Selenskyj gibt die Zahl der russischen Angriffe mit Gleitbomben seit Anfang Juni mit 2400 an. Trotz neuer Bombardierung Charkiws sieht er dort nun insgesamt weniger Attacken. Die News im Überblick.
Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Nach dem neuesten Bombenangriff auf die Stadt Charkiw in der Ostukraine hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schnellere Hilfe des Westens bei der Luftabwehr gefordert. Selenskyj betonte in seiner abendlichen Videobotschaft, dass die Ukraine bereits mehr Fähigkeiten erlangt habe, um russische Stützpunkte für den Abschuss von Raketen nahe der Grenze sowie Ansammlungen von Besatzungstruppen zu zerstören. Dennoch habe es seit Anfang Juni allein in die Ukraine 2400 Angriffe mit russischen gelenkten Fliegerbomben gegeben, davon allein 700 gegen die Region Charkiw.
In seiner Videobotschaft verurteilte Selenskyj erneut den Gleitbombenangriff auf ein Wohnhaus im Zentrum der Großstadt Charkiw nahe einer Bushaltestelle. Selenskyj sprach von drei Toten und Dutzenden Verletzten. Die Behörden gaben die Zahl der Verletzten am Abend mit 56 an.
Auf Bildern waren schwere Schäden an dem Gebäude zu sehen. Selenskyj verurteilte den neuen Akt der Zerstörung durch russische Terroristen. «Der russische Terror mit Gleitbomben muss und kann gestoppt werden», sagte er. Dafür seien Entschlossenheit und Entscheidungen der Verbündeten nötig, um das Leben der Menschen in dem Land vor dem russischen Raketenterror zu schützen.
Charkiw, das nahe der russischen Grenze liegt, wird seit Monaten von massiven russischen Angriffen heimgesucht. Zivile Einrichtungen werden immer wieder getroffen. Es gab bereits Dutzende von zivilen Opfern. Laut der ukrainischen Luftwaffe auf der Plattform Telegram wurden Charkiw und die südukrainische Stadt Cherson am Sonntagmorgen von russischen Kampfflugzeugen mit gelenkten Gleitbomben angegriffen. Einzelheiten zu den Angriffen waren zunächst nicht bekannt.
Am frühen Morgen wurde in der Hauptstadtregion Kiew Luftalarm ausgelöst. Nach Angaben der Flugabwehr hatten russische Militärs mehrere Marschflugkörper vom Typ «Kalibr» abgefeuert. Sowohl in Kiew als auch westlich in der Region Schytomir trat die Flugabwehr in Aktion, laute Explosionen waren zu hören.
Russland berichtet von ukrainischen Drohnenangriffen
In der Nacht wurden Einflüge ukrainischer Kampfdrohnen aus den südrussischen Regionen Smolensk und Brjansk gemeldet. „Allein in der Region Brjansk seien über 20 Drohnen von der Flugabwehr abgeschossen worden“, behauptete Gouverneur Alexander Bogomas laut Angaben der Staatsagentur Tass. Die Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden.
Selenskyj sieht Erfolge beim Schutz ukrainischer Städte
Selenskyj betonte in seiner Videobotschaft, dass im Westen mehr Maßnahmen zur Stärkung der ukrainischen Luftabwehr ergriffen werden sollten. Er hatte insbesondere wiederholt die Bereitstellung zusätzlicher Systeme vom US-Typ Patriot gefordert. Nur so könnten seiner Ansicht nach mehr Erfolge bei der Verteidigung von Städten und Gemeinden sowie beim Schutz der Bevölkerung erzielt werden. Die Ukraine sei für alle gewährten militärischen Hilfspakete dankbar, benötige sie jedoch vor allem zeitnah und in vollem Umfang.
«Der deutliche Rückgang des russischen Raketenterrors gegen Charkiw und die Region beweist, dass es durchaus möglich ist, unsere Städte und Gemeinden vor russischen Bomben zu schützen», sagte Selenskyj. Neben den Patriot-Systemen brauche die Ukraine auch eine Beschleunigung der Ausbildung von Piloten von F-16-Kampfflugzeugen und eine größere Reichweite eigener Waffen. Die Ukraine erwartet noch in diesem Sommer die Lieferung der ersten Kampfjets vom US-Typ F-16.
Die Ukraine kämpft seit über zwei Jahren mit Unterstützung westlicher Verbündeter gegen den russischen Angriffskrieg. Ein Ziel des Landes ist es, die Kontrolle über den eigenen Luftraum durch eine verbesserte Luftverteidigung zurückzugewinnen. Darüber hinaus bereiten dem Land auch russische Angriffe auf die Energieinfrastruktur Probleme.
Stromausfälle in Ukraine nach neuen Luftschlägen
Nach weiteren russischen Luftangriffen auf die Energieinfrastruktur in der Ukraine haben die Versorgungsunternehmen über zusätzliche Stromausfälle in dem betroffenen Land informiert. Aufgrund der Schäden durch die Angriffe kam es in der gesamten Ukraine zu zeitweisen Versorgungsausfällen bis gegen Mitternacht. Der Energiekonzern Ukrenerho hatte die Blackouts am Morgen angekündigt.
Russland führt gezielte Angriffe auf Objekte der Energieinfrastruktur durch. In ganz Russland sind Instandsetzungsarbeiten im Gange.
Bei neuen Luftangriffen in den ukrainischen Gebieten Saporischschja und Lwiw (früher Lemberg) wurde die Energieinfrastruktur von Moskau beschädigt. Ukrenerho gab bekannt, dass zwei Personen im Gebiet Saporischschja verletzt wurden. Details zu den Schäden wurden nicht genannt. Die ukrainischen Luftstreitkräfte berichteten, dass die Russen mit taktischen Bombern und Drohnen angegriffen haben. Es wurde berichtet, dass 13 Drohnen und 12 Raketen abgeschossen wurden.
Russland versucht durch die Angriffe auf die Energieinfrastruktur auch die Bevölkerung zu demoralisieren. Obwohl das Stromnetz nicht zusammenbrach, waren Millionen von Ukrainern und Ukrainerinnen wiederholt ohne Strom, Heizung und Wasser im Dunkeln. Eine Studie der Kiewer Wirtschaftshochschule KSE ergab Gesamtschäden von 56,2 Milliarden US-Dollar (52 Milliarden Euro) an der Energieinfrastruktur. Besonders betroffen waren Elektrizitätskraftwerke, Stromleitungen sowie Anlagen des Öl- und Gassektors.








