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Ukraine-Krieg: So ist die Lage aktuell

Der ukrainische Präsident gibt erstmals Einblicke in offizielle Verlustzahlen und spricht über eine verratene Offensive. Die Entwicklungen im Überblick.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gestand den Misserfolg der Herbstoffensive seiner Streitkräfte ein.
Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat erstmals seit Beginn des Krieges vor über zwei Jahren offizielle Verlustzahlen genannt. Er gab bekannt, dass bisher 31.000 ukrainische Soldaten gefallen seien. Bei einer Pressekonferenz in Kiew am Sonntag berichtete Selenskyj: „Die Verluste des russischen Militärs belaufen sich dagegen auf 180.000 Tote und 500.000 Verwundete.“ Bisher hatte keine der Kriegsparteien offiziell eigene Opferzahlen veröffentlicht. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben war zunächst nicht möglich.

In einer ersten Reaktion aus Moskau wurde Selenskyj der Lüge bezichtigt. «Dass Selenskyj lügt, erkennt jeder Ukrainer, allen voran die Soldaten», zitierte die Staatsagentur Tass die Sprecherin des russischen Außenamtes, Maria Sacharowa. Die ukrainischen Behörden blieben bemüht, die wahren Verlustzahlen zu verbergen. Zu den genannten russischen Verlusten äußerte sie sich nicht.

In einem kurzen militärischen Rückblick auf das Vorjahr gestand Selenskyj den Misserfolg der Herbstoffensive seiner Streitkräfte ein. Diese war unter anderem an einer tief gestaffelten russischen Abwehr und tiefen Minenfeldern zerschellt. «Und ich kann es offen zugeben – unsere Gegenoffensive lag schon auf dem Tisch im Kreml, noch ehe sie begann», deutete er Verrat an. Daher wolle er auch nicht weiter über die nächsten Pläne reden. «Je weniger Leute davon wissen, desto schneller kommen der Erfolg und unerwartete Ergebnisse für die Russen.»

Allerdings hänge bei der Planung vieles von den Partnern der Ukraine ab. «Aber die Hauptsache ist, überhaupt einen Plan zu haben, sagte Selenskyj. «Und den Plan gibt es.»

Russen erschießen angeblich sieben ukrainische Kriegsgefangene

Russische Truppen sollen nach offizieller Darstellung aus Kiew sieben ukrainische Kriegsgefangene erschossen haben. Die Hinrichtung sei am Samstag in der Nähe der von Russen eroberten Stadt Bachmut im Osten des Landes erfolgt, berichtete der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez, auf Telegram. Er berief sich dabei auf eine Videoaufnahme, die ukrainische Soldaten «mit erhobenen Händen» bei der Kapitulation zeige. «Die Russen sollten sie gefangen nehmen, erschossen sie aber stattdessen gnadenlos.» Die Angaben aus Kiew konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

«Eine solche Hinrichtung ist ein Kriegsverbrechen», schrieb Lubinez weiter. Dieser Fall müsse als eine weitere Verletzung des humanitären Völkerrechts durch Russland registriert werden, forderte er.

Nur vor Kurzem wurden russischen Soldaten beschuldigt, mindestens sechs verwundete ukrainische Soldaten hingerichtet zu haben, die nicht rechtzeitig evakuiert werden konnten, als sie Awdijiwka einnahmen. Kiew berief sich erneut auf Videoaufnahmen einer Drohne. Auch dieser Vorwurf konnte nicht unabhängig überprüft werden.

Neue russische Raketen- und Drohnenangriffe

Am Sonntagabend wurden die Vororte der ostukrainischen Großstadt Dnipro von einer Serie von Explosionen erschüttert. Laut örtlicher Militärverwaltung hat die russische Armee die Region mit mehreren Raketen angegriffen. Mindestens vier Menschen wurden verletzt und mehrere Häuser wurden zerstört.

Am späten Abend wurde in der Region Dnipro sowie im benachbarten Charkiw Luftalarm ausgelöst. Der Grund waren Informationen der Luftaufklärung über anfliegende Kampfdrohnen.

Macron organisiert Ukraine-Konferenz – Militärhilfe im Fokus

An diesem Montag organisiert Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Paris eine internationale Unterstützerkonferenz für die Ukraine. Es werden 20 Staats- und Regierungschefs erwartet, darunter auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), wie der Élysée-Palast mitteilte. Weitere Länder beteiligen sich auf Ministerebene an dem Treffen, das zwei Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine stattfindet. Das Arbeitstreffen zielt darauf ab, die dringend benötigte Verteidigungshilfe für die Ukraine besser zu koordinieren und ein Signal der europäischen Einheit und Entschlossenheit gegenüber Russland zu senden, so die Aussage aus Paris. Der ukrainische Präsident Selenskyj wird per Videoschalte an der Konferenz teilnehmen.

Ein Berater des Präsidenten in Paris sagte bei einem kurzfristig organisierten Treffen, dass die Zukunft Europas in der Ukraine auf dem Spiel stehe. Daher müsse die militärische Unterstützung der Europäer der angespannten Situation an der Front in der Ukraine gerecht werden. Es gebe eine Zunahme der Aggressivität Russlands und Russland gewinne zu viel Einfluss. Jedoch dürfe das Land den Krieg nicht gewinnen und die Stabilität Europas dürfe nicht weiter leiden.

Im Jahr 2021 plant Frankreich, der Ukraine Militärhilfe in Höhe von bis zu drei Milliarden Euro zu gewähren, während Deutschland fast acht Milliarden Euro an Unterstützung bereitstellen möchte.

Das wird am Montag wichtig

Während die Unterstützerkonferenz für die Ukraine in Paris stattfindet, sind entlang der Fronten in dem von Russland angegriffenen Land neue schwere Kämpfe zu erwarten.

dpa