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Selenskyj drängt auf Tempo bei Waffenlieferungen

Die Ukraine benötigt dringend Flugabwehrsysteme und westliche Kampfjets, um russische Gleitbomben abzuwehren und Städte zu schützen.

Bereits mehrfach hatte Selenskyj in den vergangenen Tagen um die Lieferung von zwei weiteren Flugabwehrsystemen des Typs Patriot gebeten.
Foto: Kay Nietfeld/dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat mehr Tempo bei den Waffenlieferungen an sein Land angemahnt. Die Ukraine brauche am dringendsten weitere Flugabwehrsysteme und westliche Kampfjets, sagte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache. «Leider fehlt es der freien Welt in diesen beiden Fragen an Schnelligkeit.»

Laut seinen Angaben könne Russland aufgrund der Luftüberlegenheit Städte mit Gleitbomben angreifen und die Verteidigungsstellungen der Ukrainer zerstören. Besonders aktiv werde diese zerstörerische Taktik an den Frontabschnitten bei Charkiw sowie im Gebiet Donezk in Richtung Tschassiw Jar und Pokrowsk genutzt.

Selenskyj hatte bereits mehrmals in den vergangenen Tagen um die Lieferung von zwei weiteren Flugabwehrsystemen des Typs Patriot gebeten. „Damit könne die immer wieder aus der Luft angegriffene Millionenstadt Charkiw besser geschützt werden“, sagte er. Die Stadt im Nordosten der Ukraine ist besonders schwer vom Krieg gezeichnet.

Die Kampfjets, die auch von Selenskyj erwähnt wurden, wurden der Ukraine bereits vor einem Jahr zugesagt. Trotzdem sind die F-16-Maschinen laut offiziellen Angaben immer noch nicht im Land angekommen. Experten zufolge kann sich Russland durch die allgemein langen Lieferzeiten des Westens auf die neuen Waffen vorbereiten.

Vorerst keine weiteren Patriots für Kiew

Eine Videokonferenz der Ukraine-Kontaktgruppe brachte keine Fortschritte bezüglich der Anfrage Selenskyjs. Rund zehn Staaten sollen nun die von Deutschland betriebene Suche nach weiteren Elementen der Patriots-Flugabwehr unterstützen. Es gibt jedoch nur Zusagen für zusätzliche Munition und Ersatzteile, nicht für einen weiteren Flugabwehrkomplex. Trotzdem lobte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin die deutsche Initiative.

Zugleich betonte Austin, dass sich die Ukraine auf den «Nahkampf» konzentrieren solle, also die Verteidigung des eigenen Landes gegen die Besatzer. Kiew hatte zuletzt auch weiter reichende Raketen für Schläge gegen das russische Hinterland angefordert, um Truppenaufmärsche dort zu verhindern und für das Militär strategisch wichtige Objekte wie Ölraffinerien zu vernichten. Nach Medienberichten stößt diese Taktik in Washington auf Kritik.

Spanien bestätigt Lieferung weiterer Leopard-Panzer

Spanien wird wie geplant bis Ende Juni weitere Kampfpanzer vom älteren Typ Leopard 2A4 an die Ukraine liefern. Dies bestätigte Verteidigungsministerin Margarita Robles bei der Videokonferenz der Ukraine-Kontaktgruppe, wie die Regierung in Madrid mitteilte. Die zugesagten Liefertermine werden eingehalten und es werden auch weitere Patriot-Flugabwehrraketen und verschiedene Arten von Munition geschickt.

Die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez hatte der Ukraine im vergangenen Jahr bereits zehn Leopard 2A4 geschickt. Im März kündigte sie dann die Entsendung von insgesamt 19 weiteren Panzern dieses Typs für dieses Jahr an. Die ersten zehn wurden bis Ende Juni zugesagt, neun weitere sollen im September folgen.

Ukraine spricht von Häuserkampf in Kleinstadt

Die schweren Kämpfe im Nordosten der Ukraine setzen sich fort, nachdem die neue russische Bodenoffensive begonnen hat. Laut eigenen Angaben haben die Ukrainer den russischen Angriff in der Stadt Wowtschansk im Gebiet Charkiw gestoppt. Der Militärgouverneur der Region Charkiw, Oleh Synjehubow, erklärte im ukrainischen Fernsehen, dass die Frontlinie derzeit entlang des Flusses Wowtscha verläuft, welcher die nördliche Stadthälfte vom Süden trennt.

Dem russischen Militär gelinge es nicht, weiter vorzudringen. «Im Gegenteil, unsere Soldaten versuchen, Haus für Haus, Straße für Straße dieser Siedlung zurückzuerobern.» Seinen Angaben nach ist auch der russische Vormarsch weiter westlich ausgebremst worden. Unabhängig bestätigen ließen sich die Aussagen Synjehubows nicht.

Vor zehn Tagen begann Russland eine Bodenoffensive im Gebiet Charkiw, um die Frontlinie zu erweitern und die ukrainischen Verteidiger zu überlasten. Trotz schneller Geländegewinne zu Beginn und der Eroberung mehrerer Dörfer in der Nähe der Grenze ist das Tempo des russischen Vormarschs in den letzten Tagen laut unabhängigen Beobachtern deutlich gesunken. Bisher ist er jedoch noch nicht vollständig zum Stillstand gekommen.

Explosionen in russisch kontrollierter Stadt in Ostukraine

Bei Raketenangriffen auf die Kleinstadt Swerdlowsk im russisch besetzten Gebiet Luhansk im Osten der Ukraine geriet nach Angaben der Besatzungsbehörden ein Treibstofflager in Brand. Die Ukraine hat die bereits seit 2014 von russischen Kräften besetzte Kleinstadt Swerdlowsk 2016 in Dowschansk umbenannt.

Laut ukrainischen Medienberichten wurde bei dem Raketenangriff auch ein Stützpunkt russischer Truppen getroffen. In Videos, die in sozialen Netzwerken kursierten, waren starke Rauchwolken zu sehen, sowie ein brennendes mehrstöckiges Gebäude im Kasernenstil. Die russischen Behörden vor Ort gaben offiziell keine Informationen über Tote und Verletzte bekannt.

dpa