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Lehrkräftemangel an Grundschulen bald vom Tisch

Gibt es bald einen Lehrkräfte-Überschuss? Eine aktuelle Berechnung legt das nahe. Bildungsforscher sehen das als Chance.

Eine Lehrerin schreibt an die Tafel: An Grundschulen könnte es bald genug Lehrkräfte geben.
Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Laut Schätzung von Bildungsexperten wird der Mangel an Grundschullehrerinnen und -lehrern ab dem kommenden Schuljahr vielerorts behoben sein.

Aufgrund der kürzlich wieder rückläufigen Geburtenrate im Vergleich zu 2021 geht die Bertelsmann-Stiftung davon aus, dass es in den kommenden Jahren einen wachsenden Überschuss an Lehrerinnen und Lehrern im Primarbereich geben wird. Laut Prognose werden bis 2035 sogar etwa 45.800 fertig ausgebildete Lehrkräfte im Primarbereich zur Verfügung stehen, die den Unterricht abdecken können, obwohl sie nicht benötigt werden.

Droht Arbeitslosigkeit für Pädagogen?

Laut den Studienautoren Klaus Klemm und Dirk Zorn bedeutet ein rechnerisches Überangebot an Absolventen jedoch nicht zwangsläufig Arbeitslosigkeit für die Pädagogen. Stattdessen erhält die Politik den Spielraum für Qualitätsverbesserungen, der heute fehlt.

Die Experten empfehlen, dass die Lehrkräfte für den Ausbau der Ganztagsangebote genutzt werden könnten oder um mehr Personal an Schulen in sozial schwierigen Lagen einzustellen. Außerdem schlagen sie vor, dass Grundschullehrer auch für den Einsatz in den fünften und sechsten Klassen weitergebildet werden.

Die Schätzung der Bertelsmann-Stiftung weicht deutlich von der Prognose der Kulturministerkonferenz (KMK) ab, die Ende 2023 vorgelegt wurde. Die KMK hatte für das Jahr 2035 einen Überschuss von nur 6300 Absolventen im Primarbereich ermittelt. Der Hauptgrund dafür ist eine Trendwende bei der demografischen Entwicklung, die in den KMK-Berechnungen noch nicht berücksichtigt wurde.

Laut den Studienautoren der Bertelsmann-Stiftung sei der Rückgang der Geburten in den Jahren 2022 und 2023 deutlicher als in den statistischen Angaben der Länder vorhergesagt. Die Schülerzahlen wurden entsprechend nach unten korrigiert und sollen auch in den kommenden Jahren weiterhin abnehmen.

Lehrkräftemangel teils dennoch nicht ausgeschlossen

Grundsätzlich unterliegen Prognosen wie diese einer Reihe von Unschärfen. So sind nach Angaben des Bildungsexperten Zorn erwartbare Wanderungsbewegungen einbezogen, nicht jedoch «exogene Schocks, die große Fluchtbewegungen auslösen, wie ein neuer Krieg und Katastrophen». «Ein Grund mehr, zusätzliches Personal für ein resilientes Schulsystem zu nutzen», sagte Zorn.

Außerdem beziehe sich die Betrachtung auf ganz Deutschland, so dass es für passgenaue Planung nach Bundesländern und Regionen differenziertere Berechnungen brauche: «Eine Überversorgung in der Großstadt schließt nicht aus, dass im ländlichen Raum händeringend nach Grundschullehrerinnen oder -lehrern gesucht wird», so Zorn.

Auch in anderen Schulformen und bestimmten Fächern bleibt die Situation angespannt. Insbesondere in den nicht-gymnasialen weiterführenden Schulen und den MINT-Fächern wird es noch für absehbare Zeit einen großen Lehrermangel geben.

dpa