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Selenskyj offen für US-Waffenhilfe auf Kredit

Die Ukraine akzeptiert jedes Angebot, um siegen und überleben zu können. Selenskyj würde Waffen sofort auf Kredit nehmen.

Die ukrainische 152-mm-Panzerhaubitze Dana feuert auf russische Stellungen in der Region Donezk.
Foto: Roman Chop/AP/dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich offen für das Angebot künftiger US-Waffenhilfe auf Kredit gezeigt. «Wir werden jede Option akzeptieren», sagte Selenskyj in einem Interview im ukrainischen Fernsehen dazu. Die USA sind mit Waffenhilfen über umgerechnet 40 Milliarden Euro militärisch der wichtigste Verbündete der Ukraine bei ihrer Abwehr des russischen Angriffskriegs.

Derzeit liegt jedoch weitere Rüstungshilfe aufgrund eines innenpolitischen Streits zwischen Demokraten und Republikanern im US-Kongress auf Eis. Dadurch gerät die Ukraine auf dem Schlachtfeld ins Hintertreffen und verliert gegen die russischen Besatzungstruppen an Boden.

Laut Selenskyj hat die Ukraine keine Wahl: Sie muss jedes Angebot akzeptieren, um siegen und überleben zu können. Wenn er entscheiden müsste, ob er das Paket jetzt auf Kredit oder in einem Jahr quasi gratis bekomme, würde er es sofort auf Kredit nehmen, sagte der ukrainische Staatschef.

Die Initiative, der Ukraine Waffen auf Kredit zur Verfügung zu stellen, wurde von dem früheren US-Präsidenten Donald Trump ins Leben gerufen, der im November eine Rückkehr ins Weiße Haus anstrebt. Seine Partei, die Republikaner, blockiert seit Monaten die Freigabe eines Rüstungspakets im Wert von 60 Milliarden Dollar an die Ukraine.

Selenskyj zu Flugabwehr und Schutz von Charkiw

Der ukrainische Präsident äußerte sich in einem Interview auch zu anderen brisanten Themen. Seiner Meinung nach benötigt das Land zwei Dutzend Patriot-Flugabwehrsysteme zum Schutz des eigenen Luftraums vor russischen Raketen- und Drohnenangriffen. Um den Luftraum zu sichern, seien 25 Systeme mit jeweils 6 bis 8 Batterien erforderlich, sagte Selenskyj.

«Alle unsere Partner wissen dies ganz genau, sie kennen sogar die Punkte, an denen die entsprechenden Systeme platziert werden sollten.» Patriots und analoge westliche Flugabwehrsysteme – darunter fällt das deutsche Iris-T – haben sich nach seinen Angaben hervorragend bewährt. Er warnte daneben vor einem Defizit an Flugabwehrmunition, sollte Russland seine Luftangriffe im gleichen Takt fortsetzen.

Eine Eroberung der ostukrainischen Millionenstadt Charkiw durch russische Truppen schloss Selenskyj indes aus. «Charkiw ist heute geschützt», sagte der Präsident. Er räumte ein, dass die Stadt weiter anfällig gegen Luftangriffe sei, doch für die Verteidigung des Gebiets am Boden sei er absolut zuversichtlich. Seinen Angaben nach sind die von der Ukraine gebauten Befestigungsanlagen nicht nur in Charkiw, sondern auch in weiten Teilen des Front- und Grenzgebiets weitgehend fertig.

Tote und verletzte Zivilisten auf beiden Seiten in Donezk

Im von der Ukraine kontrollierten Teil des Gebiets Donezk wurden laut offiziellen Angaben mindestens fünf Zivilisten durch russischen Artilleriebeschuss getötet. Eine Minderjährige war unter den Opfern im Landkreis Pokrowsk, wie die zuständige Staatsanwaltschaft mitteilte. Zwei weitere Personen wurden verletzt. Wohnhäuser in mehreren Ortschaften wurden getroffen. Der Landkreis Pokrowsk befindet sich nur wenige Kilometer westlich von Donezk an der Frontlinie.

Die Behörden der von russischen Truppen besetzten Gebietshauptstadt Donezk meldeten elf Verletzte durch ukrainischen Beschuss. Laut Denis Puschilin, dem Chef der von Russland annektierten Region Donezk, handelt es sich dabei um zwei Kinder. Neun Wohnhäuser in verschiedenen Stadtteilen wurden beschädigt. Zusätzlich zu Donezk wurden auch die Städte Makijiwka und Horliwka, die ebenfalls vom russischen Militär kontrolliert werden, angegriffen, wie Puschilin auf seinem Telegram-Kanal mitteilte.

dpa