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Massenflucht im Gazastreifen geht weiter

Israel intensiviert den Kampf gegen die Hamas. Die nächste Phase werde härter als sich die Hamas vorstelle, kündigte ein Minister an. Helfer warnen vor einer Hungerkatastrophe. Der Überblick.

Eine palästinensische Familie flieht vor der israelischen Bodenoffensive.
Foto: Mohammed Dahman/AP/dpa

Israels Vorrücken gegen die islamistische Hamas zwingt erneut Tausende palästinensische Zivilisten zur Flucht innerhalb des abgeriegelten Küstenstreifens. Die von Israel angeordnete Evakuierung des mittleren Gazastreifens führe zur «erzwungenen Vertreibung» weiterer Bewohner, schrieb das UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA auf der Plattform X (vormals Twitter).

Mehr als 150.000 Menschen – Kinder, Frauen mit Babys, Menschen mit Behinderungen und Ältere – könnten «nirgendwo hin». Derweil gehen die Kämpfe auch in Chan Junis im Südosten weiter. Dort will der Palästinensische Rote Halbmond ein Flüchtlingslager bauen, teilte der Rettungsdienst am Donnerstag mit.

Damaskus: Israel greift Ziele in Syrien an

Unterdessen hat Israel nach Angaben aus Damaskus auch erneut Gebiete im benachbarten Syrien angegriffen. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete unter Berufung auf Militärkreise am späten Donnerstagabend, Israels Militär habe «die südliche Region» aus der Luft attackiert. Syriens Luftverteidigung habe einige der abgefeuerten Raketen abgefangen. Es habe Sachschäden gegeben.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die in London ansässig ist, hat berichtet, dass auch Gebiete in der Nähe des Flughafens von Damaskus von israelischen Raketen getroffen wurden. Die Angaben werden derzeit vom israelischen Militär überprüft. Israels Luftwaffe führt regelmäßig Angriffe auf Ziele in Syrien durch. Israel möchte verhindern, dass sein Erzfeind Iran und mit ihm verbündete Milizen ihren militärischen Einfluss in Syrien ausweiten. Der Iran ist einer der wichtigsten Verbündeten Syriens.

US-Militär schießt Drohnen und Raketen ab

Laut eigenen Angaben des US-Militärs wurde im Süden des Roten Meeres erneut eine Drohne und eine Rakete der Huthi-Rebellen im Jemen abgeschossen. Das zuständige Regionalkommando des US-Militärs gab am Morgen bekannt, dass sie am frühen Donnerstagabend Ortszeit von den Huthis abgefeuert wurden. Berichten zufolge wurden bei dem Vorfall am Donnerstag keine der 18 Schiffe in der Umgebung beschädigt. Seit Beginn des Gaza-Kriegs greifen die Huthis regelmäßig Schiffe im Roten Meer mit Drohnen und Raketen an und feuern auch direkt auf Israel.

Minister: Nächste Kriegsphase wird heftig

Israel setzt ungeachtet dessen den Kampf gegen die Hamas in Gaza fort. Nach einem Besuch des Südkommandos der Armee sagte Benny Gantz, Minister in Israels Kriegskabinett, laut einem Bericht der Nachrichtenseite Ynet, die Streitkräfte seien bereit für die nächste Phase im Krieg gegen die Hamas. Diese Phase werde kraftvoller sein als «die Hamas sich vorstellt», wurde Gantz am Donnerstag zitiert.

Angesichts der hohen Zahl auch ziviler Todesopfer im Gazastreifen ist der israelische Militäreinsatz international stark kritisiert worden. Wenn sich die Hamas «sofort von allen Zivilisten» entfernen würde, «wird die humanitäre Krise ein Ende haben», sagte Doron Spielman, Sprecher der israelischen Armee, in der Nacht dem Sender CNN. Israel wirft der Terrororganisation vor, Zivilisten im Gazastreifen gezielt als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.

UN warnen vor Hungerkatastrophe

Laut dem UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA sind 40 Prozent der Bevölkerung von einer Hungerkatastrophe bedroht. «Jeder Tag ist ein Kampf ums Überleben, um das Finden von Nahrung und Wasser», schrieb der Gaza-Direktor von UNRWA, Thomas White, am Donnerstag auf X. «Die einzige verbleibende Hoffnung ist ein humanitärer Waffenstillstand.» Der abgeriegelte Gazastreifen ist kaum größer als die Stadt München.

Der Palästinensische Rote Halbmond plant, in Chan Junis im Südosten zunächst 300 Zelte für vertriebene Familien zu errichten. Später soll die Anzahl der Zelte auf 1000 erhöht werden, um Hunderten von vertriebenen Familien in der südlichen Region des Gazastreifens eine Unterkunft zu bieten, wie der Rettungsdienst auf X mitteilte.

Israel hat den Verdacht, dass sich in Chan Junis die Führungsspitze der islamistischen Hamas versteckt hält. Die Armee konzentriert derzeit ihre Kämpfe in dieser Region. Laut dem Palästinensischen Halbmond wurden bei einem weiteren israelischen Angriff auf ein Gebäude in der Nähe des Al-Amal-Krankenhauses in Chan Junis am Donnerstag zehn Menschen getötet und zwölf weitere verletzt.

Bericht: Hunderte demonstrieren in Israel

In Israel haben derweil Hunderte Menschen in der Stadt Tel Aviv einem israelischen Medienbericht zufolge gegen den Krieg demonstriert. Sie forderten am Donnerstagabend ein Ende der Kämpfe, die Freilassung der noch festgehaltenen Geiseln sowie eine Ende der israelischen Besatzung, wie die Zeitung «Haaretz» berichtete. Auch in Jerusalem demonstrierten demnach Hunderte für die Freilassung der nach israelischen Informationen noch knapp 130 festgehaltenen Geiseln.

Armee: Schlechte Sicht, Panzerlärm

Nachdem israelische Soldaten vor zwei Wochen versehentlich drei Geiseln im Norden Gazas getötet hatten, hat das Militär neue Erkenntnisse zu dem Vorfall veröffentlicht. Gestern teilte die israelische Armee mit, dass der Soldat, der zunächst zwei der Geiseln getötet hatte, nur begrenzte Sicht auf sie hatte. Darüber hinaus haben zwei Soldaten den Befehl, das Feuer einzustellen, aufgrund von Panzerlärm nicht gehört und später den dritten Mann erschossen.

Der Krieg begann mit dem schlimmsten Massaker in der Geschichte Israels am 7. Oktober, bei dem Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen rund 1200 Menschen in Israel ermordeten und etwa 240 weitere in den Gazastreifen verschleppten. Israel reagierte auf die verheerenden Terrorangriffe mit umfangreichen Luftangriffen und einer Bodenoffensive. Gemäß der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden bisher etwa 21.320 Menschen getötet.

Was heute wichtig wird

Die humanitäre Situation im Gazastreifen bleibt weiterhin katastrophal. Tausende Zivilisten sind erneut gezwungen, vor den andauernden Kämpfen zu fliehen.

dpa