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Massenproteste im Iran am zweiten Abend in Folge

Wegen der landesweiten Internetsperre sind die genauen Ausmaße schwer einzuschätzen. Drei europäische Regierungschefs warnen die iranische Staatsführung vor Repressionen.

Autos und auch Gebäude sollen bei den Protesten im Iran in Flammen aufgegangen sein.
Foto: Uncredited/Iran state TV/AP/dpa

Am zweiten Abend in Folge haben viele Menschen in verschiedenen Großstädten des Iran gegen die Regierung protestiert. Es gab Kundgebungen unter anderem in den Millionenstädten Teheran und Maschhad.

Viele Videos, die in den sozialen Medien geteilt wurden, zeigten Menschenansammlungen an zentralen Plätzen. Die Aufnahmen ließen sich zunächst nicht unabhängig verifizieren. Auch das genaue Ausmaß der Demonstrationen war vorerst unklar. Aufgrund der landesweiten Internetsperre drangen nur noch wenige Aufnahmen nach außen.

In einem von Aktivisten veröffentlichten Video waren Menschenmassen im nordwestlichen Teheraner Stadtteil Saadat Abad zu sehen. Eine Stimme im Hintergrund berichtet von einer angezündeten Moschee. Auf den Aufnahmen sind Brände und chaotische Szenen auf den Straßen zu erkennen. «Tod dem Diktator», ruft die Menge in einem anderen Teil des Videos.

Das Zentrum für Menschenrechte im Iran (CHRI) mit Sitz in New York äußerte Besorgnis über staatliche Gewalt. Es wurden glaubwürdige Augenzeugenberichte aus Krankenhäusern in Teheran, Maschhad und Karadsch erhalten, in denen verletzte Demonstranten überfüllt sind, so ein Bericht.

«Time»-Bericht: Mehr als 200 Tote

Ein Arzt aus Teheran sagte dem US-Magazin «Time», sechs Krankenhäuser in der iranischen Hauptstadt hätten zusammen mehr als 200 Todesfälle unter Demonstranten verzeichnet – die meisten seien demnach «durch scharfe Munition» getötet worden. Unabhängig bestätigen lassen sich diese Zahlen jedoch nicht.

Laut Aktivisten wurden bei den landesweiten Protesten bisher 51 Demonstranten getötet, aber es fehlen noch Zahlen aus mehreren Großstädten vom Donnerstag und aus der vergangenen Nacht. Die Organisation Iran Human Rights (IHRNGO) mit Sitz in Oslo berichtete, dass Hunderte weitere Menschen bei Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften verletzt worden seien.

Trump warnt iranische Regierung

US-Präsident Donald Trump wiederholte unterdessen seine Warnung an die iranische Regierung, dass die USA eingreifen würden, falls wie in der Vergangenheit Menschen getötet werden: «Wir werden uns einmischen, wir werden sie sehr hart treffen, wo es wehtut.» Damit sei allerdings kein Einsatz von US-amerikanischen Bodentruppen gemeint.

Am Donnerstagabend war es zu den größten Demonstrationen seit Beginn der Protestwelle gekommen, einen Tag später wurde erneut dazu aufgerufen. Nach Darstellung des Bürgermeisters von Teheran, Aliresa Sakani, wurden bei den Unruhen in der Hauptstadt mehr als 50 Banken und mehrere staatliche Einrichtungen angezündet. «Mehr als 30 Moscheen gingen in Flammen auf», sagte er in einem von der Nachrichtenagentur Mehr verbreiteten Video.

Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei verurteilte die Proteste. In einer am Freitag veröffentlichten Rede sprach der 86-Jährige von «Unruhestiftern» und «dem Land schädlichen» Menschen. «Es gibt auch Leute, deren Arbeit Zerstörung ist», sagte er. Sie richteten Zerstörung an, «nur damit sich der Präsident der Vereinigten Staaten freut», sagte das Staatsoberhaupt mit Blick auf Trump. Chamenei signalisierte einen harten Kurs gegen die Demonstranten.

Die Demonstrationen wurden Ende Dezember durch eine massive Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der landeseigenen Währung Rial ausgelöst. In Teheran gingen daraufhin wütende Händler auf die Straße. Mittlerweile haben sich die Proteste im ganzen Land ausgebreitet. Daraufhin hat die Führung das Internet für die Bevölkerung abgeschaltet, um die Kommunikation zu erschweren.

Merz, Macron und Starmer «zutiefst besorgt»

Deutschland, Frankreich und Großbritannien forderten die iranische Staatsführung zum Gewaltverzicht auf. «Wir sind zutiefst besorgt über Berichte von Gewalt durch iranische Sicherheitskräfte und verurteilen die Tötung von Demonstranten auf das Schärfste», heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer.

Die iranischen Behörden seien verantwortlich für den Schutz der eigenen Bevölkerung, sie müssten Meinungsfreiheit und friedliche Versammlungen zulassen, ohne dass Angst vor Repressalien herrsche. Der Iran warf den drei Ländern in einer Reaktion vor, dass ihre Sorgen «heuchlerisch» seien. «Wir verurteilen böswillige Einmischungen in Irans innere Angelegenheiten, die darauf abzielen, Gewalt zu provozieren», hieß es dort.

dpa