In die von drei Seiten eingeschlossene ukrainische Stadt Awdijiwka kommt man nur über eine Straße, die unter russischem Feuer liegt. Selenskyj hat sich dennoch hineingewagt. Die News im Überblick.
Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Nach einer Nacht des schwersten Bombardements seit Kriegsbeginn hat Russland erneut die Ukraine aus der Luft angegriffen. In den südlichen Gebieten bis hin zum Westen gab es in der Nacht Luftalarm.
Gemäß der ukrainischen Luftwaffe wurden russische Kampfdrohnen gesichtet, die wiederholt ihre Flugrichtung änderten und über das Land flogen. Gleichzeitig gaben russische Behörden bekannt, dass fünf ukrainische Drohnen über dem grenznahen Gebiet Brjansk abgeschossen wurden.
Am Freitagabend beschäftigte sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York mit dem schwerwiegenden russischen Luftangriff auf die gesamte Ukraine. Die Ukraine hatte um eine Dringlichkeitssitzung gebeten. Bei den Angriffen in der vorherigen Nacht wurden etwa 30 Menschen getötet und rund 160 verletzt. Laut offiziellen Angaben aus Kiew setzte Russland knapp 160 Raketen, Marschflugkörper und verschiedene Arten von Drohnen ein.
Der ukrainische Generalstab gab auch bekannt, dass es weitere Sturmangriffe russischer Truppen am Boden im Osten und Süden des Landes gegeben hat. Präsident Wolodymyr Selenskyj besuchte unangekündigt einen Schwerpunkt der Kämpfe, die Stadt Awdijiwka, die von drei Seiten eingeschlossen ist. Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als 22 Monaten gegen eine umfangreiche russische Invasion.
Russland macht Ukraine für Luftangriffe verantwortlich
Nach dem beispiellosen Bombardement der Ukraine in der Nacht zum Freitag hat Russland Kiew die Verantwortung für die Angriffe gegeben. Das eigentliche Problem sei, dass die Ukraine ihre Luftverteidigungssysteme in Wohngebieten aufgestellt habe, sagte der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja in der Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrates in New York. «Würden die ukrainischen Luftverteidigungssysteme nicht eingesetzt, hätte es überhaupt keine Opfer unter der Zivilbevölkerung gegeben», sagte er weiter.
Biden fordert vom Kongress Geld für die Ukraine
US-Präsident Joe Biden forderte unterdessen den Kongress erneut eindringlich auf, weitere Mittel für Kiew zu bewilligen. «Über Nacht hat Russland seinen größten Luftangriff auf die Ukraine seit Beginn dieses Krieges gestartet», hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme. «Bei diesem Kampf steht weit mehr auf dem Spiel als nur die Ukraine», mahnte Biden. «Er betrifft das gesamte Nato-Bündnis, die Sicherheit Europas und die Zukunft der transatlantischen Beziehungen.»
Mit ihrer militärischen Hilfe hätten die USA dazu beigetragen, viele Menschenleben zu retten, betonte er. «Aber wenn der Kongress im neuen Jahr nicht dringend handelt, werden wir nicht in der Lage sein, weiter die Waffen und lebenswichtigen Luftverteidigungssysteme zu liefern, die die Ukraine zum Schutz ihres Volkes benötigt. Der Kongress muss handeln, und zwar ohne weitere Verzögerung.» Die US-Hilfen sind mit dem Jahresende ausgelaufen. Die Genehmigung neuer Finanzmittel hängt im Streit zwischen Republikanern und Demokraten im US-Kongress fest.
Selenskyj auf gefährlichem Frontbesuch
«Die Ukraine verteidigt hier ihre eigenen Leute. Und verteidigt unser ganzes Land», sagte Selenskyj bei seinem Frontbesuch in Awdijiwka im ostukrainischen Gebiet Donezk. Ein Video zeigte ihn am Stadteingang, der mit ukrainischen Fahnen geschmückt war. Der Weg dorthin führt nur über eine Straße, die von Russland unter Feuer genommen werden kann.
«Heute habe ich in Awdijiwka zusammen mit meinem Team den Soldaten ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr gewünscht», sagte Selenskyj. «Wir sind ihnen zu großem Dank verpflichtet.» Nach Angaben des Generalstabs wehrten die ukrainischen Truppen am Freitag in Awdijiwka selbst drei russische Sturmangriffe ab und zehn weitere in unmittelbarer Umgebung.
Der Abendbericht für Freitag verzeichnete insgesamt 31 Gefechte, was im Vergleich als niedrig angesehen wird. Ein weiterer Fokus lag auf dem Brückenkopf der Ukrainer am südlichen Ufer des Flusses Dnipro im Gebiet Cherson im Süden. Laut Angaben des Militärs haben russische Truppen neun erfolglose Versuche unternommen, die Ukrainer aus ihren Stellungen zu vertreiben. Die Unabhängigkeit dieser Informationen konnte nicht überprüft werden.
Ukrainische Drohnenangriffe auf russisches Grenzgebiet
In der Nacht zum Samstag wurde über dem russischen Gebiet Brjansk an der Grenze zur Ukraine die Flugabwehr eingesetzt, wie Gouverneur Alexander Bogomas mitteilte. Laut seinen Angaben wurden fünf ukrainische Drohnen abgeschossen. Das Verteidigungsministerium in Moskau gab außerdem bekannt, dass 13 Geschosse aus ukrainischen Mehrfachraketenwerfern abgewehrt wurden. Gemäß den Behörden wurde bei einem Angriff auf die russische Stadt Belgorod ein Mann getötet und vier Menschen wurden verletzt.
Das wird heute wichtig
Die Aufräumarbeiten in der Ukraine nach dem schweren russischen Bombardement in der Nacht zum Freitag gehen weiter. Das ukrainische Militär erwartet an den Fronten im Osten und Süden weiterhin russische Sturmangriffe am 675. Kriegstag.








