Litauen wählt sein Staatsoberhaupt – Nauseda als Favorit, niedrigere Beteiligung als in erster Runde.
Stichwahl in Litauen: Nauseda gegen Simonyte

In einer Stichwahl entscheiden die Bürgerinnen und Bürger in Litauen über ihren zukünftigen Präsidenten. Der amtierende Staatschef Gitanas Nauseda geht als klarer Favorit in das Duell, das gegen Regierungschefin Ingrida Simonyte stattfindet – wie bereits bei der vorherigen Präsidentenwahl.
Bis zum frühen Nachmittag hat etwa ein Drittel der rund 2,4 Millionen Wahlberechtigten in dem baltischen EU- und Nato-Land, das an die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad sowie an Russlands engen Verbündeten Belarus grenzt, ihre Stimme abgegeben. Laut der Wahlkommission in Vilnius ist die Beteiligung niedriger als bei der ersten Wahlrunde am 12. Mai. Zu diesem Zeitpunkt erhielt Nauseda mit knapp 44 Prozent die meisten Stimmen und gewann 57 von 60 Wahlbezirken – jedoch nicht die absolute Mehrheit. Simonyte erzielte gut 20 Prozent.
Nauseda hat sich als entschlossener Unterstützer der von Russland angegriffenen Ukraine einen Namen gemacht. International profilierte er sich zudem als engagierter Vertreter der Interessen seines Heimatlandes, das durch seine Lage an der Nato-Ostflanke in der geopolitischen Konfrontation mit Russland besonders exponiert ist. Deutschland plant, eine kampfbereite Brigade mit bis zu 5000 deutschen Soldaten dauerhaft in dem Land zu stationieren.
Unterschiede beim Recht auf Abtreibung und gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften
Viele Litauer erwarten in der Stichwahl einen klaren Sieg von Nauseda, wie bereits 2019. Der 60-Jährige zeigt sich im Wahllokal zuversichtlich, spekuliert jedoch nicht über sein mögliches Wahlergebnis. Nach der Stimmabgabe schätzt er seine Chancen in der zweiten Runde als gut ein. Auch Simonyte ist optimistisch, eine Alternative für die Wähler zu sein. Im Falle ihres Wahlsiegs werde sie die Ausrichtung des Staates – proeuropäisch, westlich – auf keinen Fall ändern. Sie werde sich jedoch für schnelleren Fortschritt, größere Offenheit und mehr Toleranz einsetzen, so die 49-Jährige.
In Litauen hat der Präsident hauptsächlich repräsentative Aufgaben, im Gegensatz zum deutschen Bundespräsidenten jedoch größere Befugnisse in der Außen- und Verteidigungspolitik. Nauseda und Simonyte sprechen in vielen Fragen mit einer Stimme. Beide unterstützen entschieden eine starke Rolle der NATO für die Sicherheit der Region und befürworten höhere Militärausgaben.
Die beiden konservativen Ökonomen unterscheiden sich in gesellschaftspolitischen Fragen wie dem Recht auf Abtreibung und der Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften. Simonyte vertritt in dem katholisch geprägten Litauen eine liberalere Haltung als Nauseda.
Die Wahllokale bleiben bis 20.00 Uhr Ortszeit (19.00 Uhr MESZ) geöffnet. Es wird damit gerechnet, dass in der Nacht aussagekräftige Ergebnisse vorliegen.








