Russland greift Odessa an, Charkiw bombardiert, Explosion in St. Petersburg; Ukraine wehrt sich seit Jahren gegen russische Invasion.
Angriffe und Explosionen in Ukraine und Russland

Russland hat die südukrainische Hafenstadt Odessa mit mehreren Raketen angegriffen – vermutlich als Reaktion auf einen massiven ukrainischen Drohnenangriff auf die russische Schwarzmeerküste. Die ukrainische Luftwaffe gab bekannt, dass tagsüber drei ballistische Raketen und drei Marschflugkörper auf Odessa abgefeuert wurden. Auch die ostukrainische Millionenstadt Charkiw wurde am Freitag aus der Luft angegriffen, wodurch mindestens 3 Menschen getötet und 28 verletzt wurden.
In der nördlichen Metropole St. Petersburg in Russland ereignete sich eine Explosion in einer Militärakademie, bei der laut Angaben der Armee sieben Soldaten verletzt wurden. In Kiew diskutierte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit der Regierung und dem Militär über die schwierige Situation im Energiesystem seines angegriffenen Landes.
Auch während der Nacht zum Samstag wurde in vielen Teilen der Ukraine erneut Luftalarm ausgelöst. Insbesondere der Osten und Süden des Landes waren betroffen. Die Ukraine verteidigt sich seit über zwei Jahren gegen eine russische Invasion. Am Samstag wird der 815. Kriegstag gezählt.
Ein Toter durch Beschuss auf Hafenstadt Odessa
Am Freitag hat die ukrainische Luftwaffe eigenen Angaben zufolge drei Marschflugkörper vom Typ Ch-59 und Ch-69 beim Beschuss von Odessa abgefangen. Drei Raketen des mutmaßlichen Typs Iskander trafen jedoch und verursachten Brände. Laut Gebietsgouverneur Oleh Kiper gab es einen Toten und acht Verletzte. In der Nähe der Grenze zu Russland warfen russische Flugzeuge in Charkiw zwei gelenkte Gleitbomben ab. Es wurde jedoch nicht bekannt gegeben, was in beiden Fällen getroffen wurde.
Ukrainische Drohnen treffen Noworossijsk
In der Nacht zum Freitag wurden russische Militärstützpunkte auf der Halbinsel Krim, der Hafen Noworossijsk am Schwarzen Meer und eine Raffinerie in Tuapse von der Ukraine beschossen. „Noworossijsk ist für Russland strategisch wichtig, da ein großer Teil seiner Öl- und sonstigen Exporte über diesen Hafen abgewickelt wird. Es dient auch als Ausweichstützpunkt für die russische Schwarzmeerflotte, deren Hauptstützpunkt Sewastopol auf der Krim zu unsicher geworden ist.“
Das Verteidigungsministerium in Moskau hat bekannt gegeben, dass 44 ukrainische Drohnen über der russischen Festlandsküste am Schwarzen Meer abgefangen wurden. Die Angaben konnten nicht überprüft werden. In den sozialen Medien wurden angebliche Videos aus Noworossijsk verbreitet, die zeigten, wie Drohnen einzeln oder in Gruppen den Hafen angriffen und Brände an großen Tanks auslösten.
Die örtlichen Behörden teilten mit, dass alle Industriebetriebe im Normalbetrieb arbeiten würden. Jedoch wurde erst am Nachmittag die Stromversorgung für 16.000 Haushalte wiederhergestellt, nachdem ein Transformator beschädigt worden war.
Front bei Charkiw schon 70 Kilometer breit
Russische Bodentruppen setzen ihre vor einer Woche gestartete Offensive im Grenzgebiet bei Charkiw fort, wie der ukrainische Oberbefehlshaber Olexander Syrskyj auf Telegram schrieb. Die russische Armee habe diese neue Front mittlerweile auf etwa 70 Kilometer ausgedehnt. Dies solle die Ukrainer dazu zwingen, mehr Brigaden aus der Reserve zu mobilisieren. Dem Gegner sei es jedoch nicht gelungen, die ukrainischen Linien zu durchbrechen.
Während seiner Reise nach China sagte der russische Präsident Wladimir Putin, dass seine Armee derzeit keine Eroberung von Charkiw plane. Es solle jedoch eine Pufferzone eingerichtet werden, um die Ukraine daran zu hindern, das russische Grenzgebiet Belgorod zu beschießen.
Aufruf zum Stromsparen in der Ukraine
Angesichts der Schäden am ukrainischen Stromnetz rief Selenskyj die Bürger zum Stromsparen auf. «Jetzt ist ein sehr rationeller, überlegter Stromverbrauch gefragt», sagte er in seiner abendlichen Videoansprache. Kommunen und Energieversorger sollten darüber informieren, warum zeitweise Stromsperren notwendig seien.
«Durch die russischen Angriffe hat unser Energiesektor nun einen erheblichen Teil seiner Erzeugung verloren», sagte Selenskyj. «Es wird Zeit brauchen, sich davon zu erholen.» Große Anstrengungen seien nötig, das Energiesystem so umzubauen, dass es nicht mehr von Russland beschädigt werden könne. Details nannte er nicht.
Mobilisierungsgesetz tritt in Kraft
Am Samstag werden in der Ukraine die neuen Regeln zur Wehrpflicht und Mobilisierung wirksam, die das Parlament im April verabschiedet hat. Das Außenministerium in Kiew informierte darüber, dass ukrainische Männer im Ausland wieder die Dienste der Konsulate in Anspruch nehmen können. Voraussetzung ist, dass die Registrierung bei den Wehrbehörden entweder auf Papier oder elektronisch nachgewiesen wird. Das Verteidigungsministerium hat eine App eingeführt, mit der die Registrierung online erfolgen kann.
Aufgrund des russischen Angriffskriegs haben auch Hunderttausende wehrfähige Männer die Ukraine verlassen. Ende April stoppten die ukrainischen Auslandsvertretungen die Ausstellung oder Verlängerung von Ausweispapieren für Männer ohne Registrierung bei der Wehrbehörde. Das Ziel war, sie zur Rückkehr in die Ukraine zu zwingen.
Explosion in Militärakademie in St. Petersburg
Die Explosion in der Akademie der Fernmeldetruppen in St. Petersburg hat sieben Soldaten verletzt. Laut Militärangaben soll eine alte Granate aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs von selbst explodiert sein. Die genauen Umstände werden noch untersucht. Russische Telegram-Kanäle schließen nicht aus, dass eine ukrainische Drohne die Akademie angegriffen haben könnte.
Die Explosion habe keinen – so wörtlich – «terroristischen Charakter», sagte der Gouverneur von St. Petersburg, Alexander Beglow, der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge. Auch damit war gemeint, dass es nicht um einen ukrainischen Angriff gehe. Beglow rief die Medien auf, keine Panik zu schüren.








