Bislang setzt Russland mehr Drohnen mit großer Reichweite ein als die Ukraine. Doch ukrainische Tüftler haben etwas entwickelt, das eine wichtige russische Stadt treffen kann. Der Überblick.
Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Gemäß den Angaben des Kiewer Militärs verstärken die russischen Bodentruppen ihre Angriffe an den Fronten im Osten und Süden der Ukraine erneut. Laut dem Lagebericht des ukrainischen Generalstabs gab es nun 114 versuchte Angriffe an acht Frontabschnitten – eine deutlich höhere Anzahl als zuvor. Den Angaben zufolge wurden diese Angriffe abgewehrt. Es war jedoch nicht möglich, dies unabhängig zu überprüfen. Das russische Militär behauptete, ein Dorf in der ostukrainischen Region Donezk erobert zu haben.
In der Nacht blieb es über der Ukraine am Himmel zunächst ruhig. Die ukrainische Luftwaffe meldete keine der üblichen Angriffe russischer Kampfdrohnen. Die Ukraine gab bekannt, dass eine neu entwickelte eigene Drohne in der vorherigen Nacht den Hafen der nordrussischen Metropole St. Petersburg erreicht habe.
Die Ukraine wehrt seit fast 23 Monaten eine großangelegte russische Invasion ab; heute ist der 695. Tag des Krieges. Eine Verschiebung des Kräfteverhältnisses in der Luft erhofft sich der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba von den Kampfjets F-16, die noch in diesem Jahr die Luftwaffe verstärken sollen. Vor einer möglichen Ausweitung des Ukraine-Kriegs warnte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius im «Tagesspiegel».
Intensive Bodenkämpfe in der Ukraine
Gemäß dem Bericht des ukrainischen Generalstabs nahmen die Bodenkämpfe wieder an Intensität zu. Insbesondere griffen die russischen Truppen erneut die Frontstadt Awdijiwka an. Es wurden insgesamt 36 Gefechte in und um die Stadt nahe dem von Russland kontrollierten Donezk verzeichnet. Seit Oktober versucht die russische Armee, die ukrainischen Verteidiger einzukesseln. Dabei erlitt sie hohe Verluste an Soldaten und Material.
Gemäß eigenen Angaben besetzte das russische Militär das Dorf Wesjoloje im Gebiet Donezk weiter nördlich. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, dass der Ort unter Kontrolle sei. Der Bericht des ukrainischen Generalstabs enthielt keine Informationen dazu. Es wurden schwere Gefechte an den Frontabschnitten Kupjansk, Lyman, Marjinka und am ukrainischen Brückenkopf am Südufer des Dnipro gemeldet. Zudem wurden viele Dörfer und Städte in der Nähe der Front von russischer Artillerie beschossen, wie der Generalstab mitteilte.
Artillerie und Marschflugkörper aus Frankreich
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bedankte sich in einem Telefonat nach eigenen Angaben bei Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron für die zugesagte Rüstungshilfe. Laut Verteidigungsminister Sébastian Lecornu in Paris wird die Ukraine neben den Haubitzen Caesar auch etwa 40 weitere Marschflugkörper vom Typ Scalp sowie Hunderte Luft-Boden-Raketen des Typs A2SM von Frankreich erhalten. Der zugeschaltete ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umjerow betonte, dass eine Stärkung der Artillerie entscheidend sei, um den Krieg für die Ukraine zu gewinnen. Es mangelt an Munition.
Ukrainische Drohne fliegt bis St. Petersburg
Die Ukraine setzte eigenen Angaben nach erfolgreich eine Drohne bei der nordrussischen Großstadt St. Petersburg ein. «Ja, diese Nacht haben wir ein Ziel getroffen, und diese Drohne flog genau 1250 Kilometer», sagte Industrieminister Olexander Kamyschin beim Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz. Die verwendete Drohne sei in der Ukraine produziert worden und habe umgerechnet etwas mehr als 320 Euro gekostet. Ukrainische Medien berichteten unter Berufung auf den Militärgeheimdienst von einem Angriff auf ein Treibstofflager im Hafen der Millionenstadt. Russischen Angaben zufolge wurden drei Drohnen abgefangen. Schäden habe es nicht gegeben.
Außenminister erwartet bald F-16 in der Ukraine
Die Vorbereitungen der Ukraine auf den Einsatz der Kampfjets des US-Typs F-16 laufen nach Angaben von Außenminister Dmytro Kuleba nach Plan. «Die Piloten bereiten sich vor. Die Ingenieure bereiten sich vor. Die Infrastruktur wird vorbereitet», sagte Kuleba im Fernsehen. Alle Länder, die der Ukraine Jets zur Verfügung stellen wollten, kämen ihren Verpflichtungen nach. «Ich denke, dass wir in diesem Jahr die ersten F-16-Luftsiege in der Ukraine erringen werden», sagte der Minister. Für sein Land habe es Priorität in diesem Jahr, die Luftüberlegenheit über Russland zu erlangen. Bislang fehlt es der Ukraine an Flugzeugen, um russische Jets zu bekämpfen. Die Niederlande und Dänemark wollen Dutzende F-16-Kampfjets abgeben.
Ukrainische Wirtschaft gewachsen
Laut Selenskyjs Angaben wuchs die ukrainische Wirtschaft im letzten Jahr trotz der russischen Invasion um fünf Prozent im Vergleich zu 2022. In seiner Videoansprache erklärte der Präsident, dass auch die Steuereinnahmen in gleichem Maße gestiegen seien. Die Europäische Union hatte ebenfalls ein ukrainisches Wirtschaftswachstum von etwa fünf Prozent erwartet. Es handelt sich um einen Erholungseffekt, da die ukrainische Wirtschaft im Jahr 2022, dem ersten Jahr des Krieges, um fast 30 Prozent geschrumpft war.
Pistorius schließt russischen Angriff auf Nato nicht aus
Verteidigungsminister Pistorius warnte vor einer Ausweitung des Ukraine-Krieges. «Wir hören fast jeden Tag Drohungen aus dem Kreml – zuletzt wieder gegen unsere Freunde im Baltikum», sagte der SPD-Politiker dem «Tagesspiegel». «Wir müssen also einkalkulieren, dass Wladimir Putin eines Tages sogar ein Nato-Land angreift.» Aktuell halte er einen russischen Angriff nicht für wahrscheinlich. «Unsere Experten rechnen mit einem Zeitraum von fünf bis acht Jahren, in denen das möglich sein könnte.» Er wolle mit seiner Warnung oder seiner Forderung, dass die Bundeswehr «kriegstüchtig» werden müsse, «unsere Gesellschaft damit auch wachrütteln». Dafür müssten jetzt Vorkehrungen getroffen werden. Pistorius hatte bereits eine modifizierte Wehrpflicht ins Gespräch gebracht, für die er aus seinem Ministerium Vorschläge bis April erwartet.
US-General Christopher Cavoli hatte angekündigt, dass ab Februar ein Großmanöver mit rund 90.000 Soldaten stattfinden soll, um Russland abzuschrecken. Die Übung, die etwa vier Monate dauern wird, wird die größte des Verteidigungsbündnisses seit Jahrzehnten sein.
Das wird heute wichtig
Laut dem ukrainischen Militär gehen sie davon aus, dass die russischen Truppen ihre Angriffe an verschiedenen Frontabschnitten fortsetzen werden.








