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Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Der Einsatz von Drohnen jeder Größe ist die wichtigste militärische Neuerung in Russlands Krieg gegen die Ukraine. Seit einigen Wochen schlägt Kiew zurück mit Treffern weit im russischen Hinterland.

Russlands Hauptstadt Moskau hat offiziellen Angaben zufolge erneut einen Drohnenangriff abgewehrt.
Foto: Uncredited/AP/dpa

Die Angriffe von russischen Paramilitärs aus der Ukraine auf die Grenzgebiete Belgorod und Kursk in Russland sorgen während der Präsidentenwahl in Moskau für Unruhe. Präsident Wladimir Putin wird kontinuierlich über die Angriffe informiert, so sein Sprecher Dmitri Peskow. In Belgorod, der Hauptstadt der Region, wurden zwei Menschen durch Raketenbeschuss getötet.

In der Nacht auf Sonntag, dem dritten und letzten Wahltag, hat die russische Flugabwehr laut Behördenangaben mehrere ukrainische Raketen und Drohnen abgefangen. Eine umfunktionierte Flugabwehrrakete S-200 wurde über dem Grenzgebiet Brjansk südwestlich von Moskau abgeschossen. Im Gebiet Kaluga, das näher an Moskau liegt, wurden drei ukrainische Drohnen abgefangen, wie der örtliche Gouverneur Wladyslaw Schapscha auf Telegram mitteilte. Es gab keine Schäden oder Verletzte. Die Angaben waren nicht unabhängig überprüfbar.

Seit mehr als zwei Jahren wehrt sich die Ukraine gegen eine umfangreiche russische Invasion und setzt nun den Krieg mit verbesserten Kampfdrohnen immer häufiger in Russland fort. Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die erhöhte Reichweite als bedeutende Stärkung des militärischen Potenzials. Der 753. Kriegstag begann jedoch auch für die Ukraine mit einem Luftalarm. Laut der ukrainischen Luftwaffe drohten im Nordosten russische Flugzeuge damit, Gleitbomben abzuwerfen. Im Süden flogen russische Drohnen vom Schwarzen Meer in Richtung der Hafenstadt Odessa.

Dörfer im russischen Gebiet Belgorod ohne Strom

Im Landkreis Grajworon in Russland, direkt an der ukrainischen Grenze, waren laut dem Gebietsgouverneur von Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, in der Nacht zum Sonntag noch etwa zehn Dörfer ohne Strom, nachdem sie von der ukrainischen Seite beschossen wurden. Am Samstag war auch die Gebietshauptstadt Belgorod selbst betroffen, die etwa 50 Kilometer von der Grenze entfernt liegt. Zwei Menschen kamen durch Raketenangriffe ums Leben, und mehrere Personen wurden laut Gladkow verletzt.

In den vergangenen Tagen gab es bereits Angriffe im Gebiet Belgorod und im Gebiet Kursk, die von russischen Paramilitärs verübt wurden. Diese kämpfen an der Seite der Ukrainer und sind Gegner von Putin. Die militärische Situation in den Grenzdörfern ist unklar. Kremlsprecher Peskow hat bestätigt, dass die Versuche, nach Russland einzudringen, gescheitert sind. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass sich noch Angreifer auf russischem Gebiet befinden.

Als Anzeichen dafür, dass der Kreml die Entwicklung ernst nimmt, hatte Putin schon am Freitag persönlich reagiert. Er sagte, die Angreifer wollten die Präsidentenwahl stören. Das werde aber nicht gelingen, weil das russische Volk sich geschlossen dagegen stellen werde. «Das korrupte Regime in Kiew hat seine Terrorangriffe wegen der Präsidentenwahl in Russland intensiviert», erklärte das russische Außenministerium in Moskau.

Ukraine: Wir helfen den Exilrussen

Die Regierung in Kiew gibt vor, dass russische Verbände wie die Legion Freies Russland oder das Bataillon Sibir bei den Angriffen in Russland auf eigene Faust handeln. Es liegt aber nahe, dass ihre Waffen bis hin zu Panzern aus ukrainischen Beständen stammen. Die exilrussischen Einheiten hätten die Ukraine vom ersten Tag des Krieges im Februar 2022 an unterstützt, sagte der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR, Kyrylo Budanow, im Fernsehen. «Wir versuchen, ihnen im Rahmen unserer Möglichkeiten zu helfen.»

Putin strebt bei der Wahl seine fünfte Amtszeit an. Die Abstimmung wird jedoch vollständig von den Behörden kontrolliert. Es gibt keine echten Gegenkandidaten für den Kremlchef. Beobachter weisen auf Wahlbetrug hin. International wird kritisiert, dass Moskau diese Scheinabstimmung auch illegal in den besetzten ukrainischen Gebieten durchführt.

Ukrainische Drohnen treffen russische Raffinerien

«In diesen Wochen haben viele bereits gesehen, dass das russische System der Kriegsführung Schwachstellen hat und dass wir diese Schwachstellen mit unseren Waffen erreichen können», sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Er bezog dies offensichtlich auf mehrere erfolgreiche Angriffe ukrainischer Drohnen auf russische Raffinerien, die weit im Hinterland des Feindes liegen.

In der Nacht auf Samstag wurden drei Ölanlagen im russischen Gebiet Samara an der Wolga angegriffen, das mehr als 1000 Kilometer östlich der Ukraine liegt. Die Ukraine plant solche Angriffe, um die russische Treibstoffproduktion zu beeinträchtigen und somit das Militär zu schwächen. Zudem sollen die Einnahmen aus der Ölproduktion, die Moskau zur Finanzierung des Krieges nutzt, reduziert werden.

Bisher ist wenig über die technische Weiterentwicklung der ukrainischen Drohnen bekannt, aber ihr erfolgreicher Einsatz über große Entfernungen ist seit einigen Wochen belegt. «Fortan wird die Ukraine immer über eigene Schlagkraft am Himmel verfügen», sagte Selenskyj.

dpa