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Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Während im Kreml die Sektkorken knallen, detonieren in der Ukraine Raketen und Granaten. Der Krieg geht ohne Unterbrechung weiter. Die Entwicklungen im Überblick.

In mehreren Regionen der Ukraine wurde am frühen Sonntagabend Luftalarm ausgelöst.
Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Kremlchef Wladimir Putin die Legitimität seines Wahlerfolgs abgesprochen. «Diese Wahlfälschung hat keine Legitimität und kann keine haben», sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. «Diese Figur (Putin) muss auf der Anklagebank in Den Haag landen – dafür müssen wir sorgen, jeder auf der Welt, der das Leben und den Anstand schätzt.» Zu den Forderungen der Ukraine für ein Friedensabkommen mit Moskau gehört unter anderem, das sich die russischen Verantwortlichen in Politik und Militär vor einem internationalen Gericht verantworten sollen.

Putin habe dieser Tage eine weitere Wahl vorgetäuscht. «Jedem in der Welt ist klar, dass diese Figur, wie schon so oft in der Geschichte, einfach nur machtbesessen ist und alles tut, um lebenslang zu regieren», sagte Selenskyj. «Es gibt kein Übel, das er nicht begehen würde, um seine persönliche Macht zu verlängern.»

Mit Blick auf die russische Invasion seiner Heimat und den nunmehr über zwei Jahre dauernden Krieg forderte Selenskyj Gerechtigkeit. «Es muss eine gerechte Vergeltung für alles geben, was russische Mörder in diesem Krieg und im Interesse von Putins lebenslanger Macht getan haben», sagte er. «Er hat nur vor einer Sache Angst – vor der Gerechtigkeit.» Wegen des Vorwurfs der Kriegsverbrechen in der Ukraine gibt es einen Haftbefehl des Weltstrafgerichts in Den Haag gegen Putin.

US-Regierung prangert mangelnden Nachschub an Waffen an

Die US-Regierung hat erneut den Mangel an militärischer Ausrüstung und Waffen für die Ukraine kritisiert und vor den Konsequenzen gewarnt. Laut dem Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, drängen die russischen Streitkräfte gegen die erste Verteidigungslinie der Ukrainer und versuchen, die zweite zu erreichen. Sie erobern kleine Städte, Dörfer und Ackerland, nicht weil es strategisch wichtig ist, sondern um ihre Gewinne zu zeigen, besonders wegen der Wahlen in Russland. Ihr Vormarsch ist langsam, aber stetig.

Die Ukrainer haben nicht die Munition und andere militärische Fähigkeiten, die sie brauchen, um die Russen zurückzudrängen und die Gebiete zurückzuerobern. Deshalb ist es so wichtig, dass sie jetzt Nachschub bekommen. Die ukrainischen Soldaten müssen auf dem Schlachtfeld schwierige Entscheidungen treffen, da es ihnen an der nötigen Munition mangelt. Nicht der Mut, die Führung oder das Können fehlt den ukrainischen Soldaten, sondern die Munition.

In den vergangenen zwei Jahren seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine galten die USA als wichtigster Verbündeter Kiews. Die US-Regierung hat in großem Umfang Waffen und Munition an die Ukraine geliefert. Allerdings gibt es seit einiger Zeit keinen Nachschub mehr aus den USA. Der Grund dafür ist eine innenpolitische Blockade im US-Kongress, wo Republikaner bisher weitere Hilfe für Kiew verweigern.

Putin: Kein Interesse an Weltkrieg

Der russische Präsident Putin zeichnete nach seiner Wiederwahl die Spannungen zwischen Russland und dem Westen, allen voran die Nato, in einem düsteren Licht. Ein umfassender Konflikt mit der Nato sei nicht auszuschließen, und in diesem Fall wäre die Welt nur einen Schritt von einem Dritten Weltkrieg entfernt, sagte Putin am Sonntag in Moskau. «Ich halte es für unwahrscheinlich, dass irgendjemand daran interessiert ist, wurde Putin weiter von der Staatsagentur Tass zitiert. Nach Putins Worten sind in der Ukraine bereits zahlreiche Soldaten aus Nato-Mitgliedsstaaten im Einsatz. «Das wissen wir bereits», sagte er. Man habe bereits Französisch und Englisch vernommen. «Das ist nichts Gutes, vor allem für sie, denn sie sterben dort in großer Zahl», sagte Putin – ohne diese Behauptung zu belegen.

Drohnenschwärme unterwegs – Luftalarm in der Ukraine

Am frühen Sonntagabend wurde in mehreren Regionen der Ukraine Luftalarm ausgelöst. Laut ukrainischen Medienberichten war der Grund dafür, dass das russische Militär mehrere Schwärme sogenannter Kamikaze-Drohnen gestartet hatte. Der Alarm galt den Regionen Charkiw, Poltawa, Sumy und Dnipro im Osten des Landes. Später am Abend wurde auch in Kiew Alarm ausgelöst, da sich eine Welle von Drohnen aus südlicher Richtung näherte. Es wurden zunächst keine weiteren Informationen zu möglichen Angriffen, Abwehrmaßnahmen oder Schäden veröffentlicht.

In der Nacht zuvor hatte das ukrainische Militär den Süden Russlands mit Drohnenangriffen überzogen. In Krasnodar löste eine Drohnenattacke ein Feuer in einer Ölraffinerie aus. Laut dem Verteidigungsministerium in Moskau wurden über der südrussischen Stadt Belgorod mindestens acht Drohnen abgeschossen. Bei einem Drohnenangriff in Belgorod kam mindestens eine Person ums Leben, elf weitere wurden verletzt, wie aus Medienberichten hervorgeht. Diese Angaben konnten nicht unabhängig bestätigt werden.

Selenskyj hob am Sonntagabend die sogenannte Drohnenkoalition westlicher Staaten hervor, die die Ukraine mit den unbemannten Flugobjekten versorgt. «Dies ist eine Waffe, die sich als äußerst wirksam erwiesen hat», sagte der ukrainische Staatschef.

dpa