frontabschnitten Kupjansk und Lyman, Bachmut sowie Marjinka verzeichnet. Der tägliche Bericht des britischen Verteidigungsministeriums befasste sich auch mit der Lage in Marjinka. Russland hat die kleinen Gebiete, die dort noch unter ukrainischer Kontrolle sind, weiter verringert. Die Briten schätzten jedoch ein, dass ein operativ bedeutsamer russischer Durchbruch in diesem Sektor äußerst unwahrscheinlich ist. Marjinka befindet sich knapp 30 Kilometer südwestlich von Donezk. Der Ort hatte vor dem Krieg etwa 9000 Einwohner und ist mittlerweile fast vollständig zerstört.

Selenskyj spricht von neuen Initiativen

Die Ukraine wolle mit Europa, mit den USA und anderen Unterstützern reden, kündigte Selenskyj an, ohne Details zu nennen. «Auch in den kommenden Wochen werden wir außenpolitisch aktiv sein, und wir haben bereits mit der Planung von Aktivitäten für Januar begonnen», sagte er. «Wir werden unser Bestes tun, um sicherzustellen, dass die Ukraine stark ist und dass wir alle im nächsten Jahr zuversichtlich sein können.»

Er kehrte am Donnerstag von einer längeren Auslandsreise durch Argentinien, die USA und Norwegen zurück. In den USA war sein Bemühen um neue Hilfen vorerst erfolglos, da US-Gelder für Kiew aufgrund eines Streits zwischen Demokraten und Republikanern im Kongress blockiert sind. Als positiv wird angesehen, dass die Staats- und Regierungschefs der EU beschlossen haben, Aufnahmegespräche mit der Ukraine zu führen.

Militärhilfe aus Litauen

Litauen hat der Ukraine mehrere Millionen Patronen und mehrere Tausend Granaten für tragbare Panzerabwehrsysteme als weitere Militärhilfe für den Kampf gegen Russland übergeben. Das teilte das Verteidigungsministerium des baltischen EU- und Nato-Landes mit. «Wir hören die dringenden Bitten der Ukraine und setzen unsere Unterstützung entsprechend den geäußerten Bedürfnissen fort», sagte Verteidigungsminister Arvydas Anusauskas in Vilnius.

Deutschland hilft mit Geräten gegen die Winterkälte

Die Bundesregierung setzt ihre Unterstützung der Ukraine fort, indem sie Stromgeneratoren, Heizgeräte und weiteres Equipment liefert. Laut einer gemeinsamen Mitteilung des Bundesinnenministeriums und des Außenministeriums erlebt das Land den zweiten Winter im völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieg. Das Ziel ist es, den Städten und Gemeinden in den frontnahen Gebieten zu helfen.

Das wird am Samstag wichtig

Die Ukraine bereitet sich auf zukünftige Drohnen- und Raketenangriffe sowie auf Vorstöße der russischen Armee am Boden vor.

dpa