Ein russisches Militärflugzeug stürzt ab – angeblich mit Dutzenden ukrainischen Kriegsgefangenen an Bord. Kiew will bei der Aufklärung des Vorfalls internationale Hilfe. Der Überblick.
Krieg gegen die Ukraine: So ist die aktuelle Lage

Es gibt noch viele Fragen, die nach dem Absturz eines russischen Militärtransportflugzeugs in der Grenzregion Belgorod offen sind. In seiner abendlichen Ansprache forderte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Aufklärung mit internationaler Unterstützung. Kiew bestätigte nicht die Version aus Moskau, wonach ukrainische Gefangene an Bord des abgestürzten russischen Flugzeugs waren und nun tot sind. Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, sagte, dass auch die USA bisher nicht genug Informationen haben, um die Lage zu bewerten.
Selenskyj betont internationale Kooperation
Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR versuche derzeit, mehr über das Schicksal der ukrainischen Kriegsgefangenen zu erfahren, sagte Selenskyj. Er habe zudem seinen Außenminister Dmytro Kuleba angewiesen, ausländische Partner mit allen Informationen zu versorgen, die der Ukraine zur Verfügung stünden. «Unser Staat wird auf eine internationale Aufklärung bestehen», betonte er. Selenskyj sagte außerdem: «Es ist offensichtlich, dass die Russen mit dem Leben von ukrainischen Gefangenen, mit den Gefühlen ihrer Angehörigen und mit den Emotionen unserer Gesellschaft spielen.»
In der Region Belgorod in Westrussland ist am Mittag eine Iljuschin Il-76 abgestürzt. Laut russischen Angaben kamen dabei alle 74 Insassen an Bord ums Leben, darunter 65 ukrainische Kriegsgefangene. Es gibt jedoch weiterhin keine unabhängigen Angaben darüber, wen oder was das Flugzeug transportierte. Die ukrainische Seite bestätigte lediglich, dass ein Gefangenenaustausch geplant war, der jedoch nicht stattfand.
Ukraine macht Russland Vorwürfe
In einer Mitteilung des ukrainischen Militärgeheimdienstes hieß es zudem: «Derzeit haben wir keine verlässliche und umfassende Information darüber, wer genau und wie viele sich an Bord des Flugzeugs befanden.» Die Ukraine habe ihrerseits alle Vereinbarungen eingehalten und die russischen Soldaten pünktlich zum Austauschort gebracht, so die Behörde.
Weiter hieß es: «Gemäß der Vereinbarung musste die russische Seite die Sicherheit unserer Verteidiger gewährleisten. Zugleich wurde die ukrainische Seite nicht über die Notwendigkeit informiert, die Sicherheit des Luftraums im Gebiet um die Stadt Belgorod in einem bestimmten Zeitraum zu gewährleisten, so wie das in der Vergangenheit mehrfach getan wurde.»
Dass die ukrainische Seite dieses Mal nicht über die genauen russischen Transportmittel in Kenntnis gesetzt worden sei, «könnte auf vorsätzliche Maßnahmen Russlands hinweisen, die darauf abzielen, das Leben und die Sicherheit von Gefangenen zu gefährden», schrieb die ukrainische Behörde. Staatliche russische Medien werteten die Mitteilung als indirekte Bestätigung dafür, dass die Ukrainer das Flugzeug mit ihren eigenen Soldaten an Bord abgeschossen hätten. Offiziell gibt es eine solche Bestätigung aus Kiew allerdings nicht.
Deutschland erwägt Marschflugkörper-Ringtausch für Ukraine
Deutschland erwägt möglicherweise, sich an einem Ringtausch zur Lieferung von Marschflugkörpern in die Ukraine zu beteiligen. Laut dpa-Informationen gibt es Überlegungen, Taurus-Marschflugkörper der Bundeswehr an NATO-Partnern wie Großbritannien oder Frankreich zu liefern. Im Gegenzug würden diese Länder eigene Marschflugkörper in die Ukraine exportieren.
Gemäß Diplomaten und Regierungsvertretern soll das «Handelsblatt» berichtet haben, dass Großbritannien bereits angeboten hat, der Ukraine im Austausch für Taurus weitere Marschflugkörper vom Typ Storm Shadow zu liefern. Das Kanzleramt hat den Bericht vorerst nicht kommentiert.
Im Mai des vergangenen Jahres hat die Ukraine die Bundesregierung offiziell um Taurus-Marschflugkörper gebeten. Diese Waffen sind in der Lage, Ziele in einer Entfernung von bis zu 500 Kilometern äußerst präzise zu treffen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) traf Anfang Oktober die Entscheidung, vorerst keine dieser Marschflugkörper an die Ukraine zu liefern.
Tote nach Angriffen in Ostukraine – Beschuss von Odessa
Laut offiziellen Angaben wurden infolge eines russischen Raketenangriffs in der Ostukraine mindestens zwei Menschen getötet. Die ukrainische Polizei teilte auf Facebook mit, dass neun weitere Menschen in der Stadt Hirnyk im Donezker Gebiet verletzt wurden. Unter den Verletzten befinden sich auch zwei Teenager. In der ostukrainischen Großstadt Charkiw wurde ebenfalls Luftalarm ausgerufen und es waren zeitweise Explosionsgeräusche zu hören.
Am Abend wurde auch aus der südukrainischen Region Odessa Beschuss gemeldet. Laut Behördenangaben schlugen russische Kampfdrohnen in ein Wohngebiet ein, wodurch mindestens zwei Menschen verletzt wurden.
Das wird heute wichtig
Die Kämpfe in der Ukraine im Osten und Süden dauern an. Es wird erwartet, dass weiterhin große Aufmerksamkeit auf möglichen neuen Erkenntnissen zum Flugzeugabsturz in Belgorod liegt.








