Seit Tagen bombardiert Russland die Ukraine wieder besonders heftig. Mit internationaler Hilfe will Kiew auch Regionen besser schützen, deren Luftverteidigung derzeit noch nicht ausreicht. Der Überblick.
Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Die Ukraine will die jüngsten schweren Angriffe Russlands eigenen Angaben zufolge nicht unbeantwortet lassen. «Der Terrorstaat wird definitiv unsere Antwort spüren», sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. In den Gebieten Charkiw, Saporischschja, Chmelnyzkyj sowie in seiner Heimatregion Krywyj Rih seien insgesamt vier Menschen getötet und 45 weitere verletzt worden.
Zudem seien die Verhandlungen mit internationalen Partnern in den kommenden Wochen auf die Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung ausgerichtet, sagte Selenskyj. «Viele Schritte werden unternommen, und ich bin zuversichtlich, dass wir in der Lage sein werden, unseren Staat zu stärken. Unser Luftverteidigungssystem. Unsere Arbeit mit Partnern an Drohnen.»
Russland hat die Ukraine am Montagmorgen erneut innerhalb weniger Tage mit zahlreichen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen angegriffen. Von den insgesamt knapp 60 Geschossen konnten jedoch weniger abgewehrt werden als gewöhnlich – unter anderem, weil Gebiete bombardiert wurden, die nicht so gut geschützt sind wie die Hauptstadt Kiew. Diese verfügt über Luftabwehrsysteme, die aus dem Westen geliefert wurden. Die Ukraine verteidigt sich seit fast zwei Jahren gegen den russischen Angriffskrieg.
Scholz ruft EU zu stärkerer Unterstützung der Ukraine auf
Bundeskanzler Olaf Scholz rief derweil die anderen EU-Staaten dazu auf, die Ukraine in diesem Jahr stärker zu unterstützen. «Die bisher von der Mehrzahl der EU-Mitgliedstaaten geplanten Waffenlieferungen für die Ukraine sind jedenfalls zu gering», sagte der SPD-Politiker nach einem Treffen mit Luxemburgs Premierminister Luc Frieden in Berlin. «Ich rufe deshalb die Verbündeten in der Europäischen Union auf, ihre Anstrengungen zugunsten der Ukraine ebenfalls zu verstärken.»
Medien: Explosion an Bahnstrecke nahe russischem Öldepot
Unweit eines russischen Öldepots hat sich Medien zufolge eine Explosion an einer Eisenbahnstrecke ereignet. Diese sei in der Stadt Nischni Tagil am Ural durch einen Sprengsatz ausgelöst worden, berichteten mehrere Online-Portale. Unabhängig überprüfen ließ sich das zunächst nicht. Die Behörden in Nischni Tagil räumten laut der Agentur Interfax jedoch ein, dass sich «irgendein Knall» ereignet habe. Verletzte und Schäden soll es demnach nicht gegeben haben. Im Zuge von Russlands Krieg gegen die Ukraine kommt es im größten Land der Erde immer wieder zu Sabotageakten gegen militärische oder für das Militär wichtige Infrastruktur.
In der Zwischenzeit wurde erneut über Beschuss der russischen Grenzregion Belgorod durch die ukrainische Armee berichtet. Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow schrieb auf Telegram, dass ersten Erkenntnissen zufolge drei Menschen verletzt wurden. Es konnte vorerst nicht unabhängig überprüft werden.
Ukraine: 15 Millionen Tonnen Güter über See exportiert
Trotz des russischen Angriffskriegs hat die Ukraine eigenen Angaben zufolge in den letzten fünf Monaten des Jahres 2023 knapp 15 Millionen Tonnen Waren verschiedener Art über das Schwarze Meer exportiert. «Davon sind zehn Millionen Tonnen Produkte unserer Landwirte», teilte Infrastrukturminister Olexander Kubrakow mit.
Seit letztem August hat Kiew eigenständig einen Korridor für die sichere Passage von Handelsschiffen festgelegt. Obwohl Russland seitdem wiederholt Hafenanlagen mit Raketen und Drohnen angegriffen hat, gelingt es der ukrainischen Armee bisher erfolgreich, russische Schiffe mit Seedrohnen und Antischiffsraketen auf Distanz zu halten. Die ukrainischen Exportmengen liegen jedoch immer noch deutlich unter denen vor Beginn der großangelegten russischen Invasion am 24. Februar 2022.
Ukraine vermutet 19.500 verschleppte Kinder in Russland
Die Ukraine geht von mehr als 19.500 Kindern aus, die im Krieg illegal nach Russland verschleppt worden sind. Das sagte der Leiter des ukrainischen Präsidialamtes, Andrij Jermak. «Russland hat im Laufe seines Krieges gegen die Ukraine schreckliche Verbrechen begangen, doch die Deportation und gewaltsame Entführung von Kindern, unseren Schutzbedürftigsten, zählt zu den grausamsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit seit dem Zweiten Weltkrieg», sagte Jermak einer Mitteilung zufolge. Die genannte Zahl stützt sich auf UN-Angaben.
Was am Dienstag wichtig wird
In anderen Teilen des Landes wird erneut befürchtet, dass es zu schweren Kämpfen an der Front im Osten und Süden der Ukraine kommen könnte, sowie zu heftigem russischem Beschuss.








