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Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Wie Präsident Putin betrachtet auch der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill die Ukraine als eigentlich russisches Gebiet. Deshalb steht der Kirchenführer jetzt auf einer Fahndungsliste. Der Überblick.

Oberfeldwebel der Einheiten des Operativen und Territorialen Kommandos Ost der ukrainischen Nationalgarde erhalten eine Spezialausbildung unter Feldbedingungen in der Region Charkiw im Nordosten der Ukraine.
Foto: Not credited/Ukrinform/dpa

Nach mehreren Tagen und Nächten schwerer russischer Luftangriffe auf die Ukraine hat Präsident Wolodymyr Selenskyj die Arbeit der ukrainischen Flugabwehr gelobt. In einer Woche seien 104 von 112 angreifenden Shahed-Drohnen abgefangen worden, sagte Selenskyj in seinem abendlichen Video am Samstag. «Und die Zerstörung jeder einzelnen bedeutet, dass Leben und Infrastruktur gerettet wurden», sagte er und dankte allen Soldaten der Flugabwehr.

Auch während der Nacht auf Sonntag gab es in weiten Teilen der Ostukraine Luftalarm. Die Luftwaffe in Kiew teilte mit, dass russische Drohnen von Osten und Süden in den ukrainischen Luftraum eingedrungen seien. Gleichzeitig berichtete der ukrainische Generalstab von weiterhin intensiven Kämpfen am Boden. Ausländische Experten wie das Institut für Kriegsstudien (ISW) in den USA beobachten, dass Russland mit seinen Angriffen Geländegewinne erzielt.

Die Ukraine kämpft seit fast 22 Monaten gegen eine umfangreiche russische Invasion an; heute ist der 662. Tag des Krieges. Etwa ein Fünftel des Landes, einschließlich der Krim, ist von russischen Soldaten besetzt.

Dutzende Gefechte an der Front

Laut der ukrainischen Führung hat die ukrainische Armee auch am Samstag zahlreiche russische Angriffe an der Front im Osten und Süden des Landes abgewehrt. Im Abendbericht des Generalstabs wurde von 71 Gefechten gesprochen, was im Vergleich zu den 82 Gefechten am Freitag einen leichten Rückgang darstellt. Die Militärangaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. Dennoch lassen die Zahlen Rückschlüsse auf die Intensität der Kampfhandlungen zu.

Berichten zufolge gab es erneut die meisten russischen Angriffe in der Stadt Awdijiwka und Umgebung im Donbass – es wurden 27 Gefechte registriert. Es wurde berichtet, dass diese abgewehrt wurden. Im nördlichen Frontabschnitt Kupjansk in den Gebieten Charkiw und Luhansk zählte das ukrainische Militär elf Gefechte beim Dorf Synkiwka. Auch dort rücken die russischen Truppen laut ISW-Einschätzung seit Tagen vor. In den Generalstabsberichten ist schon seit einiger Zeit keine Rede mehr von ukrainischen Offensivaktionen. Nach dem weitgehenden Fehlschlag der Sommeroffensive bereiten sich die Kiewer Truppen nun auf Verteidigung vor.

Westliches Flugabwehrgerät bewährt sich in der Ukraine

Zu den Erfolgen der Flugabwehr zählte Selenskyj, dass in der vergangenen Woche ballistische Raketen aus Russland vom Himmel geholt worden seien. «Die von unseren Partnern zur Verfügung gestellten Patriots, Nasams, Geparden und anderen Systeme funktionieren perfekt», sagte er. Zugleich komme es darauf an, die Luftverteidigung über der Ukraine weiter zu verbessern, sagte der Staatschef. Dies sei bei fast jedem seiner Kontakte mit ausländischen Partnern ein Thema.

In den letzten Nächten führte Russland Angriffe mit Schwärmen von Kampfdrohnen durch. Das Ziel sind wie im letzten Winter oft Anlagen der Energieversorgung. Allerdings ist die ukrainische Flugabwehr in diesem Winter deutlich besser ausgerüstet. Trotzdem gab es laut zivilen Behörden in der vergangenen Woche Dutzende Verletzte und Schäden – auch in Kiew.

Ukraine schreibt Moskauer Patriarchen Kirill zur Fahndung aus

Um den Einfluss der russisch-orthodoxen Kirche einzudämmen, hat die Ukraine den Moskauer Patriarchen Kirill zur Fahndung ausgeschrieben. Ihm wird vorgeworfen, einer der Hauptunterstützer des russischen Angriffskrieges zu sein. Das Innenministerium in Kiew hat den Kirchenführer mit seinem bürgerlichen Namen Wladimir Gundjajew auf die Liste der gesuchten Personen gesetzt. Als Aufenthaltsort wurde Moskau angegeben.

Kirill unterstützt eindeutig den Angriffskrieg auf die Ukraine, der von Kremlchef Wladimir Putin angeordnet wurde. Genau wie Putin beharrt er darauf, dass Russland Anspruch auf die Nachbarländer hat, in denen Russen leben. In der Ukraine hat er immer noch Einfluss auf die Priester und Gemeinden, die dem Moskauer Patriarchat angehören.

Ukrainischer Außenminister lobt Kanzler Scholz und will mehr Führung

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba lobte das Engagement von Bundeskanzler Olaf Scholz für die Ukraine auf dem jüngsten EU-Gipfel. «Was Bundeskanzler Olaf Scholz auf dem Gipfel tat, um das drohende ungarische Veto zu beseitigen, wird als ein Akt deutscher Führung im Interesse Europas in die Geschichte eingehen», sagte Kuleba der «Bild am Sonntag». Zugleich forderte Kuleba mehr deutsche Führung. «Ich kann nur hoffen, dass dies auch eine breitere und unumkehrbare Kehrtwende in der deutschen Haltung zur Führung der Bemühungen um die Lösung der kompliziertesten Fragen bedeutet», sagte er.

Bis zum Gipfel galt der Streit über EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine als festgefahren, da Ungarn sich dagegen sperrte. Um eine Lösung zu finden, schlug Scholz dem Ministerpräsidenten Viktor Orban vor, die Sitzung während der Abstimmung zu verlassen. Dadurch konnten die anderen Staats- und Regierungschefs die erforderliche Einvernehmlichkeit erreichen.

Das wird am Sonntag wichtig

Das ukrainische Militär erwartet weitere Angriffe der russischen Armee, sowohl auf dem Boden als auch in der Luft.

dpa