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Marine trainiert in Norwegen für den Ernstfall

Circa 1.300 Marine-Soldaten proben unter Realbedingungen. Es ist die größte Schießübung der Marine mit Lenkflugkörpern seit Jahrzehnten. Auch die Abwehr feindlicher Drohnen steht auf dem Plan.

Bis zu 54 Flugkörper sollen bei der Übung abgefeuert werden.
Foto: Philip Dulian/dpa

Ein grelles Licht erleuchtet den Nachthimmel über dem Nordmeer, etwa 300 Kilometer nördlich des Polarkreises vor der Küste Norwegens. Auf dem Deck der Fregatte «Bayern» schießt eine Rakete des Typs «NSSM» senkrecht nach oben. Sekunden später fliegt ein weiterer Flugkörper durch die dichte Wolkendecke. Das Ziel: eine Drohne, die einen simulierten Angriff auf das Schiff fliegt. Nur wenige Momente später hallt ein dumpfer Knall über das Wasser – die Drohne wurde erfolgreich außer Gefecht gesetzt.

Bis zu 54 Flugkörper sollen abgefeuert werden

Die Deutsche Marine übt derzeit in einer umfangreichen Übung mit scharfen Schüssen für den Ernstfall. Die diesjährige «Maritime Firing Exercise» (MFE) ist die größte Schießübung der Marine mit Lenkflugkörpern seit 30 Jahren. Laut Marine sollen bis zu 54 Flugkörper in der zweiwöchigen Übung namens Andøya abgefeuert werden, aber auch Torpedo- und Artillerieschüsse sind geplant.

Etwa 1.300 Soldatinnen und Soldaten sowie zehn Einheiten der Marine nehmen daran teil, darunter Fregatten, Korvetten, Versorger, Bordhubschrauber und ein U-Boot. Die Korvetten «Braunschweig», «Magdeburg» und «Erfurt» kommen allesamt aus Warnemünde. Der Tender «Donau» ist aus Kiel, das U-Boot «U 32» ist in Eckernförde beheimatet, ebenso wie der Tender «Main».

Neben Soldaten der Marine nehmen auch Experten des Heeres und der Luftwaffe am Flugkörperschießen teil. Außerdem ist laut Marine die vorübergehende Beteiligung eines norwegischen Aufklärungsflugzeugs geplant.

Verteidigung gegen angreifende Luftziele

«Wir trainieren die Verteidigung der Einheiten gegen angreifende Luftziele und auch Flugkörperschießen gegen Ziele auf See und an Land», sagte der Kapitän zur See und Kommandeur der Übung, Florian Feld, der Deutschen Presse-Agentur kurz vor Beginn der Übung. Andøya diene dazu, die komplexen Waffensysteme und die Verfahrensabläufe zu trainieren, eben unter realen Bedingungen. 

Laut Feld sei das regelmäßige Üben der Funktionsketten entscheidend für den erfolgreichen Einsatz der Waffensysteme. Vor den Übungen würden monatelange Planungen durchgeführt, um das nächtliche Schießen reibungslos ablaufen zu lassen.

Auch Drohnenabwehr wird geübt

Die eingesetzten Drohnen werden von einem Kontrollzentrum auf dem Festland aus gesteuert. «Diese Drohnen simulieren anfliegende Flugkörper, die unsere Schiffe angreifen würden», so Feld. Bei der Übung kämen verschiedene Drohnen-Typen zum Einsatz. Diese variieren demnach beispielsweise in Größe und Agilität. Einige der unbemannten Luftfahrzeuge erreichen Geschwindigkeiten im Überschallbereich.

Auch die eigentliche Drohnenabwehr ist Teil der Großübung. Die Bekämpfung gegen diese ist laut Feld teilweise gleich wie bei der Verteidigung gegen Luftziele. «Es gibt aber noch eine ganze Reihe von Maßnahmen im elektronischen Spektrum, die wir auch zur Drohnenabwehr einsetzen können», sagte Feld. Dies sei aber nur ein Nebenaspekt der Übung, betonte er. Der Fokus liege auf dem Seekrieg in den verschiedenen Dimensionen über und unter Wasser sowie in der Luft.

Erstmaliger Einsatz von Iris-T auf einem Schiff 

Erstmalig auf See kam auch das Luftverteidigungssystem Iris-T an Bord der Fregatte «Baden-Württemberg» erfolgreich zum Einsatz. Das Waffensystem des deutschen Herstellers Diehl Defence ist ein Flugabwehrraketensystem zur Abwehr von Angriffen aus der Luft. Es bekämpft feindliche Flugzeuge, Hubschrauber, Marschflugkörper und Lenkwaffen, einschließlich ballistischer Kurzstreckenraketen.

Das Flugabwehrraketensystem wurde bisher nur auf dem Boden verwendet, aber nun wurde ein entsprechendes System für die Marine entwickelt. Laut Diehl hat das Waffensystem alle Test- und Erprobungsziele erreicht. Damit sei der Weg für die Serieneinführung des Luftverteidigungssystems für die Marine frei, wurde berichtet.

Die Marine hat ein festgelegtes Zeitfenster zwischen 21.00 Uhr und 4.00 Uhr für die Schießübungen. Auf der Brücke des Tenders «Donau», ein Versorgungsschiff, herrscht Hochbetrieb zu dieser Zeit. Die Besatzung arbeitet konzentriert und unter Spannung, reagiert auf spontane Probleme und steht im stetigen Funkkontakt zu den anderen Einheiten, um den gemeinsamen Kurs abzustimmen.

Regelmäßiges Flugkörperschießen im Nordmeer

Das Schießgebiet Andøya wird seit 2016 regelmäßig von der Deutschen Marine für Übungs- und Erprobungsschießen genutzt. Es liegt abseits ziviler Schifffahrtsrouten und ermöglicht ein Training unter nahezu realen Einsatzbedingungen, ohne dabei Unbeteiligte zu gefährden.

Die Deutsche Marine führt jährlich Flugkörperschießen im Nordmeer durch – entweder im Frühjahr oder im Herbst. Alle zwei Jahre findet im Nordmeer gemeinsam mit anderen Nationen die Übung «Mjolner» statt. In diesem Jahr beschränkt sich die Übung auf deutsche Streitkräfte.

dpa