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Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Der gegenseitige Beschuss zwischen Russland und der Ukraine eskaliert weiter. Im russischen Kaukasus sterben viele Polizisten bei einer Anschlagsserie. Die Ereignisse der Nacht.

In Charkiw in der Ukraine werden immer wieder Wohnhäuser bei russischen Angriffen von Fliegerbomben getroffen und beschädigt.
Foto: Uncredited/Ukrainian Emergency Service/AP/dpa

In der Nacht hat die Ukraine erneut Ziele auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim mit Raketen angegriffen. Laut der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform gab es in der Hafenstadt Jewpatorija mehrere Explosionen.

Auch die Behörden in Sewastopol lösten – im Gegensatz zu den Angriffen tags zuvor – Luftalarm aus. Die Auswirkungen der Angriffe sind noch unklar. Verschiedene Medien veröffentlichten Videos und Bilder von Bränden. Berichte über angeblich getroffene militärische Einrichtungen wurden jedoch bisher weder von ukrainischer noch von russischer Seite bestätigt.

Die Krim fungiert als entscheidendes Aufmarschgebiet für die russische Armee im Angriffskrieg gegen die Ukraine. Darüber hinaus beherbergt die bereits 2014 von Moskau annektierte Halbinsel die russische Schwarzmeerflotte und verschiedene Stützpunkte, von denen aus die russische Luftwaffe Angriffe gegen die Ukraine startet. Infolgedessen ist die Krim in den letzten Monaten verstärkt auch Ziel ukrainischer Attacken geworden.

Viele Verletzte bei Angriff gestern auf Sewastopol

Nur gestern wurde die Hafenstadt Sewastopol mit ATACMS-Raketen angegriffen. Eine Rakete, die von der russischen Luftabwehr abgefangen wurde, explodierte über einem der Stadtstrände. Bei der Explosion kamen vier Menschen ums Leben, darunter zwei Kinder. Die Anzahl der Verletzten stieg laut offiziellen russischen Angaben bisher auf 151.

In Moskau wurde von einem gezielten Terroranschlag gesprochen. Das russische Verteidigungsministerium, das zunächst behauptet hatte, alle ukrainischen Raketen abgeschossen zu haben und die Explosion am Strand mit der Kursänderung einer Rakete durch die Flugabwehr erklärt hatte, zog diese Aussage später zurück. Stattdessen wurden nur vier der fünf Raketen abgefangen, die fünfte wurde von den Ukrainern gezielt über dem Strand zum Explodieren gebracht. Das Militär in Moskau drohte mit Vergeltung.

Toter und ein Dutzend Verletzte bei Angriffen auf Charkiw

Russland hat erneut die Großstadt Charkiw im Nordosten der Ukraine angegriffen, wobei mindestens ein Mensch bei einem Angriff mit Gleitbomben getötet wurde und etwa ein Dutzend verletzt wurde.

Zwei der Verletzten sind Jugendliche, wie Charkiws Militärgouverneur Oleh Synjehubow auf Telegram mitteilte. Der Tote soll ein 73-jähriger Mann sein. Synjehubow zufolge gab es drei Einschläge in verschiedenen dicht besiedelten Stadtvierteln. Die Schäden sind erheblich, mehrere Hochhäuser wurden schwer beschädigt.

Laut ukrainischem Fernsehen wurden die Vororte von Charkiw letzte Nacht von mehreren Explosionen erschüttert. Es gab zunächst keine näheren Angaben.

Selenskyj fordert weiter Waffen und Einsatzerlaubnis

Auch angesichts dieser Attacke hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj vom Westen weiter reichende Waffen und die Erlaubnis zu Schlägen tief in russisches Gebiet hinein gefordert. «Die russische Luftwaffe muss vernichtet werden, da wo sie ist und mit allen nur möglichen Mitteln, die effektiv sind», sagte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache. Kiew arbeite mit seinen westlichen Partnern an einer entsprechenden Entscheidung.

Das jüngst von westlichen Staaten aufgehobene Verbot, mit den gelieferten Waffen grenznahes russisches Gebiet zu beschießen, habe bereits Resultate gebracht. Ein «Teil des russischen Terrorpotenzials» sei zerstört, allerdings nur ein Teil. Es sei nötig, die Ukrainer besser zu schützen. «Dazu brauchen wir weiter reichende Waffen.» Auch dazu werde weiter verhandelt. Selenskyj erwartet eigenen Angaben nach in den nächsten Wochen weitere Fortschritte auf dem Gebiet.

Russland: Antiterroreinsatz im Kaukasus nach Anschlägen in Dagestan

Derweil wurde Russland im Kaukasus von einer Anschlagsserie erschüttert. Erst nach mehreren Stunden konnte die Polizei in der islamisch geprägten russischen Teilrepublik Dagestan im Nordkaukasus die Attentäter, die Synagogen, Kirchen und einen Polizeiposten angegriffen hatten, ausschalten. «Die Einsatzkräfte und Sicherheitsorgane haben schnell reagiert, aber leider ist es nicht ohne Opfer abgelaufen», sagte der Bürgermeister von Machatschkala Jussup Umawow.

Laut Behördenangaben haben die Terroristen insgesamt zehn Menschen getötet, darunter acht Polizisten. Sechzehn weitere Personen wurden ins Krankenhaus gebracht. Mindestens sechs Angreifer wurden getötet, wie russische Medien unter Berufung auf die Polizei berichten.

Gleichzeitig wurden Angriffe in der südrussischen Stadt Derbent und in der Hauptstadt des Gebiets Dagestan, Machatschkala, gemeldet. „In beiden Städten wurden Synagogen angegriffen“, teilte der Russische Jüdische Kongress mit. In Derbent wurde die Synagoge durch einen Brand schwer beschädigt. Zwei orthodoxe Kirchen wurden ebenfalls angegriffen, bei denen ein Priester und ein Wachmann ums Leben kamen. Ein weiteres Ziel der Angreifer war ein Polizeiposten in Machatschkala.

Das wird heute wichtig

Beim EU-Außenministertreffen in Luxemburg steht der Ukraine-Krieg im Mittelpunkt. Die Minister planen, einen Beschluss für zusätzliche Sanktionen gegen Russland zu verabschieden.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow ist zurzeit in Minsk zu Gesprächen. Dort plant er auch ein Treffen mit dem engsten Verbündeten Moskaus, dem Machthaber von Belarus, Alexander Lukaschenko.

dpa