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Krieg gegen die Ukraine: So ist die aktuelle Lage

Frankreichs Präsident Macron hat den Einsatz von Bodentruppen in der Ukraine nicht ausgeschlossen. Russland zeigt sich entsetzt. Die News im Überblick.

Nach einem Besuch beim saudischen Kronprinz Mohammed bin Salman (r) wird Wolodymyr Selenskyj heute in Albanien zu Gesprächen erwartet.
Foto: Uncredited/Saudi Press Agency/dpa

Russland hat die Gedankenspiele um die Entsendung westlicher Bodentruppen in die Ukraine als gefährliche Entwicklung kritisiert. Dass die europäischen Verbündeten der USA eigene Streitkräfte in die Ukraine entsenden, sei lange Zeit undenkbar gewesen, werde nun aber laut diskutiert, beklagte der russische Botschafter in Washington, Anatoli Antonow, in seinem Kanal im Nachrichtennetzwerk Telegram. «Die amerikanischen Kuratoren (des Krieges) verstehen sehr wohl, wohin solche eine Entwicklung der Lage führen kann», meinte er.

Russland warnt immer wieder vor einer weiteren Eskalation seines Angriffskriegs gegen die Ukraine. Dabei ist auch von der Gefahr eines Dritten Weltkrieges die Rede. Die US-Regierung sei gut beraten, sich an die Grundlagen der internationalen Politik zu erinnern, sagte Antonow, «besonders angesichts der besonderen Verantwortung Russlands und der USA für die strategische Stabilität» in der Welt. Die Atommacht Russland hatte mehrfach damit gedroht, im Fall eines Angriffs alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel für die Verteidigung ihrer Interessen einzusetzen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat nach einer Ukraine-Hilfskonferenz den Einsatz von Bodentruppen seines Landes in der Ukraine als mögliche Option bezeichnet. Bei dem Treffen mit mehr als 20 Staats- und Regierungschefs, darunter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), gab es zwar keine Einigung, aber Macron betonte, dass im Verlauf eines zukünftigen Krieges nichts ausgeschlossen werden könne, wie er in Paris erklärte.

Scholz wies den Vorstoß Macrons für eine mögliche Entsendung von Bodentruppen aus Nato-Staaten in die Ukraine zurück. In Paris habe man sich auch für die Zukunft darauf verständigt, «dass es keine Bodentruppen, keine Soldaten auf ukrainischem Boden geben wird, die von europäischen Staaten oder von Nato-Staaten dort hingeschickt werden», sagte der Kanzler.

Estland diskutiert nach Angaben von Regierungschefin Kaja Kallas auch nicht die Entsendung von Truppen in die Ukraine. Bulgarien wird nach den Worten des prowestlichen Regierungschefs Nikolaj Denkow ebenfalls keine Bodentruppen schicken. UN-Sprecher Stephane Dujarric sagte, die Vereinten Nationen seien schon seit Beginn des Krieges gegen jegliche Rhetorik, die den ohnehin schon tödlichen Konflikt weiter anheizen könne.

US-Regierung: Schicken keine Soldaten in die Ukraine

Die US-Regierung als wichtigster Unterstützer der Ukraine schließt selbst weiterhin aus, amerikanische Soldaten in das von Russland angegriffene Land zu entsenden. «Präsident (Joe) Biden hat deutlich gemacht, dass die USA keine Truppen zum Kampf in die Ukraine schicken werden», erklärte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates, Adrienne Watson, auf Anfrage. 

Sie betonte, für einen «Weg zum Sieg» der Ukraine brauche es ein neues Hilfspaket aus den USA. So bekäme das von Russland angegriffene Land die nötigen Waffen und Munition, um sich verteidigen zu können. Das Paket im Umfang von knapp 60 Milliarden US-Dollar hat bereits den US-Senat passiert, wird aber im Repräsentantenhaus von den Republikanern blockiert.

Ukrainische Soldaten hätten zum Teil harte Entscheidungen zu treffen, welche Ziele sie überhaupt angreifen sollten und mit welcher Munition, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, im Weißen Haus in Washington. «Ihnen geht nicht der Mut aus. Ihnen gehen die Kugeln aus.» Kirby mahnte: «Die Lage ist ernst.» 

Die USA haben in den letzten zwei Jahren seit Kriegsbeginn eine große Menge Waffen und Munition an die Ukraine geliefert. Es gibt jedoch seit einiger Zeit keinen Nachschub mehr aus den Vereinigten Staaten. Der Grund dafür ist eine innenpolitische Blockade im US-Parlament, wo Republikaner weitere Hilfen für Kiew verweigern.

Kirby mahnte, wenn die Ukraine weiterhin keine Unterstützung der Vereinigten Staaten bekomme, sei es sehr wahrscheinlich, dass die Russen in ein oder zwei Monaten weitere Gebietsgewinne erzielen dürften. Schon jetzt gebe es teils «dramatische Auswirkungen» auf dem Schlachtfeld. Das ukrainische Militär habe etwa die Kleinstadt Awdijiwka wegen des Mangels an Munition verloren. Russland meldete indes die Einnahme zweier weiterer Dörfer in der Region.

Taurus und westliche Truppen: Kritik an Scholz und Macron

Der Grünen-Politiker Anton Hofreiter warf Scholz und Macron Fahrlässigkeit vor. Das Verhältnis zwischen den beiden sei «offensichtlich zutiefst zerrüttet», sagte Hofreiter im ZDF-«heute journal». Das sei «ein Riesenproblem für unsere Sicherheit» und für die Europäische Union. Beide Politiker handelten unverantwortlich – «Macron mit seinem fahrlässigen Gerede über die Bodentruppen, das verunsichert die Bevölkerung, und Scholz mit seiner völlig unverantwortlichen Begründung für die Taurus-Absage».

Der Bundeskanzler lehnt die Lieferung deutscher Taurus-Marschflugkörper an die Ukraine weiterhin ab und begründet seine Weigerung mit dem Risiko einer Verwicklung Deutschlands in den Krieg. «Deutsche Soldaten dürfen an keiner Stelle und an keinem Ort mit den Zielen, die dieses System erreicht, verknüpft sein. Auch nicht in Deutschland», sagte er bei einer Chefredaktionskonferenz der dpa. Hofreiter nannte diese Absage im ZDF «eine Geste der Schwäche» gegenüber dem russischen Präsidenten Wladimir Putin: «Das ist ja direkt eine Einladung an Putin, weitere Länder anzugreifen, nach dem Motto: „Wir können nichts tun, wir sind eh schwach.“»

Was heute wichtig wird

Präsident Wolodymyr Selenskyj setzt auf Reisen weiterhin persönlich ein, um Unterstützung für sein Land zu gewinnen. Nach einem Besuch in Saudi-Arabien wird er heute in Albanien von Ministerpräsident Edi Rama zu Gesprächen empfangen. Bei einem Treffen der Westbalkan-Staaten plant Rama, die Solidarität der gesamten Region mit der Ukraine zu betonen. Auch Vertreter aus Griechenland und der Türkei werden anwesend sein.

dpa