Seit Monaten wartet die Ukraine auf neue Hilfen aus den USA. Bidens Sicherheitsberater versucht in Kiew Hoffnung zu machen. Die News im Überblick.
Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Die ukrainische Hauptstadt Kiew wurde in der Nacht in mehreren Angriffswellen mit Raketen attackiert. Am Morgen waren Explosionen von Flugabwehrraketen im Stadtzentrum zu hören, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur berichtete.
Nach Aussagen der ukrainischen Armee wurde nach mehreren Wochen Pause erneut die strategische Luftwaffe des russischen Militärs vom Kaspischen Meer aus eingesetzt. Zuvor hatten russische Flugzeuge gelenkte Gleitbomben auf das Gebiet Sumy im Nordosten abgeworfen.
Nach dem nächtlichen Sirenenalarm in Kiew informierte Bürgermeister Vitali Klitschko über herabgestürzte Raketenteile in mehreren Stadtteilen. Mehrere Autos und ein Transformatorenhaus seien in Brand geraten. Es habe mindestens acht Leichtverletzte gegeben. Der ukrainischen Luftwaffe zufolge setzte Russland auch schwer abzufangende Hyperschallraketen des Typs «Kinschal» (Dolch) ein.
An der russisch-ukrainischen Grenze zwischen den Städten Belgorod und Charkiw spitzt sich die Lage derweil durch fortgesetzten gegenseitigen Beschuss zu. In Charkiw, der zweitgrößten Stadt der Ukraine, starben bei einem russischen Raketenangriff am Mittwoch mindestens fünf Menschen. Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte sich in seiner abendlichen Videoansprache bestürzt: «Seit mehr als zwei Jahren sind Charkiw und die Region schrecklichen russischen Angriffen ausgesetzt», sagte er. Aber auch die tödliche Attacke vom Mittwoch werde nur bewirken, dass die Ukraine noch energischer reagiere.
Im Gebiet Belgorod auf russischer Seite starben zwei Männer in der grenznahen Kreisstadt Graiworon durch Beschuss aus der Ukraine, wie Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow mitteilte. Angesichts der anhaltenden Angriffe proukrainischer Milizen kündigte er Krisenmaßnahmen an. Aufgrund der verschlechterten Versorgung sollen Lebensmittel verteilt werden. Kontrollposten werden in sieben grenznahen Kreisen eingerichtet, um den Zugang zu den Ortschaften zu regeln. In diesen Kreisen und in der Gebietshauptstadt Belgorod werden auch die Schulferien vorzeitig beginnen. Etwa 9000 Kinder aus der Region sollen in Sicherheit gebracht werden, die ersten 1200 von ihnen bereits am Freitag.
In Kiew trafen sich Selenskyj und sein Präsidialamtsleiter Andrij Jermak mit US-Sicherheitsberater Jake Sullivan. Dieser warb um Vertrauen in die fortgesetzte Unterstützung durch die USA, obwohl neue Hilfen derzeit noch im Parlament blockiert würden. Einige andere Länder wie die Niederlande, Litauen und Lettland kündigten Rüstungshilfen für die Ukraine an. Heute wird der 757. Kriegstag gezählt.
Moskau droht wegen der Angriffe auf Belgorod
In Moskau kündigte die Vorsitzende des Föderationsrates, Valentina Matwijenko, eine «angemessene Antwort» auf die Angriffe auf Belgorod an und drohte mit Vergeltung. Die Attacken der ukrainischen Streitkräfte zielten auf zivile Objekte und Städte, sagte die Vertraute von Kremlchef Wladimir Putin – ohne dafür Beweise vorzulegen. Sie warf den USA, Großbritannien und der Nato vor, das Vorgehen der ukrainischen Armee zu koordinieren. Auch dafür führte sie keine Belege an.
Die Verantwortung für die Angriffe wurde von pro-ukrainischen Paramilitärs übernommen, jedoch nicht von den regulären Streitkräften Kiews. Putin hatte bereits am Sonntagabend erwähnt, dass Russland möglicherweise in die Grenzregion vordringen könnte, um Angriffe auf Belgorod durch eine Pufferzone zu verhindern.
US-Sicherheitsberater Sullivan in Kiew
Selenskyj berichtete nach dem Treffen, dass er mit dem US-Sicherheitsberater Sullivan über Rüstungszusammenarbeit gesprochen habe. Er zeigte sich dankbar für die Unterstützung der USA. «Putin muss verlieren – und das ist eine Frage von Leben und Tod für die demokratische Welt», betonte der ukrainische Staatschef. Sullivan, als Sicherheitsberater von Präsident Joe Biden, hob die zahlreichen laufenden US-Hilfsprogramme für das von Russland angegriffene Land hervor.
Er forderte den US-Kongress auf, zusätzliches Geld für die Ukraine bereitzustellen. Die Unterstützung für Kiew ist seit Monaten aufgrund eines Streits zwischen Republikanern und Demokraten im US-Parlament blockiert.
Selenskyj wirbt um indische Unterstützung
Der ukrainische Präsident diskutierte auch mit dem indischen Premierminister Narendra Modi über ein geplantes Gipfeltreffen zu seiner Friedensformel, das in der Schweiz stattfinden soll. Selenskyjs Plan beinhaltet den Abzug russischer Truppen aus der Ukraine und zielt darauf ab, internationales Recht, atomare Sicherheit und die weltweite Nahrungsmittelversorgung zu gewährleisten. Die Ukraine bemüht sich, Entwicklungsländer und Schwellenländer mit diesen Themen auf ihre Seite zu ziehen.
Laut dem Präsidialamt betonte Selenskyj die Bedeutung der Teilnahme Indiens an dem Gipfel. Indien pflegt traditionell enge Beziehungen zu Russland und ist einer der wichtigsten Abnehmer von russischem Öl, das vom Westen nicht mehr gekauft wird. Neu-Delhi bleibt neutral im seit über zwei Jahren andauernden Angriffskrieg gegen die Ukraine, hat jedoch Moskau vor einem möglichen Einsatz von Atomwaffen gewarnt.
Niederlande finanziert Munition für Kampfjets
Die Regierung der Niederlande plant, die Ukraine im Kampf gegen Russland mit Munition im Wert von 150 Millionen Euro zu unterstützen. Das Verteidigungsministerium in Den Haag gab bekannt, dass es sich um Bomben für die F-16-Kampfflugzeuge handelt, die der Ukraine übergeben werden sollen. Die Niederlande sind Teil der Länderkoalition, die der Ukraine US-Kampfflugzeuge vom Typ F-16 zur Verfügung stellt. Ukrainische Piloten werden derzeit in Rumänien auf diesen Flugzeugen geschult. Es ist unklar, wann das Training abgeschlossen sein wird und die F-16 zum Einsatz kommen können.
Die Niederlande planen, insgesamt 24 F-16 in die Ukraine zu entsenden. Wie das Verteidigungsministerium bekannt gab, werden die Niederlande etwa 200 Millionen Euro bereitstellen, um gemeinsam mit anderen Ländern Drohnen für die Ukraine zu erwerben.
Litauen hat angekündigt, 35 Millionen Euro für eine tschechische Initiative zur Beschaffung von Artilleriemunition für die Ukraine bereitzustellen. Prag plant den Kauf von rund 800.000 Granaten außerhalb der EU. Auch Lettland wird sich an der Initiative beteiligen, ohne jedoch eine genaue Summe zu nennen. Die Ukraine hat seit Monaten einen Mangel an Artilleriemunition beklagt, was dazu geführt hat, dass die Armee zunehmend in die Defensive geraten ist.
Das wird heute wichtig
Die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Staaten starten in Brüssel ihr zweitägiges Frühjahrstreffen. Es wird diskutiert, wie die Militärhilfen für die Ukraine erhöht werden können und die europäische Verteidigungsindustrie gestärkt wird.








