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Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Bei Kriegshandlungen in der Ukraine hat es am Sonntag erneut Opfer auf beiden Seiten gegeben. Auch die russische Ostseemetropole St. Petersburg bekam die Folgen des Krieges zu spüren. Der Überblick.

Das auf einem russischen Telegramm-Kanal veröffentlichte Foto soll Feuerwehrleute zeigen, die einen Brand auf dem Gelände des Erdgasproduzenten Novatek im Ostseehafen Ust-Luga löschen.
Foto: Uncredited/Telegram Channel of head of the Kingisepp district administration Yuri Zapalatskiy/AP/dpa

Nach einer neuen Serie massiver russischer Attacken auf ukrainische Städte und Dörfer hat Präsident Wolodymyr Selenskyj Konsequenzen für die Angreifer versprochen. «Russland wird für all diesen Terror zur Rechenschaft gezogen werden», sagte der ukrainische Staatschef in seiner allabendlichen Videoansprache.

«Ohne die Entscheidungen Moskaus, diese Aggression und diesen Terror auszulösen, wären Abertausende von Menschen heute noch am Leben.» Daher müssten sowohl die individuellen Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden als auch der gesamte russische Staat. «Russland muss lernen und sich immer daran erinnern, dass der Aggressor am meisten durch Aggression verliert.»

Vor Selenskyj hatte bereits der Generalstab in Kiew von der neuen Serie russischer Angriffe am Sonntag berichtet. «Die heftigsten Kämpfe gab es im Sektor Awdijiwka sowie in Bachmut, Marjinka, Kupjansk und im Süden der Ukraine», sagte Selenskyj. «Allein an diesem Tag beschossen russische Unmenschen mehr als hundert Städte, Ortschaften und ukrainische Dörfer in neun Regionen: von Tschernihiw und Sumy bis Mykolajiw und Kirowohrad.» Die Angaben der Kriegsparteien lassen sich meist kaum unabhängig überprüfen.

Selenskyj sieht vorerst keinen Bedarf für neue Mobilmachung

Selenskyj hält nach eigenen Worten trotz der festgefahrenen Fronten die Mobilisierung von weiteren 500.000 Soldaten nicht für nötig. «Ich persönlich sehe heute keinen Bedarf, noch eine halbe Million Menschen zu mobilisieren», sagte er in einem Interview des britischen Senders Channel 4. Er kenne bisher noch nicht genügend gute Gründe, um so viele Menschen zu den Waffen zu rufen. Dabei gehe es neben dem Leben der Soldaten auch um die Finanzierung einer solchen Mobilisierung, die das Militär bereits vorgeschlagen habe.

Donezk unter ukrainischem Beschuss

Nach Angaben der Besatzer wurde in der von russischen Militärs kontrollierten Stadt Donezk ein Marktplatz von ukrainischer Artillerie getroffen. Mindestens 28 Menschen wurden dabei getötet. Es gab auch in anderen Teilen der Region Donezk weitere Opfer durch ukrainische Angriffe. Die Gesamtzahl der Toten liegt bei 28 und es gibt außerdem 30 Verletzte.

Berichte über russische und ukrainische Luftangriffe

Eine Serie von Angriffen der ukrainischen und russischen Luftwaffe hat die Fronten im Osten und Süden der Ukraine erschüttert. Am Abend berichtete der ukrainische Generalstab, dass neun russische Militärziele angegriffen wurden. Der Generalstab erwähnte auch eine Serie von russischen Attacken, ohne jedoch genaue Ortsangaben zu machen. Bei den 69 Luftangriffen und dem Beschuss mit Raketen und Mehrfachraketenwerfern gab es erneut Opfer.

Russisches Gasterminal in Brand

Es ist ein umfangreicher Brand ausgebrochen, möglicherweise durch einen Angriff, der von der Ukraine initiiert wurde, auf das Gelände des russischen Erdgasproduzenten Novatek im Gebiet Leningrad. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Tass gab es keine Verletzten durch das Feuer im Ostseehafen Ust-Luga, das Personal wurde evakuiert. Ust-Luga liegt in der Nähe der Grenze zum Nato-Mitgliedstaat Estland, so der Gouverneur der Region.

Das ukrainische Online-Medium «Ukrajinska Prawda» sprach später unter Berufung auf Quellen in der Führung in Kiew vom Ergebnis einer «Spezialoperation» des ukrainischen Geheimdienstes. Das Terminal sei mit Drohnen angegriffen und in Brand gesetzt worden.

Eine Bestätigung oder Erklärung von russischer Seite dazu gab es zunächst nicht. Allerdings riefen die Behörden des Gebiets Leningrad am Abend zu erhöhter Wachsamkeit rund um Objekte der kritischen Infrastruktur auf, wie die Staatsagentur Tass berichtete. Die Wachmannschaften und Sicherheitsbehörden seien angewiesen worden, «unbemannte Flugobjekte bei Annäherung zu zerstören». Nach ukrainischer Lesart müsste Russland dafür Flugabwehrsysteme von der Front abziehen.

Russland berichtet von Raketenangriffen auf die Krim

Gemäß russischen Angaben hat das ukrainische Militär Ziele auf der von Moskau besetzten Halbinsel Krim mit Raketen angegriffen. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, dass eine Rakete über dem Schwarzen Meer abgeschossen wurde. Der von Moskau eingesetzte Gouverneur Michail Raswoschajew berichtete, dass eine weitere Rakete über dem Hafengebiet von Sewastopol zerstört wurde. Danach wurde der Luftalarm über der Krim aufgehoben.

Was heute wichtig wird

Die Außenminister der EU-Staaten planen, mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga sowie ihren Kollegen aus Saudi-Arabien, Ägypten, Jordanien und Kiew über den Nahost-Konflikt und den russischen Angriffskrieg in der Ukraine zu diskutieren. Darüber hinaus wird über potenzielle langfristige Sicherheitszusagen der EU und zusätzliche militärische Unterstützung für Kiew gesprochen werden.

dpa