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Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

In vielen Teilen der Ukraine herrschte in der Nacht wieder Luftalarm. Aus mehreren Regionen wurden Einschläge gemeldet. Präsident Selenskyj gab sich trotzdem optimistisch. Die News im Überblick.

Die oft attackierte Region Charkiw im Nordosten der Ukraine meldet russische Angriffe.
Foto: Andrii Marienko/AP

Russland hat erneut Raketen- und Drohnenangriffe auf die Ukraine durchgeführt. Am späten Abend gab es Luftalarm in verschiedenen Regionen im östlichen und zentralen Teil des Landes, einschließlich der Hauptstadt Kiew.

«Feindliche Drohnen haben das Gebietszentrum attackiert», schrieb der Militärgouverneur der südukrainischen Region Saporischschja, Jurij Malaschko, auf Telegram. Dabei sei ein Infrastrukturobjekt getroffen worden. Nähere Angaben machte er nicht.

Die zentralukrainische Region Poltawa meldete Raketenangriffe. Militärgouverneur Filip Pronin schrieb, dass es einen Einschlag in einem Industrieobjekt in Krementschuk gegeben habe. Dadurch sei ein Feuer ausgebrochen. Behördenangaben zufolge dauerten die Löscharbeiten an. Es gibt zunächst keine Informationen über mögliche Opfer.

Ebenfalls wurden Angriffe in der oft attackierten Region Charkiw im Nordosten der Ukraine gemeldet. Es wurden noch keine Informationen über mögliche Opfer und Schäden dort veröffentlicht.

Selenskyj bleibt optimistisch

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht trotz der aktuellen Probleme bei den Waffenlieferungen keine Kriegsmüdigkeit bei den internationalen Partnern seines Landes. «Trotz verschiedener Herausforderungen und vieler Schwierigkeiten ist es der Ukraine gelungen, die internationale Aufmerksamkeit für unseren, den ukrainischen Unabhängigkeitskampf zu bewahren», sagte er in seiner täglichen Videoansprache. Bei einer Bilanz für Januar hob er das Sicherheitsabkommen mit Großbritannien als Erfolg hervor.

Auch bei den internationalen Rüstungshilfen sprach Selenskyj von einer «guten Dynamik». Allerdings hob er die Bedeutung der USA als bislang wichtigstem militärischen Unterstützer bei der Verteidigung gegen den russischen Angriffskrieg hervor. Mit Ungeduld warte Kiew auf die Entscheidung in Washington – «sie ist von entscheidender Bedeutung», mahnte er. In den USA lähmt ein innenpolitischer Streit zwischen Demokraten und Republikanern weitere Hilfen für die Ukraine.

Fünf Leichen aus Trümmern geborgen

Im Osten der Ukraine sind nach Angaben der Behörden fünf Tote aus den Trümmern eines Wohnhauses geborgen worden. «Ich erinnere daran, dass die Russen am 15. Januar eine gelenkte Fliegerbombe auf ein dreistöckiges Gebäude in Nju Jork abgeworfen haben – dabei wurden drei Menschen verletzt und fünf unter den Trümmern verschüttet», schrieb der Militärgouverneur des ukrainisch kontrollierten Teils im Gebiet Donezk, Wadym Filaschkin, auf Facebook. Die Bergungsarbeiten hätten zwei Wochen gedauert.

Die Stadt Nju Jork befindet sich auf ukrainisch kontrolliertem Territorium direkt hinter der Frontlinie gegenüber der Industriestadt Horliwka, die bereits seit 2014 von russischen Kräften kontrolliert wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Abschnitten der Front ist es dem russischen Militär bisher nicht gelungen, die Ukrainer zurückzudrängen. Allerdings wurde die Stadt aufgrund des fortwährenden Beschusses stark zerstört.

Außerdem wurde der Tod eines weiteren Opfers, eines 13-jährigen Mädchens in der Region Charkiw, bekanntgegeben. Das ukrainische Mädchen wurde vor zehn Tagen bei einem Angriff auf das Dorf Malyj Burluk schwer verletzt. Nun ist sie im Krankenhaus verstorben, wie der Militärgouverneur von Charkiw, Oleh Synjehubow, mitteilte.

Putin kritisiert Ukraine und Baltikum scharf

Russlands Präsident Wladimir Putin bezeichnete derweil seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine bei einer Gedenkveranstaltung als Kampf gegen den Nazismus. «Wir tun alles, alles, um den Nazismus zu unterbinden und endgültig auszurotten», sagte er Medien zufolge bei der Eröffnung eines Denkmals für zivile Opfer des faschistischen Terrors nach dem Überfall Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion. Der Kremlchef führte die Ukraine und das Baltikum als aktuelle Beispiele für das Erstarken des Nazismus auf.

Die baltischen Staaten «erklären Zehntausende zu Untermenschen, nehmen ihnen die elementarsten Rechte und setzen sie Hetze aus», behauptete er. Die Ukraine wiederum «heroisiert Hitlers Helfer und SS-Leute, setzt Terror gegen Missliebige ein», sagte Putin weiter. Der Kreml hat seinen seit fast zwei Jahre währenden Angriffskrieg auf die Ukraine immer wieder mit der angeblichen Notwendigkeit gerechtfertigt, die dort lebende russischsprachige Bevölkerung vor Angriffen ukrainischer Nationalisten schützen zu müssen.

Was heute wichtig wird

Die Kämpfe zwischen den Verteidigern und den russischen Angreifern setzen sich im Osten und Süden der Ukraine fort. Die ukrainischen Streitkräfte erweitern hauptsächlich ihre Verteidigungsstellungen, um einen weiteren Vormarsch der russischen Truppen zu verhindern.

dpa