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Längster Stromausfall in Berlin nach Brandanschlag

Temperaturen deutlich unter null Grad, Schneefall. Der tagelange Stromausfall im Berliner Südwesten wird für die Menschen zunehmend zur Herausforderung.

Ein Kraftstoffcontainer vom Technischen Hilfswerk THW wird auf einem Betriebshof vom THW von einem Tankwagen der Bundeswehr getankt.
Foto: Christophe Gateau/dpa

Berlin durchlebt den längsten Stromausfall in der Nachkriegsgeschichte. Viele Tausende Menschen müssen ohne Strom und Wärme in dunklen und kalten Wohnungen oder in Ausweichquartieren ausharren. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und der Geschäftsführer der landeseigenen Gesellschaft Berlin Stromnetz, Bernhard Büllmann, versicherten ihnen, dass sie bis Donnerstag wieder mit Strom versorgt werden.

Laut dem Betreiber sind am vierten Tag des Blackouts im Südwesten der Hauptstadt immer noch etwa 25.500 Haushalte und 1.200 Geschäfte und Unternehmen ohne Strom.

Videomaterial sichergestellt 

Eine linksextremistische Gruppierung bekannte sich zu dem Brandanschlag an einer Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Als Folge davon waren am Samstagmorgen im Südwesten Berlins zunächst 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom.

Die Polizei ermittelt weiter, wer hinter dem Brandanschlag steckt. Nach Zeugenaufrufen seien Hinweise im «mittleren zweistelligen Bereich» eingegangen, sagte Polizei-Vizepräsident Marco Langner. Acht davon seien erfolgversprechend. Zudem habe die Polizei mehrere Hundert Stunden Videomaterial sichergestellt. . 

Generalbundesanwalt soll aus Berliner Sicht Fall übernehmen

Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und Regierungschef Wegner drängen darauf, dass der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernimmt. Spranger wiederholte, sie gehe von einem linksterroristischen Anschlag aus. Darüber habe sie am Montag mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) gesprochen. «Er sieht es genauso», sagte sie. Wegner sagte: «Hier ging es um einen terroristischen Akt, und dafür ist das Bundeskriminalamt, die Bundesanwaltschaft, zuständig.»

Es gibt derzeit Spekulationen im Internet, ob Russland und einer seiner Geheimdienste möglicherweise die eigentlichen Täter sind. Die Polizei hingegen bezeichnet eindeutig Linksextremisten als Verantwortliche.

Hotels und Schwimmbäder öffnen für Betroffene

Es gibt praktische Hilfsangebote für die Betroffenen: Drei Bäder in dem betroffenen Bereich werden rund um die Uhr geöffnet, damit die Menschen kostenlos duschen können. Die Bundeswehr unterstützt laut Innenverwaltung vor allem beim Transport, Aufbau, Anschluss und der Dieselversorgung von Notstromaggregaten. Die Soldaten versorgen die Menschen vor Ort auch mit warmem Essen und Tee. Betroffene können sich in Notquartieren oder anderen Anlaufstellen aufwärmen. Etwa 20 Schulen bleiben den zweiten Tag in Folge geschlossen.

Um alle Menschen zu erreichen, gehen Mitarbeiter von Ordnungsämtern, der Polizei, den Maltesern und anderen Besuchsdiensten seit Sonntag von Tür zu Tür.

Einige Leute haben in Hotels übernachtet. „Betroffene erhalten die Kosten für die Hotelzimmer erstattet“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Wegner am X. Laut der Senatsverwaltung für Wirtschaft gilt dies für die entsprechenden Partnerhotels der Berliner Tourismusagentur Visit Berlin.

https://x.com/RegBerlin/status/2008492987186376842

Netzbetreiber: Gut im Zeitplan

Der Netzbetreiber arbeitet daran, dass wieder alle Menschen mit Strom versorgt werden. Laut Betreiber sind die Tiefbauarbeiten für die beiden provisorischen Kabelverbindungen abgeschlossen. Nun begännen die elektrischen Arbeiten zur Herstellung der Verbindung. Damit liege man «sehr gut im Zeitplan», sagte ein Sprecher. 

Gemäß dem Betreiber sind alle 74 betroffenen Pflegeeinrichtungen jetzt wieder mit Strom versorgt. Derzeit sind 36 große Notstromaggregate im Einsatz. Auch die Stromversorgung für alle drei betroffenen S-Bahnhöfe wurde laut Stromnetz wiederhergestellt.

Polizei verstärkt Präsenz

Die Polizei hat in Wannsee und den benachbarten Ortsteilen ihre Präsenz deutlich erhöht. Man habe Unterstützung durch die Bundespolizei und sei mit bis zu 550 Beamtinnen und Beamten im Einsatz, sagte Polizei-Vizepräsident Langner. Man sei sehr eng mit der Bundespolizei in Abstimmung, um zusätzliche Lichtmasten zu erhalten. In der Nacht war die Polizei auch mit einem Hubschrauber unterwegs, um die Kräfte am Boden zu unterstützen. Bislang sei die Situation aber «erstaunlich ruhig», sagte Langner. 

Längster Blackout in Berlin seit Krieg

Gemäß dem Stromnetz handelt es sich nun um den längsten Stromausfall in der Hauptstadt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Blackout im September 2025 im Südosten Berlins dauerte etwa 60 Stunden. Zu dieser Zeit waren etwa 50.000 Stromkunden betroffen.

dpa