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Lauterbach will bessere Bedingungen für Hausärzte

Die Hausarztpraxis in der Nähe ist für viele eine wichtige Anlaufstelle – doch das Netz droht auszudünnen. Kann eine Reform die Versorgung absichern?

Der Bundesminister für Gesundheit und SPD-Politiker: Karl Lauterbach.
Foto: Britta Pedersen/dpa

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach plant, den steigenden Mangel an Hausärztinnen und Hausärzten durch Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu bekämpfen.

«Wir haben zu wenige Hausärzte, sie sind schlecht verteilt, und wir haben einen großen Bedarf vor uns», sagte der SPD-Politiker am Freitag bei der Einbringung eines Gesetzentwurfs im Bundestag. Unter anderem sollen damit für Hausärzte wie schon für Kinderärzte Obergrenzen bei der Vergütung wegfallen.

Lauterbach sagte, dass es nicht akzeptabel sei, Hausärzten nicht alle erbrachten Leistungen zu bezahlen, wenn es bereits zu wenige Hausärzte gebe. Das Ziel des Gesetzes ist es, den Beruf für Medizinerinnen und Mediziner attraktiver zu gestalten angesichts von 5.000 unbesetzten Hausarztsitzen und das Praxisnetz bei nahenden Ruhestandswellen zu erhalten.

Kritik von der Opposition

Tino Sorge, der Gesundheitsexperte der Union (CDU), kritisierte, dass zwar viel angekündigt werde, das Gesetz jedoch entkernt sei. Er fragte sich, warum nicht auch für Fachärzte Vergütungslimits aufgehoben werden.

Eingeführt werden soll für Hausärzte auch eine Jahrespauschale zur Behandlung chronisch kranker Patienten. Dies soll Praxisbesuche in jedem Quartal nur zum Abholen von Rezepten vermeiden und mehr Behandlungsfreiräume schaffen. Eine neue «Vorhaltepauschale» sollen Praxen bekommen, die bestimmte Kriterien erfüllen – etwa zu Haus- und Pflegeheimbesuchen oder Abendsprechstunden.

Bei Hausärzten gab es zuletzt keinen Rückgang mehr zu verzeichnen. Laut Bundesarztregister gab es Ende 2023 51.389 Hausärzte, was 75 mehr sind als Ende 2022. Vor zehn Jahren waren es jedoch 52.262. Der Anteil der Über-60-Jährigen unter den Hausärzten beträgt zudem 37 Prozent.

Digitales Informations- und Vergleichsangebot

Laut dem Entwurf sollen auch die psychotherapeutischen Angebote für Kinder und Jugendliche verbessert werden. Hierfür soll eine neue eigene Arztgruppe für die Bedarfsplanung geschaffen werden. Ein digitales Informations- und Vergleichsangebot soll für gesetzlich Kranken- und Pflegeversicherte zur Verfügung stehen. Abrufbar sein sollen unter anderem Zahlen zu Genehmigungen und Ablehnungen bestimmter Leistungen. Die Gründung von medizinischen Versorgungszentren (MVZ) soll für Kommunen einfacher werden, in denen Ärztinnen und Ärzte unter einem Dach arbeiten.

Um das Vorhaben in Gang zu setzen, hatte Lauterbach einige in der Koalition umstrittene Punkte herausgelöst. In den parlamentarischen Beratungen sollen sie aber erneut aufgerufen werden. Dazu gehören «Gesundheitskioske», also leicht zugängliche Beratungsstellen für Behandlung und Prävention in Gegenden mit vielen sozial benachteiligten Menschen. Stark machen will sich Lauterbach auch für ein Aus für homöopathische Leistungen auf Kassenkosten.

dpa